{"id":12288,"date":"2024-02-01T19:45:55","date_gmt":"2024-02-01T18:45:55","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=12288"},"modified":"2024-02-02T19:54:38","modified_gmt":"2024-02-02T18:54:38","slug":"chile-komplizenschaft-aufwiegelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=12288","title":{"rendered":"(Chile) KOMPLIZENSCHAFT &#038; AUFWIEGELUNG"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/\">Soligruppe f\u00fcr Gefangene<\/a><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><strong><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=12289\" rel=\"attachment wp-att-12289\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12289\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2024\/02\/chile-actividad-en-solidaridad-con-monica-y-francisco-y-lanzamiento-de-publicacion-complicidad-y-sedicion-08-12-2023-945x925-1-150x150.png\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>KOMPLIZENSCHAFT &amp; AUFWIEGELUNG<\/strong><\/p>\n<p><em>Originaltitel: Complicidad y Sedici\u00f3n, erschienen in Chile im<\/em><em> Juli 2023.<\/em><\/p>\n<p><em>EINZELAUSGABE<\/em><\/p>\n<p>ANGESICHTS DES PROZESSES GEGEN FRANCISCO UND M\u00d3NICA\/ JULI2023<\/p>\n<hr \/>\n<p><em>Einleitung der deutschsprachigen \u00dcbersetzung, wir haben diesen Text \u00fcbersetzt, nicht nur weil er einen genaueren Einblick auf einen weiteren Repressionsfall gegen Anarchistinnen und Anarchisten einwirft, einer von vielen, sondern weil dieser wichtige Positionen in den Raum wirft, wo es jetzt darauf ankommt, welche Anarchistinnen und Anarchisten nehmen sich diese zur Brust und nehmen die Herausforderung, in Theorie und in Praxis, an? Es geht um Kampf gegen die herrschenden Verh\u00e4ltnisse des Kapitals-Staates, des Patriarchats, es geht um Solidarit\u00e4t mit Gefangenen, wie diese \u00fcberhaupt in K\u00e4mpfen eingebunden werden k\u00f6nnen, es geht darum zu verstehen, dass wenn der Knast nicht in der Konfrontation um den Staat-Kapital abzuschaffen mitberechnet wird, sehr vieles fatal ausgehen wird. Es geht um wie sich Anarchistinnen und Anarchisten im direkten Konflikt mit den Herrschenden sich organisieren, welche Geschichte und Ideen dahinter stecken und vor allem, dass dieser Konflikt nicht auf morgen warten kann. Er muss hier und jetzt gef\u00fchrt werden.<\/em><span id=\"more-4496\"><\/span><\/p>\n<p><!--more--><em>Weil diese, sowie andere, Positionen nicht gerade viel diskutiert werden, zumindest im deutschsprachigen Raum, obwohl es in diesen auch Repression gegen Anarchist*innen gegeben hat und dies passiert weiterhin (Thomas Meyer Falk, die verschiedenen Verfahren in Aachen, Parkbank Verfahren in Hamburg, jetzt neuerdings werden Gef\u00e4hrtinnen und Gef\u00e4hrten in Berlin beschuldigt eine Aktion entlang einer Bahnstrecke durchzuf\u00fchren zu wollen, \u2026 und dies ist nur eine sehr kurze Auswahl an bekannten Beispielen, die unbekannten w\u00e4ren noch mehr), was fehlt ist nicht nur eben diese Auseinandersetzung, sondern \u00fcberhaupt eine kontinuierliche Debatte zwischen all jenen die den Staat-Kapital abschaffen wollen und gegen diesen hier und \u00fcberall k\u00e4mpfen.<\/em><\/p>\n<p><em>Daher kann dieser Text als ein Ausgangspunkt daf\u00fcr genommen werden, sprich als einen n\u00fctzlichen Werkzeug der die exotische Ferne und das entfremdete Sein zu zerschlagen sucht.<\/em><\/p>\n<p><em>Soligruppe f\u00fcr Gefangene<\/em><\/p>\n<hr \/>\n<p><strong>EINLEITENDE WORTE<\/strong><\/p>\n<p>Am 18. Juli 2023 beginnt der Prozess gegen M\u00f3nica und Francisco, die wegen verschiedener Sprengstoffanschl\u00e4ge angeklagt sind. Die M\u00e4chtigen fordern jahrzehntelange Haftstrafen gegen die Gef\u00e4hrt*innen.<\/p>\n<p>Um den Weg zu retten und zusammenzustellen, der dazu gef\u00fchrt hat, dass sich diese beiden Gef\u00e4hrt*innen heute wieder auf der Anklagebank befinden, haben wir das Material, das du in den H\u00e4nden h\u00e4ltst, geformt.<\/p>\n<p>Mit der Ver\u00f6ffentlichung dieser einzigartigen Ausgabe von \u201eComplicidad y Sedici\u00f3n \u2013 Komplizenschaft &amp; Aufwiegelung\u201c schildern wir die verschiedenen Verfahren, die in den letzten 10 Jahren gegen die Gef\u00e4hrt*innen M\u00f3nica und Francisco stattgefunden haben, und stellen sie in den breiteren Kontext der Entwicklung des anarchischen Umfelds, des Fortschreitens des sozialen Krieges, der Konfrontation mit der Macht und der staatlichen Repression. Der Verfahren <em>Caso Bombas<\/em> im Jahr 2010, die Verhaftungen in Spanien im Jahr 2013, der j\u00fcngste Repressionsangriff im Jahr 2020 und die \u00dcbernahme der Verantwortung f\u00fcr die Sprengstoffanschl\u00e4ge durch Francisco werden nicht als blo\u00dfe Nachrichten erz\u00e4hlt, sondern als Momente und Episoden des Konflikts gegen die Macht und als Teil der j\u00fcngsten Vergangenheit des anarchistischen Kampfes dargestellt.<\/p>\n<p>Mit diesem Material wollen wir die Situation von M\u00f3nica und Francisco zusammenf\u00fchren, die sich einem der brutalsten Prozesse gegen anarchistische Gef\u00e4hrt*innen w\u00e4hrend der letzten Zeit in Chile gegen\u00fcbersehen, aber auch einem der F\u00e4lle, in denen die Verantwortung f\u00fcr die ihnen vorgeworfenen Anschl\u00e4ge \u00fcbernommen wird. Wir versuchen, die Erfahrungen der Vergangenheit in das gegenw\u00e4rtige Arsenal des Kampfes einzubeziehen und die Frustration und Ohnmacht zu \u00fcberwinden, die durch die Entf\u00fchrung von Gef\u00e4hrt*innen und die sehr hohen geforderten Strafen verursacht wurden, eine Situation, die nur zu einer Opferrolle oder einem Personalismus f\u00fchrt, der f\u00fcr die Entwicklung und Vervielf\u00e4ltigung des anarchistischen Kampfes unfruchtbar ist.<\/p>\n<p>Wir rufen zu einer Vervielfachung der dezentralen Gesten und Initiativen in Solidarit\u00e4t mit M\u00f3nica und Francisco auf.<\/p>\n<p>Solidarit\u00e4t mit denen, die die Macht und die M\u00e4chtigen angreifen!<\/p>\n<p><strong>-JULI 2023<\/strong><\/p>\n<p><strong>DER <em>CASO BOMBAS<\/em> (2010): DER ANGRIFF DES STAATES AUF DIE ANARCHISTISCHEN MILIEUS<\/strong><\/p>\n<p>Anfang der 2000er Jahre kam es zu einer Reihe von Sprengstoffanschl\u00e4gen auf verschiedene staatliche und kapitalistische Infrastrukturen, die immer h\u00e4ufiger ver\u00fcbt wurden. Finanzinstitute, Polizeistationen, staatliche Beh\u00f6rden und Kirchen waren einige der Orte, an denen Sprengs\u00e4tze explodierten, zu denen sich sp\u00e4ter verschiedene Gruppen, vor allem anarchistische, bekannten. Die H\u00e4ufigkeit und die Dreistigkeit der Anschl\u00e4ge nahmen zu und damit auch das Engagement von Staat und Polizei, die fast hundert Anschl\u00e4ge aufzukl\u00e4ren. Der soziale Krieg begann einen neuen Zyklus mit einer Reihe offen antiautorit\u00e4rer Anschl\u00e4ge. Im Laufe einiger Jahre wurden mehr als hundert Sprengstoffanschl\u00e4ge gez\u00e4hlt.<\/p>\n<p>In diesem Zusammenhang explodierte 2010 eine Bombe<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote1sym\"><sup>1<\/sup><\/a> mit gro\u00dfer Sprengkraft nur wenige Blocks vom Haus des damaligen Pr\u00e4sidenten Sebasti\u00e1n Pi\u00f1era entfernt. Rodrigo Hinzpeter, Innenminister und Hauptverantwortlicher f\u00fcr die Repression, reagierte mit Nachdruck auf die aufst\u00e4ndische K\u00fchnheit, indem er die Verfolgungsgruppe gegen die antagonistische Offensive reorganisierte. Von nun an wurden alle F\u00e4lle von Sprengstoff- oder Brandanschl\u00e4gen ausschlie\u00dflich von der <em>Fiscal\u00eda Sur<\/em> (A.d.\u00dc., Staatsanwaltschaft des S\u00fcdens) \u00fcbernommen, die damals von dem akribischen Staatsanwalt Alejandro Pe\u00f1a geleitet wurde, einem angeblichen Experten f\u00fcr die Zerschlagung gro\u00dfer Drogenh\u00e4ndlerclans. Pe\u00f1a war daf\u00fcr bekannt, dass er Verurteilungen wegen krimineller Vereinigung erwirkte, ohne dass ein einziges Gramm Drogen gefunden wurde, und dieses Mal bezeichnete er sich mit triumphaler Selbst\u00fcbersch\u00e4tzung als \u201eZar des Schwarzpulvers\u201c und versprach Ergebnisse in Rekordzeit.<\/p>\n<p>Alejandro Pe\u00f1a reorganisierte und recycelte verschiedene F\u00e4lle und Fakten aus der anarchistischen Bewegung und bezog die Aussage eines wahnsinnigen Kollaborateurs<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote2sym\"><sup>2<\/sup><\/a> mit ein. Der ber\u00fchmte Staatsanwalt und sein Team schufen in Rekordzeit den notwendigen Rahmen, um die erforderlichen Haftbefehle zu erwirken und den scheinbar endg\u00fcltigen Schlag zu f\u00fchren, den sie \u201eOperaci\u00f3n Salamandra\u201c tauften.<\/p>\n<p>Am 14. August 2010 wurden mehrere Privatwohnungen und besetzte soziale Zentren von der Ermittlungspolizei gest\u00fcrmt und 14 Personen verhaftet, w\u00e4hrend zwei auf freiem Fu\u00df blieben. Die Anklage? Nach Angaben der Staatsanwaltschaft S\u00fcd wurden die Bombenanschl\u00e4ge von einer illegalen terroristischen Vereinigung ver\u00fcbt, die sich aus zwei Anf\u00fchrern, ehemaligen Lautarinos<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote3sym\"><sup>3<\/sup><\/a> , einer internationalen Finanzierungsabteilung, einem operativen Arm und dem Vorhandensein von Machtzentren auf Seiten der Hausbesetzer zusammensetzte, die den Anschein von Bibliotheken<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote4sym\"><sup>4<\/sup><\/a> erwecken sollten. Die Gruppe soll 29 Sprengstoffanschl\u00e4ge ver\u00fcbt haben.<\/p>\n<p>Das Schema war eine grobe Kopie und Anpassung des <em>Marini-Falls<\/em> in Italien<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote5sym\"><sup>5<\/sup><\/a>. Unter dem Vorwurf des Anti-Terror-Gesetzes und gesch\u00fctzt durch eine Handvoll gesichtsloser Zeugen gelang es ihnen, 8 Gef\u00e4hrt*innen im Hochsicherheitsgef\u00e4ngnis und 2 im Frauenorientierungszentrum einzusperren. Die Staatsanwaltschaft fordert f\u00fcr die Gef\u00e4hrt*innen Haftstrafen zwischen 20 Jahren und lebensl\u00e4nglich.<\/p>\n<p>Dies war ein direkter Schlag gegen verschiedene Milieus des anarchischen Kampfes, die sich Anfang 2000 zu festigen begannen. Viele der angeklagten Gef\u00e4hrt*innen kannten sich nicht einmal untereinander, sondern waren eine Mischung aus verschiedenen Begebenheiten<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote6sym\"><sup>6<\/sup><\/a> und Kampfr\u00e4umen. Offensichtlich gab es keine kriminelle Vereinigung, geschweige denn eine hierarchische Gruppe oder Beziehungen des Gehorsams. Die besetzten sozialen Zentren waren nicht die Projektionsfl\u00e4chen einer Mafia, sondern echte R\u00e4ume der Selbsterziehung und der Verbreitung des Kampfes, die jeden gewaltsamen Angriff auf die Macht \u00f6ffentlich unterst\u00fctzten und ermutigten. Internationalistische Solidarit\u00e4t war nicht die Finanzierung von Terrorismus.<\/p>\n<p>Innerhalb des Gef\u00e4ngnisses ver\u00f6ffentlichten die Gef\u00e4hrt*innen eine Reihe von Kommuniqu\u00e9s, Schriften, Zeichnungen und Geschichten, in denen sie die Anschuldigungen zur\u00fcckwiesen, aber ihre politischen Positionen bekr\u00e4ftigten. Nach einigen Monaten im Gef\u00e4ngnis und einer Reihe von Mobilisierungen, zu denen auch ein ausgedehnter Hungerstreik<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote7sym\"><sup>7<\/sup><\/a> geh\u00f6rte, der die Nachrichtenagenda f\u00fcllte, wurden die Gef\u00e4ngnist\u00fcren ge\u00f6ffnet und die Gefangenen freigelassen; alle wurden unter Hausarrest gestellt, da die Anschuldigungen und die vorgelegten Beweise in Frage gestellt wurden.<\/p>\n<p>Der Ansturm auf den <em>Caso Bombas<\/em> besch\u00e4digte R\u00e4ume und Kreise in der wachsenden anarchistischen Bewegung zutiefst. Verschiedene R\u00e4ume wurden ger\u00e4umt und andere geschlossen, und die \u00dcberwachung wurde auf verschiedene Kreise ausgedehnt, was wiederum zu einem vollst\u00e4ndigen R\u00fcckzug aus \u00f6ffentlichen Aktivit\u00e4ten und sicherlich zur Verbreitung der Angst f\u00fchrte, in eine solche Vereinigung in Verbindung gebracht zu werden.<\/p>\n<p>In einem Ausbruch von Solidarit\u00e4t artikulierten sich verschiedene Realit\u00e4ten, von Stra\u00dfenk\u00e4mpfen, Demonstrationen, Foren und Angriffen, mit zunehmender Intensit\u00e4t. Die Solidarit\u00e4t war in der Lage, die mit dem chilenischen Staat verbundenen Interessen in Griechenland, Italien, Spanien, Argentinien, Mexiko und anderen L\u00e4ndern anzugreifen, zus\u00e4tzlich zu den st\u00e4ndigen Treffen und Informationsforen. Zweifelsohne war die Solidarit\u00e4t im Rahmen des <em>Caso Bombas<\/em> ein weiterer Schritt in der informellen Kommunikation und anarchischen Diskussion rund um den Globus.<\/p>\n<p>Im Laufe der Monate begann der Fall stark zu wackeln. Der Verfolger Alejandro Pe\u00f1a zog sich aus der Staatsanwaltschaft zur\u00fcck und ging direkt in den Dienst der Regierung, was den Druck der Regierung offenbarte, die Anschl\u00e4ge in Rekordzeit aufzukl\u00e4ren und ihre treuen Auftragsm\u00f6rder zu belohnen. Kurz darauf wurde das Verbrechen der illegalen terroristischen Vereinigung fallen gelassen. Alle Angeklagten wurden von dieser Straftat freigesprochen, so dass nur diejenigen \u00fcbrig blieben, denen besondere Vorw\u00fcrfe gemacht wurden, n\u00e4mlich: Platzierung von Sprengs\u00e4tzen und Finanzierung des Terrorismus.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich beschloss die Staatsanwaltschaft, zwei der Finanzierung des Terrorismus und drei der Platzierung von Sprengs\u00e4tzen vor Gericht zu stellen, darunter die Gef\u00e4hrt*innen M\u00f3nica und Francisco. Gegen der Gef\u00e4hrtin wurde Anklage wegen des Brandanschlags auf die Kirche <em>Los Sacramentinos<\/em> erhoben, w\u00e4hrend dem Gef\u00e4hrten Anschl\u00e4ge auf ein B\u00fcro von <em>Chilectra<\/em>, den Nationalen Nachrichtendienst und den Staatlichen Verteidigungsrat zur Last gelegt wurden.<\/p>\n<p>Der Gerichtsprozess zog erneut die Aufmerksamkeit der verschiedenen Medien auf sich und l\u00f6ste erneut eine breite politische Debatte auf nationaler Ebene aus. Die Staatsanwaltschaft versprach, dass es sich um die wahren Schuldigen handelte, weshalb sie bei der Entwicklung des Prozesses keine Zeugen und Experten verschonte und Geheimpolizei und Spezialteams aufmarschieren lie\u00df. Nach sieben Monaten t\u00e4glicher Anh\u00f6rungen wurden zahllose Fehler und Tricksereien sowohl der Polizei als auch der Staatsanwaltschaft bei der Zusammenstellung des Falles aufgedeckt. Der Prozess endete mit dem vollst\u00e4ndigen Freispruch aller Angeklagten.<\/p>\n<p><strong>Die Mauern, die sie errichten, und die elektronischen Augen, die sie installieren, um uns zu \u00fcberwachen und diejenigen einzusperren, die nicht den Verhaltensmustern eines Lohnsklaven folgen, waren nie und werden nie in der Lage sein, die transgressive Aggression gegen dieses kriminelle bourgeoise System zu stoppen, das auf Ausbeutung, Tod und Umweltzerst\u00f6rung beruht.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Fuerzas auton\u00f3micas y destructivas Le\u00f3n Czolgoscz \u2013 Autonome und zerst\u00f6rerische Kr\u00e4fte Leon Czolgoscz<\/strong><\/p>\n<p>Das Scheitern und der totale Zusammenbruch des Prozesses wurde zu einem Erdbeben f\u00fcr die Justiz und zu einer Niederlage f\u00fcr den Stolz der Verfolger, die w\u00e4hrend der Verhaftungen auf einen Sieg wetteten und sich vor der Presse br\u00fcsteten und schlie\u00dflich die Kosten des gesamten Prozesses bezahlten.<\/p>\n<p>Verschiedene Parteien und politische Pers\u00f6nlichkeiten nutzten den Fall, um die rechte Regierung zu beschimpfen, w\u00e4hrend andere ihn als Sprungbrett f\u00fcr ihre Karriere als Juristen nutzten. Die Bewertung dieses Zeitraums war eine st\u00e4ndige Debatte innerhalb der anarchistischen Kreise, die sich zum ersten Mal mit einem gro\u00dfen repressiven Schlag auseinandersetzen mussten. Internationalistische Verbindungen, die Beibehaltung unnachgiebarer politischer Positionen, die Kenntnis der Repression aus erster Hand und die Pr\u00e4senz in den Medien waren nur einige der Erfahrungen, die man zu sammeln begann, da die meisten anarchistischen Gefangenen zuvor in F\u00e4llen verwickelt waren, in denen es um Stra\u00dfenk\u00e4mpfe mit \u201eeinfacheren\u201c Prozessen ging. M\u00f3nica und Francisco erlebten dies als ihren ersten repressiven Prozess, der diesmal kollektiver Natur war.<\/p>\n<p><strong>DER STAAT UNTERDR\u00dcCKT IN JEDER HINSICHT. MIT SEINER VOLLEN ZUSTIMMUNG, DURCH SEINE REPRESSIVE KRAFT, SEIN ERZIEHUNGS- UND UNTERRICHTSSYSTEM UND VOR ALLEM DURCH SEINE KOMPLIZENSCHAFT MIT DEM KAPITAL, MIT DEN MODERNEN SKLAVENH\u00c4NDLERN, DIE DIE MENSCHEN BEREICHERN UND AUSBEUTEN UND DIE UMWELT ZERST\u00d6REN.<\/strong><\/p>\n<p><strong>TAMAYO GAVIL\u00c1N<\/strong><\/p>\n<p><strong>SPANIEN (2013): EIN MEISTER IM HIMMEL GEN\u00dcGT, DAMIT ES TAUSEND AUF DER ERDE GIBT<\/strong><\/p>\n<p>Die katholische Tradition im archaischen und ranzigen K\u00f6nigreich Spanien erhebt die <em>Virgen del Pilar<\/em> zur Schutzpatronin der verschiedenen Repressionsorgane, darunter auch der Killer der <em>Guardia Civil<\/em>. Als K\u00f6nigin des Spanischen<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote8sym\"><sup>8<\/sup><\/a> erkl\u00e4rt, ist ihre Verehrung nichts anderes als die Verehrung der kolonialen Brutalit\u00e4t und des Massakers an allen indigenen V\u00f6lkern w\u00e4hrend dieser tragischen europ\u00e4ischen Invasion. Der Tempel dieser Gottheit, die Bas\u00edlica del Pilar in der Stadt Zaragoza, wurde von Franco st\u00e4ndig besucht und war Schauplatz zahlreicher Huldigungen an die Repression und ihren Urhebern.<\/p>\n<p>Die sepulkrale Passivit\u00e4t dieses religi\u00f6sen Tempels blieb in den letzten Jahren relativ intakt, bis zum 2. Oktober 2013, als eine handgefertigte Bombe aus Schwarzpulver, die in einer Gasflasche komprimiert und durch ein Uhrwerksystem aktiviert wurde, am helllichten Tag im Inneren des religi\u00f6sen Tempels platziert wurde. Eine Reihe von Anrufen bei der Presse und in der Nachbarschaft wiesen auf eine bevorstehende Explosion hin.<\/p>\n<p>Gegen 13.00 Uhr zerst\u00f6rte die Detonation einige Kirchenb\u00e4nke, wobei Splitter in verschiedene Richtungen flogen und ein Gemeindemitglied leicht verletzt wurde.<\/p>\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter wurde eine Erkl\u00e4rung abgegeben, in der die Motive f\u00fcr den Anschlag erl\u00e4utert wurden. Das \u201eComando Insurreccional Mateo Morral\u201c bekannte sich zu dem Anschlag, dieselbe Gruppe, die zuvor einen vereitelten Anschlag auf die <em>Almudena<\/em>-Kathedrale in Madrid ver\u00fcbt hatte. Diesmal erkl\u00e4rte die anarchistische Gruppe nach dem Anschlag in Zaragoza: \u201eDiese Aktion soll die Anwesenden warnen, dass faschistische Symbole wie diese in keinem Fall ein sicherer Ort sind und sein werden\u201c.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend die Aus\u00fcbung anarchistischer politischer Gewalt in Spanien seit mehr als einem Jahrhundert ein Kontinuum darstellt, ist die Methodik der Sprengstoffanschl\u00e4ge aus dem anarchistischen Milieu in den letzten Jahren eher unregelm\u00e4\u00dfig gewesen. Die j\u00fcngsten Anschl\u00e4ge auf Kirchen brechen in diese Dynamik ein und haben eine starke Medienwirkung.<\/p>\n<p>Es mangelte nicht an Angstmachern, die im Internet schnell damit begannen, dem Angriff jegliches revolution\u00e4re Potenzial und sogar die M\u00f6glichkeit eines Angriffs abzusprechen, indem sie auf einen Angriff unter falscher Flagge und die Hand der Polizei als angebliche T\u00e4ter hinwiesen. \u201eW\u00e4re es nicht logisch, den K\u00f6nig selbst anzugreifen, wie es Morral getan hat? Warum sollte man riskieren, so etwas an einem Ort wie diesem zu tun, wenn es viele Orte gibt, die viel repr\u00e4sentativer f\u00fcr das Kapital, den Staat und die Monarchie selbst sind \u2013 da sie so sehr daran interessiert sind? (\u2026) <em>Der Wortlaut des Kommuniqu\u00e9s scheint das Werk eines Sch\u00fclers der obligatorischen Sekundarstufe zu sein (\u2026) Abschlie\u00dfend kann man sagen, dass dies entweder das Werk einer echten Gruppe oder eines echten Polizisten ist. Entweder handelt es sich um die Arbeit einer echten Gruppe von Idioten, die hirnlos und ungebildet sind, oder um eine falsche Flagge aus dem Lehrbuch\u201c.<\/em><\/p>\n<p>Der Direktor der nationalen Polizei, Ignacio Cocid\u00f3, sagte zu den Anschl\u00e4gen: \u201eDer anarchistische Terrorismus hat in unserem Land Wurzeln geschlagen und es besteht die Gefahr, dass sich Anschl\u00e4ge wie der auf die Basilika del Pilar wiederholen k\u00f6nnten. Das ist eine Priorit\u00e4t f\u00fcr die Polizei\u201c.<\/p>\n<p>Bei den zahlreichen Ermittlungen der spanischen Polizei wird die Zusammenarbeit mit der chilenischen Repression deutlich. Anfang November legte der Nationale Nachrichtendienst (ANI) eine Reihe von Berichten vor, aus denen hervorging, dass M\u00f3nica und Francisco Ende 2012 nach Spanien gereist waren, und schickte Fotos und Profile. Der Direktor der ANI, Gonzalo Yuseff, reiste eigens zu diesem Zweck nach Spanien, um mit den spanischen Repressionskr\u00e4ften zu sprechen.<\/p>\n<p>Am 13. November 2013 f\u00fchrte die Polizei eine Reihe von Razzien durch und verhaftete f\u00fcnf Gef\u00e4hrt*innen, darunter M\u00f3nica und Francisco, denen die Zugeh\u00f6rigkeit zu einer terroristischen Vereinigung, Sachbesch\u00e4digung und K\u00f6rperverletzung wegen der Platzierung des Sprengsatzes in der Basilica del Pilar vorgeworfen wurde. M\u00f3nica und Francisco wurden in Untersuchungshaft gebracht, w\u00e4hrend die anderen unter dem Vorwurf der \u201eZusammenarbeit mit einer terroristischen Vereinigung\u201c freigelassen wurden, ein Vorwurf, der sp\u00e4ter zur\u00fcckgezogen wurde.<\/p>\n<p>Die Verhaftung von M\u00f3nica und Francisco l\u00f6ste sowohl in der chilenischen Presse als auch in der institutionellen Politik selbst ein starkes Echo aus, das eine Reihe von Erkl\u00e4rungen \u00fcber den fr\u00fcheren <em>Caso Bombas<\/em> ausl\u00f6ste, die sogar so weit gingen, dass von einer Wiederaufnahme des fr\u00fcheren und versch\u00fctteten Prozesses die Rede war.<\/p>\n<p><strong>DIE AUTORIT\u00c4T, DAS GRUNDPRINZIP DER GESELLSCHAFT, \u00dcBT IHRE HERRSCHAFT DURCH VERSCHIEDENE INSTITUTIONEN AUS; DIE KIRCHE IST EINE DER WICHTIGSTEN AUFGRUND IHRER HISTORISCHEN KOMPLIZENSCHAFT MIT DEM STAAT-KAPITAL, DA SIE F\u00dcR DIE ZEMENTIERUNG UND AUFRECHTERHALTUNG DES GEGENW\u00c4RTIGEN ZUSTANDS DER PATRIARCHALEN UND HETERONORMATIVEN UNTERDR\u00dcCKUNG VERANTWORTLICH IST.<\/strong><\/p>\n<p><strong>COMANDO INSURRECCIONAL MATEO MORRAL \u2013 AUFST\u00c4NDISCHES KOMMANDO MATEO MORRAL<\/strong><\/p>\n<p>Die Polizei entwirft ein phantasievolles Organigramm, indem sie k\u00fcnstlich alles miteinander vermischt. Einerseits das Comando Insurreccional Mateo Morral, das Sprengstoffanschl\u00e4ge gegen religi\u00f6se Tempel in Spanien ver\u00fcbt hat. Andererseits die Existenz der FAI-FRI (Federaci\u00f3n An\u00e1rquica Informal-Frente Revolucionario Internacional), einer informellen Organisation auf internationaler Ebene, der sich jede Aktionsgruppe anschlie\u00dfen und in einer Debatte zusammenarbeiten kann, ohne sich unbedingt zu kennen. Und zum anderen die Existenz der GAC (Grupos Anarquistas Coordinados), einer Koordination verschiedener anarchistischer Kollektive und Kreise in Spanien, die sich der Agitation, der Durchf\u00fchrung von Aktivit\u00e4ten, Kampagnen, Propaganda usw. widmen.<\/p>\n<p>Das Polizeikomplott deutet darauf hin, dass das Comando Mateo Morral Teil der GAC sein w\u00fcrde und dass diese wiederum der iberische Zweig der FAI\/FRI sein w\u00fcrde. In Wahrheit geh\u00f6rte weder das Comando Mateo Morral zur FAI-FRI, noch hatte die GAC irgendeine Beziehung zu diesem Kommando und noch weniger zur FAI-FRI.<\/p>\n<p>M\u00f3nica und Francisco waren in verschiedenen anarchistischen R\u00e4umen und Initiativen aktiv, seit sie in Barcelona lebten, und kn\u00fcpften enge Netzwerke der Gef\u00e4hrt*innenschaft und Freundschaft, die unmittelbar nach den Verhaftungen durch die Medien und die H\u00e4rte des spanischen Gef\u00e4ngnisregimes zum Ausdruck kamen.<\/p>\n<p>Die Gef\u00e4hrt*innen wurden unter FIES (Fichero Interno de Especial Seguimiento) 3 eingestuft, d.h. unter ein Sonderregime f\u00fcr alle Gefangenen, die der bewaffneten Gruppe, des Terrorismus oder der Zugeh\u00f6rigkeit zur ETA beschuldigt werden. Unter diesem Regime wurden sie in verschiedene Gef\u00e4ngnisse des Landes verlegt, wobei die Methode der Zerstreuung<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote9sym\"><sup>9<\/sup><\/a> und der Abgeschiedenheit angewandt wurde, und ihre solidarischen Gef\u00e4hrt*innen mussten mehr als 20 Stunden reisen, um sie nur f\u00fcr ein paar Minuten in einem Raum f\u00fcr Besucher*innen<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote10sym\"><sup>10<\/sup><\/a> besuchen zu k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Das Regime umfasste acht 5-min\u00fctige Telefonate pro Woche, zwei Briefe pro Woche, die \u00fcberwacht und eingeschr\u00e4nkt wurden, sowie einen 40-min\u00fctigen Besuch pro Woche in einem Raum.<\/p>\n<p>Nach mehr als einem Jahr der Zerstreuung und der Verlegung in verschiedene Gef\u00e4ngnisse gelang es den Gef\u00e4hrt*innen, gemeinsam in dasselbe Gef\u00e4ngnis im Strafvollzugszentrum von Villabona (Asturias) verlegt zu werden, wo sie sich mit einer gewissen Regelm\u00e4\u00dfigkeit besuchen konnten.<\/p>\n<p>Vom Gef\u00e4ngnis aus gelang es den Gef\u00e4hrt*innen trotz aller Einschr\u00e4nkungen, ihre Stimmen und \u00dcberlegungen zu \u00e4u\u00dfern und an verschiedenen Debatten und Diskussionen in der internationalen anarchistischen Bewegung teilzunehmen. Gerade der Text \u201eFrente a la represi\u00f3n\u2026No todo vale\u201c, in dem sie jede M\u00f6glichkeit ablehnten, den K\u00f6nig um Begnadigung zu bitten, l\u00f6ste innerhalb der anarchistischen Bewegung in Spanien heftige Debatten, Kritik und \u00dcberlegungen aus.<\/p>\n<p>Die internationalistische Solidarit\u00e4t kam erneut in praktischen Gesten rund um den Globus zum Ausdruck. Angriffe, Foren, Br\u00e4nde und Plakate wurden in verschiedenen Sprachen und L\u00e4ndern durchgef\u00fchrt, um die Situation der Gef\u00e4hrt*innen \u00fcber Hunderte von Kilometern hinweg zum Ausdruck zu bringen und die G\u00fcltigkeit des anarchistischen Internationalismus im 21. Jahrhundert zu zeigen.<\/p>\n<p>Die Repression ihrerseits sah in diesen Verhaftungen das perfekte Szenario, um kontinuierliche und aufeinander folgende repressive Operationen im Rahmen des fantastischen FAI-FRI\/GAC\/Comando Mateo Morral-Schemas zu starten. Dank dieser Gleichung wurden Dutzende von Gef\u00e4hrt*innen inhaftiert, denen es nach einigen Monaten gelang, wieder auf die Stra\u00dfe zu gehen. Ziel all dieser Repressionsstrategien war es nicht, die Schuldigen oder Verantwortlichen f\u00fcr bestimmte Anschl\u00e4ge zu finden, sondern die k\u00e4mpferischsten und aktivsten anarchistischen Kreise zu treffen, wobei als Vorwand eine nicht existierende Organisation diente, die drei v\u00f6llig unterschiedliche Situationen vermischte. Auf diese Weise wurde der Besitz des Buches \u201eContra la Democracia\u201c (Gegen die Demokratie) das von der GAC herausgegeben wurde, zu einem unwiderlegbaren Beweis f\u00fcr die Verh\u00e4ngung von Untersuchungshaft gegen mehrere Personen.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2016 begann der Prozess gegen M\u00f3nica und Francisco in einem gepanzerten Saal der Audiencia Nacional, einem Sondergericht f\u00fcr terroristische Straftaten. Die Staatsanwaltschaft forderte 44 Jahre Haft f\u00fcr jeden von ihnen.<\/p>\n<p>In einem dreit\u00e4gigen Eilverfahren wurden Beweise vorgelegt und Zeugen befragt, aber die gr\u00f6\u00dfte Aufmerksamkeit erregte die Aussage der Gef\u00e4hrt*innen. Indem sie ihre politischen Positionen vertraten, aber die Verbindung zu dem Anschlag zur\u00fcckwiesen, begegneten beide dem Justizzirkus mit W\u00fcrde und beendeten ihre jeweiligen Erkl\u00e4rungen mit dem Ruf \u201eTod dem Staat und lang lebe die Anarchie\u201c.<\/p>\n<p>Die Audiencia Nacional verurteilte sie zu jeweils 12 Jahren Gef\u00e4ngnis, 5 Jahre f\u00fcr terroristische K\u00f6rperverletzung und 7 Jahre f\u00fcr Sch\u00e4den mit terroristischem Hintergrund. Vom Vorwurf der \u201eMitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung\u201c und der \u201eVerschw\u00f6rung\u201c wurden beide freigesprochen.<\/p>\n<p>Im Jahr 2017 wurde die Strafe nach drei Jahren Haft f\u00fcr jeden von ihnen auf 4,5 Jahre herabgesetzt, wobei die Straftaten der K\u00f6rperverletzung und der terroristischen Sch\u00e4digung neu eingestuft wurden. Auf diese Weise gelang es den Gef\u00e4hrt*innen im Rahmen einer Vereinbarung zwischen den L\u00e4ndern und in Anbetracht der Tatsache, dass ihre Strafe weniger als 6 Jahre betr\u00e4gt, in das chilenische Hoheitsgebiet abgeschoben zu werden.<\/p>\n<p>Inmitten eines gro\u00dfen Medieninteresses am Flughafen, inmitten von Kameras und Mikrofonen, gelang es den Gef\u00e4hrt*innen im M\u00e4rz 2017, in Chile anzukommen. Trotz st\u00e4ndiger Schikanen und repressiver \u00dcberwachung nehmen die Gef\u00e4hrt*innen ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme an den verschiedenen K\u00e4mpfen der anarchischen Kreise im chilenischen Staat teil.<\/p>\n<p><strong>DER ANGRIFF GEGEN DIE M\u00c4CHTIGEN UND UNTERDR\u00dcCKER<\/strong><\/p>\n<p>Am 24. Juli 2019 gingen in einem chilenischen Postamt zwei besondere Pakete ein, die zu der enormen Menge an Postsendungen hinzukommen, die das Unternehmen t\u00e4glich bearbeitet. Diese beiden Pakete schaffen es, den monotonen Weg einer jeden Sendung zu gehen, ohne Verdacht zu erregen. Ganz anders als am n\u00e4chsten Tag.<\/p>\n<p>Am Donnerstag, den 25. Juli, um 12.45 Uhr, trifft ein Paket f\u00fcr Major Manuel Guzm\u00e1n in der 54. Polizeistation von Huechuraba ein. Das Polizeipersonal nahm das Paket entgegen und \u00fcbergab es dem Empf\u00e4nger, der es in sein B\u00fcro mitnahm. Als er es \u00f6ffnete, gab es einen lauten Blitz und einen lauten Knall, der einen Teil des B\u00fcros ersch\u00fctterte und zerst\u00f6rte.<\/p>\n<p>Ein Schwarzpulver-Sprengsatz im Inneren des Pakets detoniert und verletzt acht Polizeibeamte in unterschiedlichem Ausma\u00df. Innerhalb weniger Minuten f\u00fcllt sich das Polizeipr\u00e4sidium mit Krankenwagen, Feuerwehren und kurz darauf auch mit mehreren Pressefahrzeugen.<\/p>\n<p>Inmitten des Chaos und der Polizeihubschrauber, die auf den Stra\u00dfen landen, um die Verwundeten zu transportieren, bem\u00fcht sich die Regierung um eine schnelle Unterst\u00fctzung. Pr\u00e4sident Sebasti\u00e1n Pi\u00f1era selbst begibt sich ins Krankenhaus, doch bevor er es betritt, erh\u00e4lt er einen Anruf, in dem ihm mitgeteilt wird, dass ein zweites Sprengstoffpaket gefunden wurde, das diesmal an seinen ehemaligen Innenminister Rodrigo Hinzpeter adressiert ist. W\u00e4hrend Pi\u00f1eras erster Amtszeit (2010-2014) zeichnete sich Hinzpeter als harter Mann der Regierung aus, der eine Reihe von repressiven Ma\u00dfnahmen einleitete, die ihm den Hass eines gro\u00dfen Teils der Bev\u00f6lkerung einbrachten.<\/p>\n<p>Pi\u00f1era und sein damaliger Innenminister Andr\u00e9s Chadwick bleiben im Auto, um Informationen \u00fcber den bevorstehenden zweiten Anschlag zu sammeln. Vor dem Krankenhaus dr\u00e4ngten sich die Journalisten und warteten auf die Ankunft des Pr\u00e4sidenten. Minutenlang war niemand in der Lage, Hinzpeter zu erreichen, und es war auch nicht klar, wo sich das Paket befand: Hat er es ge\u00f6ffnet, hat er es in sein Auto gebracht oder mit nach Hause genommen?<\/p>\n<p>Um 10.30 Uhr desselben Tages gelangte ein Paket in ein exklusives Geb\u00e4ude im Stadtteil Las Condes. Nachdem es die R\u00f6ntgen- und Sicherheitskontrollen passiert hatte, gelangte es in den 16. Stock, wo sich die B\u00fcros des Unternehmensriesen Qui\u00f1enco befinden. Nach einem kurzen Empfang wurde das Paket auf dem Schreibtisch von Hinzpeter selbst abgelegt, der nach einem hektischen Arbeitsmorgen einfach keine Zeit hatte, es zu \u00f6ffnen.<\/p>\n<p>Er war erst wenige Tage zuvor aus Europa eingetroffen und hatte an diesem Tag Besprechungen mit Francisco P\u00e9rez Mackenna, dem CEO von Qui\u00f1enco, \u00d3scar Hasb\u00fan, dem CEO der Compa\u00f1\u00eda Sudamericana de Vapores, sowie anderen gro\u00dfen Gesch\u00e4ftsleuten, w\u00e4hrend er selbst nur wenige Meter entfernt blieb. Hinzpeter sagte: \u201eEigentlich wollte ich ihn irgendwann \u00f6ffnen, aber durch einen gl\u00fccklichen Umstand wurde ich abgelenkt und verga\u00df, dass ich ihn \u00f6ffnen wollte.\u201c<\/p>\n<p>Es war Zeit f\u00fcr die Mittagspause und Hinzpeter beschloss, die Korrespondenz nach dem Mittagessen zu \u00f6ffnen, also beschloss er, sein Mobiltelefon auszuschalten und in ein Restaurant zu gehen.<\/p>\n<p>Die verschiedenen Regierungsbeamten sch\u00f6pften alle M\u00f6glichkeiten zur Kontaktaufnahme mit seinem ehemaligen Mitarbeiter aus, ebenso die Staatsanwaltschaft und die Polizei, w\u00e4hrend das GOPE mit Hochdruck daran ging, das Qui\u00f1enco-Geb\u00e4ude zu r\u00e4umen. Die N\u00e4he zwischen politischer und \u00f6konomischer Macht tat schlie\u00dflich ihr \u00dcbriges, und durch beiderseitige Freundschaften gelang es ihnen, Hinzpeter vor einem verd\u00e4chtigen Paket in seinem B\u00fcro zu warnen, das mit der j\u00fcngsten Detonation in der Polizeiwache in Verbindung stand. Dem GOPE-Personal gelang es, den zweiten Sprengsatz zu entsch\u00e4rfen und ihn anschlie\u00dfend f\u00fcr eine gr\u00fcndliche Analyse in sein B\u00fcro zu bringen.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb des medizinischen Zentrums, in dem die verletzten Polizisten untergebracht waren, atmeten Pi\u00f1era und seine Berater erleichtert auf, als sie erfuhren, dass Hinzpeter wohlauf war. Nach dem Besuch bei den verletzten Polizisten hielt der Pr\u00e4sident in einem seiner typischen Anf\u00e4lle eine improvisierte Pressekonferenz auf der Treppe des Krankenhauses ab. Dort berichtete er mit noch immer geschocktem Gesicht von der Existenz einer zweiten Lieferung an eine nat\u00fcrliche Person, ohne weitere Informationen preiszugeben.<\/p>\n<p>Die Polizei und die Staatsanwaltschaft teilten der Presse mit, dass die Sprengs\u00e4tze keine \u00c4hnlichkeit mit denen hatten, die bei anderen Anschl\u00e4gen in Chile verwendet worden waren, und dass sie technisch so komplex und aufwendig hergestellt waren, dass sie stabil und sehr schwer zu z\u00fcnden waren, bevor sie ge\u00f6ffnet wurden. W\u00e4hrend der Sprengsatz in der Polizeistation Schie\u00dfpulver enthielt, enthielt der f\u00fcr Hinzpeter bestimmte Sprengsatz Dynamit, einen starken Industriesprengstoff.<\/p>\n<p>In einer Reihe von Interviews reflektierte der ehemalige Innenminister \u00fcber diesen Anschlag und die Reihe von Drohungen, denen er ausgesetzt war, als er das Kommando \u00fcber die Repression hatte: \u201eHier ist das Gef\u00fchl viel schrecklicher, denn, um eine Analogie zu bilden, ist die Drohung so, als w\u00fcrde dir jemand sagen, dass er dich erschie\u00dfen wird, w\u00e4hrend hier das Gef\u00fchl ist, dass er dich erschossen hat; die Kugel ist ausgegangen und hat mich durch einen zuf\u00e4lligen Umstand \u2013 zum Beispiel einen Ausrutscher \u2013 nicht erreicht. Es ist also ein sehr viel menschlicheres, schockierenderes und unverst\u00e4ndlicheres Gef\u00fchl, das sehr viel schwerer zu verdauen ist als eine Drohung, die besagt: \u201eIch werde dich erschie\u00dfen\u201c. Wie gesagt, hier hat die Person abgedr\u00fcckt und war bereit, mich zu t\u00f6ten, mit einer Bombe, die laut Presseberichten nicht nur mich, sondern auch meine Mitarbeiter get\u00f6tet h\u00e4tte\u201c.<\/p>\n<p>Joaqu\u00edn Lav\u00edn, B\u00fcrgermeister von Las Condes und bekanntes Mitglied des Opus Dei, nannte seinerseits die Gr\u00fcnde, die den Anschlag vereitelten: \u201eEin Produkt des Zufalls, des Gl\u00fccks oder \u2013 f\u00fcr diejenigen unter uns, die an Gott glauben \u2013 der Vorsehung\u201c.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag hielt Pi\u00f1era in seinem privaten Esszimmer eine Sitzung mit den h\u00f6chsten Vertretern der Repressionskr\u00e4fte ab und forderte dringende Ma\u00dfnahmen und die Bildung von Spezialteams, um die Verantwortlichen zu finden. Innerhalb weniger Stunden begab er sich zu der besch\u00e4digten Polizeistation, um die Sch\u00e4den am B\u00fcro zu begutachten, und gab anschlie\u00dfend eine weitere Pressekonferenz, in der er die Notwendigkeit einer Reform des Antiterrorismusgesetzes betonte. Vor den Journalisten sagte der Pr\u00e4sident bereits den Satz, der ihn w\u00e4hrend der Revolte ber\u00fchmt machen sollte, diesmal an die m\u00f6glichen Urheber des Anschlags gerichtet: \u201eWir sollten uns daran erinnern, dass wir einen Feind vor uns haben, der nicht nur grausam und unerbittlich ist, sondern auch die Protokolle kennt und sich den Protokollen anpasst, so dass wir angesichts dieses m\u00e4chtigen und unerbittlichen Feindes mehr denn je zusammenarbeiten m\u00fcssen\u201c. Einige Tage sp\u00e4ter werden beide Aktionen in die so genannte \u201eoperaci\u00f3n por la expansi\u00f3n de las hostilidades a los verdugos \u2013 Operation zur Ausweitung der Feindseligkeiten auf die Henker\u201c Seitens \u201eC\u00f3mplices Sediciosos\/Fracci\u00f3n por la Venganza \u2013 Aufr\u00fchrerischen Komplizen\/Fraktion f\u00fcr die Rache\u201c eingebettet.<\/p>\n<p>Im Bekennerschreiben kritisieren sie die wahllosen Anschl\u00e4ge aufs Sch\u00e4rfste: \u201eWir haben alle notwendigen Sicherheitsma\u00dfnahmen ergriffen, um sicherzustellen, dass die Sprengs\u00e4tze nur in den H\u00e4nden der Personen explodierten, die Ziel unserer Aktion waren. Unsere Feinde sind klar, wir sind nicht daran interessiert und wollen niemanden verletzen oder sch\u00e4digen. Wir wissen zwar, dass wir alle Teil der Herrschaftsstrukturen sind, aber wir sind uns auch bewusst, dass es verschiedene Grade von Verantwortung gibt und dass die Empf\u00e4nger unserer Sprengs\u00e4tze eine entscheidende Rolle sowohl bei der Verwaltung und Akkumulation von Kapital als auch bei der staatlichen Kontrolle und Repression spielen\u201c.<\/p>\n<p>Sie rechtfertigen beide Ziele, indem sie an Hinzpeters repressive Arbeit bei der Zerschlagung von Mapuche-Gemeinschaften, anarchistischen Kreise und Studentenmobilisierungen sowie an seine Rolle bei der Niederschlagung der Aufst\u00e4nde in Freirina und Aysen erinnern. In Bezug auf das 54. Polizeirevier wird die Verantwortung f\u00fcr den Mord an der anarchistischen Gef\u00e4hrtin Claudia L\u00f3pez im September 1998 hervorgehoben.<\/p>\n<p>Der Text greift die Polemik auf, die in anderen L\u00e4ndern durch die Verwendung von Sprengstoffpaketen als Angriffsmethode ausgel\u00f6st wurde. W\u00e4hrend des Kampfes gegen die FIES in Spanien gab es mehrere Anschl\u00e4ge mit Briefbomben, die eine heftige Diskussion ausl\u00f6sten. Kurz davor f\u00fchrte die FAI-Informal eine Reihe von Sprengstoffanschl\u00e4gen gegen diplomatische Delegationen durch, die von einer anderen Aktionsgruppe in Griechenland stark in Frage gestellt wurden.<\/p>\n<p>Diesmal erinnert \u201eC\u00f3mplices Sediciosos\/Fracci\u00f3n por la Venganza\u201c an die Hintergr\u00fcnde dieser Methode und reiht sich ein in die Anschl\u00e4ge mit Sprengstoffpaketen durch Anarchist*innen im Jahr 1920 in den USA, die sich auf die Publikation Cronaca Sovversiva und Luigi Galeani bezogen. Der Text erinnert auch an das Sprengstoffpaket, das Anarchist*innen im Mai 1928 an das Gef\u00e4ngnis schickten, in dem Simon Radowitzky gefoltert wurde, sowie an die Anschl\u00e4ge, die von der Informellen Anarchistischen F\u00f6deration in Italien und der Verschw\u00f6rung der Feuerzellen in Griechenland in den 1990er und 2000er Jahren durchgef\u00fchrt wurden.<\/p>\n<p>Der Text endet damit, dass sie ihre Aktionen in eine bestimmte Linie des Anarchismus und des Konfliktverst\u00e4ndnisses einordnen:<\/p>\n<p>\u201eWir reagieren mittels der anarchischen, gewaltt\u00e4tigen Aktion, die einen Rahmen bildet und einen Beitrag zur neuen Stadtguerilla darstellt (\u2026) Wir entfernen uns von den formalen Strukturen des Kampfes, um das Vergn\u00fcgen des Angriffs in unsere H\u00e4nde zu nehmen, die sich in der Affinit\u00e4t versammeln\u201c.<\/p>\n<p>Nach dem vereitelten Angriff beschloss die Firma Qui\u00f1enco, eine Reihe von Geheimdienst- und Sicherheitsberatern zu engagieren, vor allem das spanische Unternehmen Alto Analytics. Als die Revolte 2019 ausbrach, stellte das Unternehmen der Qui\u00f1enco-Gruppe einen mehr als 100 Seiten umfassenden Bericht zur Verf\u00fcgung, in dem die sozialen Netzwerke \u00fcberwacht und Thesen aufgestellt wurden, die die St\u00e4rke der Revolte erkl\u00e4ren sollten. Laut dem Big-Data-Bericht konnte die Existenz ausl\u00e4ndischer Einmischung in den Aufstand gesichert werden, ebenso wie der Protagonismus des koreanischen K-Pop als Inspirationsquelle f\u00fcr die Reihe von Ausschreitungen.<\/p>\n<p>Anfang Dezember 2019 stellte Hinzpeter fest, dass der Bericht Daten enthielt, die die Regierung zur Erkl\u00e4rung und Niederschlagung des Aufstands verwenden sollte, vor allem \u00fcber die angebliche ausl\u00e4ndische Einflussnahme. Nach einem Treffen in den B\u00fcros des Nationalen Nachrichtendienstes wurde der Bericht dem Geheimdienst, den Streitkr\u00e4ften und dem Regierungspersonal zur Verf\u00fcgung gestellt, die sich mit Hinzpeter trafen, um die Revolte zu analysieren, die den chilenischen Staat erfasste.<\/p>\n<p>Tage sp\u00e4ter teilte Innenminister Gonzalo Blumel der Presse triumphierend mit, dass man nun \u00fcber \u201eau\u00dferordentlich raffinierte Informationen\u201c verf\u00fcge, die man der Staatsanwaltschaft \u00fcbergeben werde, um die Planung des Aufstandes als ausl\u00e4ndischen Plan zur Untergrabung der chilenischen Institutionen zu untersuchen. Damit sollten die Behauptungen und Aktionen der Regierung legitimiert werden, die sich erneut mit einem \u201em\u00e4chtigen und unerbittlichen Feind\u201c konfrontiert sah, diesmal in Form von Tausenden von Menschen, die im ganzen Land Barrikaden errichteten und Symbole des Staates\/des Kapitals angriffen, die angeblich von ausl\u00e4ndischen Untergrundkr\u00e4ften befehligt wurden.<\/p>\n<p>Der Big-Data-Bericht war ein weiterer Beweis f\u00fcr die enge Verbindung zwischen der Welt der \u00d6konomie und der Welt der Politik und f\u00fcr die Notwendigkeit, eine konspirative Erkl\u00e4rung f\u00fcr den Aufstand zu finden. Nach dem Bekanntwerden des Berichts h\u00e4uften sich die Verweise auf den koreanischen K-Pop in sarkastischen T\u00f6nen und offenem Spott \u00fcber diejenigen, die versuchten, die Wut, die in allen Ecken zu brennen begann, zu theoretisieren. Wenn die herrschende Klasse von Angst ergriffen wird, schl\u00e4gt sie blind um sich herum, und der Big Data Report war ein Beweis daf\u00fcr, der in die Geschichte einging.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Die Polizei- und Gef\u00e4ngnisgesellschaft ist eine Realit\u00e4t. Jede Aktion gegen sie ist v\u00f6llig berechtigt\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<strong>Jede Polizeiwache ist ein g\u00fcltiges Ziel. Ihre blutbefleckten Uniformen ziehen weiterhin durch jeden Winkel der Stadt und sch\u00fctzen unsere Feinde, indem sie jeden, der aus dem Minenfeld der Verbote, in das sie die Welt verwandelt haben, heraustritt, mit Schl\u00e4gereien \u00fcberziehen. Gerade in den Polizeiwachen lassen die Henker der Orgie von Qu\u00e4lereien und Schl\u00e4gen gegen die Inhaftierten freien Lauf.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wir sehen, wie sie mit absurder Bravour milit\u00e4rische R\u00e4ume des tats\u00e4chlichen Kampfes, wie zum Beispiel Gymnasien, besetzen. Sie versuchen dies bereits in den St\u00e4dten oder an den Schaupl\u00e4tzen der Stra\u00dfenk\u00e4mpfe, indem sie sich auf ihre Gesetze berufen. Aber der Wunsch nach Freiheit \u00fcberflutet mit Feuer jeden Gehorsam gegen\u00fcber der Autorit\u00e4t und ihrer Ordnung.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>C\u00f3mplices Sediciosos\/Fracci\u00f3n por la Venganza<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>SCHLAG GEGEN DAS VIERTEL DER REICHEN<\/strong><\/p>\n<p>Im Oktober 2019 ersch\u00fcttert eine seit Jahrzehnten nicht mehr dagewesene Revolte den chilenischen Staat. Aus Protesten gegen die Erh\u00f6hung der U-Bahn-Tarife wurde schnell eine allgemeine Infragestellung der Ordnung und des Systems, die einfach \u00fcberhand nahm. Konfrontationen, permanente und gleichzeitige Angriffe auf Symbole des Staates und des Kapitals begannen sich Tag f\u00fcr Tag zu wiederholen. Stra\u00dfen und Geb\u00e4ude brannten, w\u00e4hrend die Konfrontation mit der Polizei monatelang andauerte.<\/p>\n<p>In ihrer Verzweiflung k\u00fcndigte die politische Klasse ein \u201eFriedensabkommen\u201c an und versuchte, die Unzufriedenheit zu kanalisieren und zu institutionalisieren, indem sie als beschwichtigendes Element die Schaffung einer neuen Verfassung vorschlug. Die Strategie zur Entsch\u00e4rfung der Revolte hat ihr Ziel nicht ganz erreicht. Es kam weiterhin zu Demonstrationen auf den Stra\u00dfen, und zeitweise nahmen die Ausschreitungen trotz des Sommers und der Feiertage an Intensit\u00e4t zu. Die traditionellen Sommerveranstaltungen wurden durch Brandstiftung und Vermummung ersetzt. Im Januar wurden 69 Polizeistationen angegriffen, im Februar waren es 80 und im M\u00e4rz schlie\u00dflich 79 Polizeistationen.<\/p>\n<p>Der M\u00e4rz<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote11sym\"><sup>11<\/sup><\/a> wurde von den Unruhestifter*innen sehns\u00fcchtig erwartet. Die R\u00fcckkehr zur Schule und zur Arbeit war genau die richtige Gelegenheit, um die Revolte weiter zu versch\u00e4rfen und die Versprechungen einer R\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t zu zerschlagen. Die zerst\u00f6rerische Energie wurde erst durch das Auftreten einer weltweiten Pandemie gebremst.<\/p>\n<p>In den letzten Februartagen drohte die klassische Sommerveranstaltung des Festivals de Vi\u00f1a nach anhaltenden Zusammenst\u00f6\u00dfen mit der Repression, der Vandalisierung des Hotels O\u2019Higgins und dem Anz\u00fcnden von Autos in der Umgebung abgesagt zu werden. In Santiago zogen verschiedene Demonstrationen rechtsextremer Gruppen durch die wohlhabenden Viertel und versuchten, die zerr\u00fcttete Ordnung mit allen Mitteln zu verteidigen.<\/p>\n<p>Im Stadtteil Vitacura gingen Hunderte von Menschen auf die Stra\u00dfe, um die Polizei und ihre Verst\u00fcmmelungen<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote12sym\"><sup>12<\/sup><\/a> zu unterst\u00fctzen, die Ordnung zu verteidigen und jeden Ausdruck der Revolte abzulehnen. Genau in diesem Kontext erh\u00e4lt das Edificio T\u00e1nica, das sich in dieser Gemeinde befindet, in den letzten Februartagen 2020 einen unerwarteten Besuch.<\/p>\n<p>Das T\u00e1nica-Geb\u00e4ude mit seiner v\u00f6llig innovativen und auff\u00e4lligen Architektur befindet sich in der Avenida Santa Maria und verf\u00fcgt \u00fcber mehr als 12.000 Quadratmeter, einen Innenhof, eine k\u00fcnstliche Lagune und eine Investition von mehr als 100 Millionen Dollar. Das Geb\u00e4ude, das nur wenige H\u00e4userblocks von El Mercurio und dem Privathaus des ehemaligen Innenministers Andres Chadwick entfernt liegt, wurde vom Transoce\u00e1nica-Unternehmenskonglomerat der Familie Schiess gebaut, einer Unternehmensgruppe, die vom Patriarchen Schiess gegr\u00fcndet wurde, als er Deutschland nach dem verlorenen Zweiten Weltkrieg verlie\u00df. Die Unternehmensgruppe war f\u00fcr die Diversifizierung ihrer Investitionen in den Bereichen Bankwesen, Unterhaltung und Immobilien bekannt<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote13sym\"><sup>13<\/sup><\/a>.<\/p>\n<p>Am Morgen des 27. Februar gelang es einem Mann, der mit Mantel, Koffer, Schal, Brille und Hut bekleidet war, das Geb\u00e4ude problemlos zu betreten und sich in den Innenhof zu begeben. Mit einem schnellen Man\u00f6ver l\u00e4sst er einen Gegenstand unter einem Betonstuhl liegen und geht dann zu dem einige Meter entfernten M\u00fclleimer. Es dauert nicht lange, bis er das Geb\u00e4ude ohne Probleme verlassen kann.<\/p>\n<p>Um 10:00 Uhr \u00fcberrascht ein Anruf das Caf\u00e9 Kant, das sich im Inneren des Geb\u00e4udes befindet. Ein Tonband warnt vor einer Bombe, die gelegt wurde. Der Angerufene h\u00e4lt das f\u00fcr einen Scherz, denn die Drohungen gegen das reiche Viertel halten schon seit Monaten an, die Atmosph\u00e4re ist nach wie vor angespannt, und er hielt es f\u00fcr einen geschmacklosen Scherz. Zur gleichen Zeit erhielten die Carabineros und Radio Cooperativa Berichten zufolge \u00e4hnliche Anrufe.<\/p>\n<p>Um 12:00 Uhr schaltet sich der Stromkreis der Uhr, die an einem mit Schwarzpulver gef\u00fcllten Schnellkochtopf befestigt ist, ab und es kommt zu einer gewaltigen Detonation unter dem Betonstuhl. Das alarmierte T\u00e1nica-Personal beginnt mit der Untersuchung der Lage, als um 12.30 Uhr ein mit Schwarzpulver gef\u00fcllter Feuerl\u00f6scher im M\u00fcllcontainer eine zweite Detonation ausl\u00f6st. Mit dem Eintreffen verschiedener spezialisierter Polizeieinheiten trifft auch die Staatsanwaltschaft der s\u00fcdlichen Metropole ein, die nach der Auswertung der Kameras lediglich feststellt: \u201eDie Person scheint charakterisiert zu sein und versucht zu verhindern, dass sie leicht identifiziert werden kann\u201c. Der Staatssekret\u00e4r des Innenministeriums, Juan Francisco Galli, verurteilt die Ereignisse und weist das Offensichtliche zur\u00fcck: \u201eIch denke, es hat nichts mit der Krise zu tun\u201c.<\/p>\n<p>Kurz darauf wies der Regierungssprecher die Behauptung der Verantwortung f\u00fcr den Anschlag kategorisch zur\u00fcck. \u201eAfinidades Armadas en Revuelta\u201c \u00fcbernahmen die Verantwortung f\u00fcr die Tat, betitelten den Anschlag als \u201eAusweitung der Revolte\u201c und wiesen dann auf die Dynamik des Doppelanschlags hin:<\/p>\n<p>\u201eDie beiden Sprengs\u00e4tze waren im Abstand von einer halben Stunde geplant, damit der erste die Normalit\u00e4t des bourgeoisen Viertels ersch\u00fcttern w\u00fcrde, und der zweite, der sehr stark war, damit er zu einem Zeitpunkt explodieren w\u00fcrde, an dem die feigen GOPE-Vergewaltiger vor Ort waren, in der Hoffnung, dass zumindest einer von ihnen so nah wie m\u00f6glich in die Luft gesprengt werden w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Der Anschlag wurde nicht als Unterst\u00fctzung f\u00fcr den Aufstand oder als \u00dcbung von Fachleuten au\u00dferhalb des Konflikts verstanden. Der Angriff wurde als Teil der Revolte selbst verstanden: \u201eDiese Aktion zielt darauf ab, den Aufruhr zu verst\u00e4rken. Sie ist die Fortsetzung der Lawine des Hasses und der Rache, die die M\u00e4chtigen in den ersten Wochen der Revolte \u00fcberrollt hat und die darauf abzielt, bei denen, die vom Elend der anderen leben, schamlos Angst zu verbreiten. Die direkte Komplizenschaft zwischen dem Gro\u00dfkapital und den Repressionsorganen ist ein weiterer Aspekt der Macht, der in diesen Monaten des Aufstands deutlich geworden ist. Erstere haben Infrastrukturen finanziert und unterst\u00fctzt, die die Aufst\u00e4ndischen nicht aufhalten konnten, wie z.B. die Betonmauern, die in der Alameda errichtet wurden, um das Denkmal und die Kirche vor dem Heer der uniformierten Vergewaltiger zu sch\u00fctzen. Andererseits ist es nicht das Ergebnis einer sorgf\u00e4ltigen Analyse, den Schutz zu beobachten, den das Milit\u00e4r und die Carabineros in den bourgeoisen Vierteln gew\u00e4hrleistet haben. Dieser Schutz ist heute erneut verletzt worden. Ihr, Gesch\u00e4ftsleute und Unterdr\u00fccker, wisst ganz genau, was wir sagen. In jeder Umarmung, die ihr euch bei euren l\u00e4cherlichen Aufm\u00e4rschen und Prozessionen gebt, in den B\u00fcros und Kasernen, wo die Verst\u00fcmmelungen, Morde und Vergewaltigungen geplant werden, wird jene unheilige Allianz geschmiedet, die heute verzweifelt versucht, das unkontrollierte Feuer der Revolte zu l\u00f6schen. Dieser doppelte Sprengstoffanschlag zielt auf beide Seiten dieser faulen Komplizenschaft ab: das bequeme Leben der Wohlhabenden, wenn auch nur f\u00fcr einen Augenblick, zu unterbrechen und die Agenten der Repression mit einer vernichtenden \u00dcberraschung zu treffen\u201c.<\/p>\n<p>Die Gruppe gab ihre Absicht bekannt, \u00fcber die Gewalt auf der Stra\u00dfe hinauszugehen: \u201eWir glauben, dass wir noch weiter gehen k\u00f6nnen, indem wir bewaffnete und selektive Angriffe gegen unsere Feinde, gegen die Macht in all ihren Formen vervielfachen, indem wir Teil dieses massiven und verallgemeinerten Sturms durch Aktionen der Stadtguerilla sind und uns in der Praxis darauf vorbereiten, der Versch\u00e4rfung der Repression zu begegnen\u201c.<\/p>\n<p>Wie schon bei den letzten Anschl\u00e4gen gab es zahlreiche Stimmen, die auf die M\u00f6glichkeit eines Anschlags unter falscher Flagge oder eines Komplotts hinwiesen, um die Repression zu \u201erechtfertigen\u201c oder den Kampf auf der Stra\u00dfe zu \u201edelegitimieren\u201c. Die Gruppe weist darauf hin: \u201eF\u00fcr die dummen Meinungsmacher des sozialen Krieges, die diese Aktion als Montage bezeichnen, sei gesagt, dass sie mit ihrer Meinung nur den Staat st\u00e4rken, indem sie das Potenzial und die Reichweite der Offensive der neuen Stadtguerilla entkr\u00e4ften und ignorieren\u201c.<\/p>\n<p>Einige Tage sp\u00e4ter berief Pr\u00e4sident Pi\u00f1era eine Dringlichkeitssitzung zu dem j\u00fcngsten Anschlag ein, an der Innenminister Gonzalo Blumel und die Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Verbrechensbek\u00e4mpfung, Katherine Martorell, teilnahmen. In dieser Sitzung planten sie auch das repressive Arsenal f\u00fcr den gef\u00fcrchteten Monat M\u00e4rz: neue Polizeifahrzeuge, v\u00f6llige Straffreiheit f\u00fcr ihre Beamten, die F\u00fctterung der verfassungsgebenden Illusion und ihrer Stimmen. Schlie\u00dflich war es ein v\u00f6llig unerwartetes Ereignis, das diesen unaufhaltsam erscheinenden Sturm eind\u00e4mmte.<\/p>\n<p><strong>WIR WOLLEN EINEN BEITRAG ZUR VIELGESTALTIGEN KONFRONTATION MIT DER MACHT LEISTEN. WIR RUFEN DIEJENIGEN AUF, DIE MOLOTOWS HERSTELLEN, ANSCHL\u00c4GE PLANEN, BARRIKADEN UND STRASSENBLOCKADEN VORBEREITEN, SPRENGSTOFF BAUEN, N\u00c4CHSTE ZIELE PR\u00dcFEN, ZEIT UND PHANTASIE F\u00dcR NEUE ANSCHL\u00c4GE GEGEN DIE HERRSCHAFT AUFWENDEN. DER AUFRUF LAUTET, DIE REICHWEITE UNSERER OFFENSIVEN ANGRIFFE ZU ERWEITERN UND ZU QUALIFIZIEREN.<\/strong><\/p>\n<p><strong>LASST UNS DIE BEGRENZUNGEN UNSERER ANGRIFFE ERWEITERN:<\/strong><\/p>\n<p><strong>WIR K\u00d6NNEN IMMER MEHR ERREICHEN.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>AFINIDADES ARMADAS EN REVUELTA<\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>IM ANGESICHT DER JUSTIZ<\/strong><\/p>\n<p>In den fr\u00fchen Morgenstunden des 24. Juli 2020 werden M\u00f3nica Caballero und Francisco Solar nach einem aufw\u00e4ndigen Polizeieinsatz in ihren Wohnungen verhaftet. Wieder einmal wurden die Gef\u00e4hrt*innen vom Staat als seine Feinde ins Visier genommen. Die Medien freuten sich \u00fcber die Nachricht und begannen schnell, ihre Gesichter zu ver\u00f6ffentlichen und die Gr\u00fcnde f\u00fcr ihre Verhaftung zu nennen: Diesmal wird Francisco beschuldigt, Sprengstoffpakete gegen den ehemaligen Innenminister Rodrigo Hinzpeter und die 54. Polizeistation von Huechuraba verschickt zu haben (die Aktion fand am 24. Juli 2019 statt, die Verantwortung wurde von \u201eC\u00f3mplices Sediciosos\/Facci\u00f3n para la Venganza\u201c \u00fcbernommen), w\u00e4hrend beide des doppelten Sprengstoffanschlags gegen das Edificio T\u00e1nica in der Gemeinde Vitacura beschuldigt werden (die Aktion fand inmitten der Revolte statt, am 27. Februar 2020, die Verantwortung wurde von \u201eAfinidades Armadas en Revuelta\u201c \u00fcbernommen).<\/p>\n<p>Am selben Tag wurden beide vor dem 11. Gerichtshof von Santiago f\u00fcr diese Taten angeklagt. Wie zu erwarten war, wurden die Ermittlungen und die Anklageschrift von der Fiscal\u00eda Sur (A.d.\u00dc., Staatsanwaltschaft des S\u00fcdens) vorgelegt (die sich in den letzten Jahren auf die Verfolgung aller Sprengstoffanschl\u00e4ge in der Metropolregion spezialisiert hat). Claudio Orellana stellte sich als zust\u00e4ndiger Staatsanwalt vor, der mit der Aufgabe betraut worden war, die Gef\u00e4hrt*innen f\u00fcr diese Sprengstoffanschl\u00e4ge mit einer Haftstrafe zu bestrafen und dabei eine offene Rechnung zu begleichen, nachdem derselbe Staatsanwalt eine besch\u00e4mende Rolle im Fall \u201e<em>Caso Bombas<\/em> 1\u201c gespielt hatte, bei dem alle Angeklagten, einschlie\u00dflich M\u00f3nica und Francisco, freigesprochen worden waren. Diese ausf\u00fchrliche Verhandlung (mehr als 8 Stunden) wurde live auf der Website der Justiz \u00fcbertragen und nach einer erm\u00fcdenden und obsessiven Beweisf\u00fchrung stimmte der zust\u00e4ndige Richter zu, die von der Staatsanwaltschaft beantragte Untersuchungshaft zu gew\u00e4hren und sechs Monate f\u00fcr die Untersuchung des Falles anzuordnen.<\/p>\n<p>An dieser Formalisierung nahmen auch private Staatsanw\u00e4lte, juristische Teams, die Rodrigo Hinzpeter, Correos de Chile, das Innenministerium, Edificio T\u00e1nica, die Gemeinden Vitacura und El Bosque sowie Carabineros de Chile vertreten, teil. Dies spiegelt zweifellos den Nachdruck wider, den man dem Fall und der Anklage verleihen wollte, wie bei einem kollektiven Rachefeldzug, bei dem jeder dabei sein will. Alle Privatkl\u00e4ger kamen den Forderungen und Anschuldigungen der Staatsanwaltschaft nach, mit Ausnahme der Staatsanwaltschaft von T\u00e1nica und der Stadtverwaltung von Vitacura, die sich ebenfalls auf das Antiterrorgesetz beriefen. Einige Tage sp\u00e4ter wurde Staatsanwalt Orellana in einem Radiointerview gefragt, warum in diesem Fall nicht das Antiterrorgesetz angewandt worden sei, worauf er klar und deutlich antwortete, dass es einfacher sei, nach dem Waffenkontrollgesetz zu verurteilen, da dieses versch\u00e4rft worden sei, als nach diesem Ausnahmegesetz, da es rechtlich kompliziert sei, die terroristische Absicht der Taten zu beweisen, was die derzeitige Strategie der Staatsanw\u00e4lte in diesen F\u00e4llen widerspiegelt.<\/p>\n<p>Am 10. August 2022, mehr als zwei Jahre nach Beginn des Verfahrens und nach einer Reihe von Verl\u00e4ngerungen der Ermittlungsfristen, wurde der Fall abgeschlossen, was zur endg\u00fcltigen Anklageschrift f\u00fchrte, in der die Staatsanwaltschaft 30 Jahre Haft gegen M\u00f3nica fordert und ihr zwei Straftaten vorwirft, n\u00e4mlich das Anbringen von Sprengs\u00e4tzen. F\u00fcr Francisco fordert die Staatsanwaltschaft 129 Jahre Haft wegen des Versands von zwei Sprengstoffpaketen, dreifachen versuchten Mordes, K\u00f6rperverletzung, falscher Identit\u00e4t, Sachbesch\u00e4digung und das Anbringen von zwei Sprengs\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Nach Abschluss der Ermittlungen begann am 14. M\u00e4rz 2023 die vorbereitende Anh\u00f6rung, eine Phase vor dem Prozess, in der vor allem die Relevanz der Beweise er\u00f6rtert wird, die in den eigentlichen Prozess einflie\u00dfen sollen. Obwohl man davon ausging, dass diese Phase umfangreicher sein w\u00fcrde, wurde sie innerhalb einer Woche abgeschlossen, was die Strenge des f\u00fcr diese Sch\u00e4tzungen zust\u00e4ndigen Gerichts widerspiegelt, wobei praktisch alle von Staatsanwalt Orellana vorgelegten Beweise als g\u00fcltig angesehen wurden. Einer der wichtigen Punkte, die er\u00f6rtert wurden, war die Ber\u00fccksichtigung des Gerichtsverfahrens in Spanien, wo beide wegen der Anbringung eines Sprengsatzes in der Basilika del Pilar in Zaragoza verurteilt worden waren. Dieser Umstand wurde als Beweismittel in den Prozess eingebracht, was jedoch ein juristischer Irrweg ist, da er einer anderen Rechtsprechung entspricht und nicht als Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr den aktuellen Prozess angesehen werden sollte. Zusammenfassend l\u00e4sst sich sagen, dass die Staatsanwaltschaft mit mehr als 100 Zeugen, 50 Sachverst\u00e4ndigen und mehr als 400 Beweismitteln, einschlie\u00dflich Urkunden und anderen Beweismitteln, vor Gericht erscheinen wird.<\/p>\n<p>Nach dieser Vorbereitungsphase war der Prozesstermin f\u00fcr den 19. Mai 2023 angesetzt, wurde aber auf Antrag der Verteidigung auf den 18. Juli 2023 verschoben.<\/p>\n<p><strong>Die \u00dcbernahme der Verantwortung<\/strong><\/p>\n<p><em>Auszug aus der juristisch-politischen Erkl\u00e4rung von Francisco Solar gegen\u00fcber der Staatsanwaltschaft im Dezember 2021, in der er die Verantwortung f\u00fcr die Sprengstoffanschl\u00e4ge \u00fcbernimmt<\/em><\/p>\n<p>\u201e<strong>Ich habe nie aufgeh\u00f6rt zu glauben, dass der Kampf gegen ein \u00fcberm\u00e4chtiges System, das auf Autorit\u00e4t und Ausbeutung beruht, am besten durch gewaltsame revolution\u00e4re Aktionen gef\u00fchrt werden kann. Nur so lassen sich Momente der Destabilisierung erreichen, die, auch wenn sie fl\u00fcchtig sind, die Verwundbarkeit der Macht offenbaren\u201c.<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<em><strong>WAHLLOSE ANGRIFFE WAREN NOCH NIE TEIL DER ANARCHISTISCHEN PRAXIS, UNSERE ZIELE SIND KLAR DEFINIERT UND RICHTEN SICH GEGEN DIE VERANTWORTLICHEN F\u00dcR UNTERDR\u00dcCKUNG UND REPRESSION\u201c.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\u201e<em><strong>DAS ZIEL DIESER AKTION, WAR EINE ANTWORT ZU GEBEN, SOWOHL AUF DIE AGGRESSIONEN DER CARABINEROS ALS AUCH AUF DIE EINES EHEMALIGEN INNENMINISTERS, DER F\u00dcR SEINE REPRESSIVE SEITE BEKANNT IST UND HEUTE EINEN WIRTSCHAFTSKONZERN LEITET, DEM PRAKTISCH GANZ CHILE GEH\u00d6RT, WURDE VOLL UND GANZ ERF\u00dcLLT\u201c.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\u201e<strong>Der M\u00e4rz zeichnete sich als ein Schl\u00fcsselmonat ab, in dem viele Dinge passieren konnten, einschlie\u00dflich des R\u00fccktritts von Pi\u00f1era, und in diesem Zusammenhang beschloss ich, zu dieser Revolte beizutragen, indem ich zwei Sprengs\u00e4tze platzierte.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>\u201e<strong>Von Beginn des Aufstandes an war ich bei den verschiedenen Demonstrationen dabei, die Tag f\u00fcr Tag stattfanden, und ich konnte sehen, wie junge Menschen blut\u00fcberstr\u00f6mt unter den Geschossen und Tr\u00e4nengasbomben der Carabineros zu Boden gingen, nur wenige Meter von mir entfernt. Aus diesem Grund hat die Revolte die Carabineros als einen ihrer Hauptfeinde identifiziert, weshalb ein Angriff auf sie unerl\u00e4sslich und v\u00f6llig gerechtfertigt war\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Knast ist nicht das Ende von allem<\/strong><\/p>\n<p>Wenn man sich entscheidet, den Weg der Konfrontation gegen das Bestehende zu gehen, wenn der Anarchismus durch eine offensive Praxis gegen den herrschenden Autoritarismus in die Tat umgesetzt wird, wenn man davon ausgeht, dass revolution\u00e4re Gewalt eine absolut notwendige und legitime Antwort auf das Gewaltmonopol des Staates ist, dann ist auch der Knast als strafendes Instrument, das alle, die sich gegen die Ordnung der M\u00e4chtigen erheben, einsperren und vernichten will, eine Realit\u00e4t und eine immer latente M\u00f6glichkeit.<\/p>\n<p>Man muss auf jeden Fall immer versuchen, repressive Schl\u00e4ge und Knast zu vermeiden, aber man muss sich auch dar\u00fcber im Klaren sein, dass er eine m\u00f6gliche Folge ist. In dieser Klarheit sollte der Knast nicht unbedingt das tragische Ende eines Kampfweges oder eine Klammer sein, die den aufst\u00e4ndischen Willen suspendiert. Der Knast kann als ein Ort des Widerstands gelebt werden, er kann als Anarchist*innen und Revolution\u00e4re erlebt werden, er kann als ein weiterer Kampfplatz konstituiert werden, wobei nat\u00fcrlich klar ist, dass diese Art, dem Knast zu begegnen, immer durch die Beschr\u00e4nkungen und Einschr\u00e4nkungen bedingt sein wird, die diesen Mauern und Gittern eigen sind.<\/p>\n<p>Aus dieser Perspektive haben M\u00f3nica und Francisco in diesen drei Jahren Gef\u00e4ngnis nach ihrer letzten Verhaftung die Gef\u00e4ngnisrealit\u00e4t, in der sie leben m\u00fcssen, in einen neuen Kampfkontext verwandelt.<\/p>\n<p>Als Anarchist*innen haben sie sich aus einer Position der Spannung gegen\u00fcber dem Gef\u00e4ngnisapparat und ihren Schlie\u00dfer*innen heraus positioniert. Sie haben versucht, sich aus ihrer eigenen widerspenstigen Position heraus zu positionieren, die nicht nur darauf abzielt, sich vom Rest der Knackis zu unterscheiden, sondern auch darauf, sich in der Kontinuit\u00e4t eines anarchistischen Kampfes zu verorten und sichtbar zu machen.<\/p>\n<p>Zweifelsohne ist die Rebellion gegen die Missst\u00e4nde des Knastalltags f\u00fcr beide Gef\u00e4hrt*innen eine unvermeidliche Konstante, die Teil oder Erweiterung ihrer politischen Definition und Praxis ist. Aber der Ort, an dem die Affirmation, dass der Knast ein weiterer Kampfplatz werden muss, f\u00fcr sie Bedeutung und Konsistenz erlangt hat, ist vor allem die st\u00e4ndige Suche nach einer aktiven Verbindung mit anarchischen, solidarischen Kreisen, immer aus der Horizontalit\u00e4t und der aufst\u00e4ndischen Harmonie heraus, dies hat sich vor allem in ihrem Beitrag zu den \u00dcberlegungen und Debatten innerhalb der anarchistischen Welt niedergeschlagen, sowohl in Form von Analysen der aktuellen Situation als auch in Form von Vorschl\u00e4gen f\u00fcr Aktionen, ganz zu schweigen von ihren st\u00e4ndigen Worten der Solidarit\u00e4t und Unterst\u00fctzung f\u00fcr verschiedene Initiativen oder f\u00fcr andere Gef\u00e4hrt*innen im Kampf, sei es in der N\u00e4he oder aus anderen Gebieten.<\/p>\n<p>In diesem Sinne ist es wichtig, die Kommuniqu\u00e9s zu erw\u00e4hnen, die sie in dieser Zeit gemeinsam oder als Individuum verfasst haben, die nicht nur einen Beitrag zur Debatte und zur anarchistischen Arbeit in der Praxis leisten, sondern auch Kommunikationskan\u00e4le sind, die es uns erm\u00f6glichen, \u00dcberlegungen und Vorschl\u00e4ge von verschiedenen Gef\u00e4hrt*innen und in verschiedenen territorialen Kampfrealit\u00e4ten zu verbinden. Ebenso waren ihre Beitr\u00e4ge zu verschiedenen anarchistischen Publikationen von grundlegender Bedeutung, wie z.B. Einleitungen zu B\u00fcchern oder Artikel f\u00fcr Zeitungen und Zeitschriften. Unter den letzteren sind ihre Anti-Gef\u00e4ngnis-Texte zu nennen, die die anarchistische Zeitung \u201eTinta de Fuga\u201c gen\u00e4hrt haben, und die st\u00e4ndige Zusammenarbeit, die Francisco vor und w\u00e4hrend seiner Haft mit der internationalen anarchistischen Zeitschrift \u201eKalinov Most\u201c hatte, die in mehreren L\u00e4ndern und in verschiedenen Sprachen ver\u00f6ffentlicht wird.<\/p>\n<p>Das Leben im Gef\u00e4ngnis als Erweiterung der anarchistischen praktischen Koh\u00e4renz spiegelt sich im Fall von M\u00f3nica und Francisco auch in der Komplizenschaft und Artikulation wider, die sie mit anderen Gefangenen, die den Knast aus einer anarchistischen, subversiven und widerspenstigen Position heraus durchlaufen, geschaffen haben. Aus dieser Position heraus m\u00fcssen wir zum Beispiel die Teilnahme der beiden als Teil einer Gruppe von inhaftierten Gef\u00e4hrt*innen verstehen, die als \u201eanarchistische und subversive Gefangene\u201c<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote14sym\"><sup>14<\/sup><\/a> bezeichnet werden und mit denen sie eine politische Strategie entwickelt haben, um dem Gef\u00e4ngnis kollektiv auf der Grundlage gemeinsamer Codes und Wege zu begegnen. Aus dieser Artikulation heraus haben sie gemeinsam eine Reihe von Kommuniqu\u00e9s verfasst und als Gruppe einen Hungerstreik durchgef\u00fchrt, der am 22. M\u00e4rz 2021 begann, mehr als 50 Tage dauerte und in dem sie die Aufhebung der \u00c4nderungen des Gesetzesdekrets 321 und die Freilassung von Marcelo Villarroel forderten. Die Solidarit\u00e4t, Kommunikation und Komplizenschaft der beiden mit den Gefangenen des sozialen Krieges hat sich auch mit anderen gleichgesinnten Gef\u00e4hrt*innen materialisiert, die sich derzeit im Gef\u00e4ngnis befinden, wie die Gef\u00e4hrt*innen des Falles \u201eSusaron\u201c oder die Gef\u00e4hrt*innen des Falles \u201eGendarmerie\u201c.<\/p>\n<p>Die Tatsache, dass beide in dieser Zeit der Inhaftierung den Knast in ein neues Szenario des Kampfes verwandelt haben, ist die Antwort auf eine lange Geschichte politischer und subversiver Inhaftierung, die in verschiedenen historischen Kontexten und mit unterschiedlichen Taktiken und Realit\u00e4ten zur Realit\u00e4t und zum Kampf in den Gef\u00e4ngnissen dieses Gebietes inh\u00e4rent ist. Zweifellos hat das aktuelle Szenario seine eigenen Besonderheiten, aber in diesem aktuellen Kontext haben M\u00f3nica und Francisco beschlossen, sich dem Gef\u00e4ngnis als aufrecht und aktiv, als Anarchist*innen und konsequent zu stellen.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Es liegen schwierige Tage vor uns und das Panorama, das vor uns liegt, ist komplex. Wir werden erneut auf der Anklagebank sitzen, angeklagt f\u00fcr die Taten, die uns vorgeworfen werden, und f\u00fcr die Verbreitung der herrschaftsfeindlichen Ideen und Praktiken, f\u00fcr die wir immer eingetreten sind, ganz gleich, wie viele Jahre Gef\u00e4ngnis wir riskieren (\u2026) Wir sind stolz auf den Weg, den wir gew\u00e4hlt und zur\u00fcckgelegt haben, ohne die unerl\u00e4ssliche Selbstkritik zu vernachl\u00e4ssigen, die uns wachsen l\u00e4sst. M\u00f6gen unsere Fehler anderen dienen, die leidenschaftlich sind und die sch\u00f6nen Momente der Konfrontation mit der Macht lieben, die f\u00fcr uns die Momente sind, in denen wir uns am lebendigsten f\u00fchlen.\u201c<\/strong><\/p>\n<p><strong>Auszug aus den Worten von M\u00f3nica und Francisco vor dem kommenden Prozess, April 2023<\/strong><\/p>\n<p><strong>Erneut \u00fcber Solidarit\u00e4t sprechen<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts des Prozesses gegen die Gef\u00e4hrt*innen M\u00f3nica und Francisco ist es nat\u00fcrlich und zwingend notwendig, von Solidarit\u00e4t zu sprechen, wie k\u00f6nnte man auch nicht? Diese Publikation wurde zu einem gro\u00dfen Teil durch eine Solidarit\u00e4tskampagne mit ihnen geboren und inspiriert. Zweifellos ist die Solidarit\u00e4t ein immer wiederkehrendes Thema, wenn wir \u00fcber Gef\u00e4hrt*innen im Knast sprechen.<\/p>\n<p>Bei unz\u00e4hligen Gelegenheiten appellieren, fordern und agitieren wir aus und f\u00fcr die Solidarit\u00e4t. Auch in Slogans und Phrasen zum Abschluss von Texten oder Debatten kommen wir oft auf denselben Punkt zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Bei dieser Gelegenheit werfen wir einen weiteren Blick auf den Begriff, vielleicht ohne unbedingt einen neuen Ansatz zu erwarten, aber es ist wichtig, ein paar Zeilen zur Solidarit\u00e4t zu skizzieren, denn gerade in dieser Dimension haben sich unsere Wege mehr als einmal gekreuzt. Mit ihnen hinter Gittern, und auch mit ihnen drau\u00dfen in Solidarit\u00e4t mit anderen Gef\u00e4hrt*innen im Knast.<\/p>\n<p>Die Kritik an der Opferrolle wiederholen, den Assistenzialismus nochmals ablehnen, denjenigen die Schuld geben, die sich nicht engagieren? Dies k\u00f6nnten einige M\u00f6glichkeiten sein, das Thema mit mehr oder weniger Erfolg zu behandeln. Diesmal m\u00f6chten wir jedoch einige der Probleme, die sich aus dem konkreten Fall ergeben haben, und deren Behandlung aufzeigen und zusammentragen.<\/p>\n<p>Im Moment ist die Staatsanwaltschaft dabei, ihre Unterlagen zu ordnen, ihre Anschuldigungen zu sammeln und die R\u00e4der der Justiz zu \u00f6len. Es werden wieder au\u00dfergew\u00f6hnliche Strafen angestrebt und sie werden in den Kn\u00e4sten begraben werden. Es ist das dritte Mal, dass sie mit der Justiz konfrontiert werden, und ein Antrag auf 130 Jahre zeigt die Bereitschaft der Machthaber. Wie viele Leben m\u00fcssen sie noch leben, um die Tr\u00e4ume der Verfolger zu erf\u00fcllen?<\/p>\n<p>Nachdem die Gef\u00e4hrt*innen identifiziert und verhaftet worden waren, haben die Machthaber ihre Karten auf den Tisch gelegt und ihre Haltung deutlich gemacht. Und wir? Es gab unterschiedliche Reaktionen (wenn \u00fcberhaupt): \u201eEs gibt nicht viel zu tun, das Urteil steht bereits fest\u201c, \u201eWir brauchen dringend gute Anw\u00e4lte\u201c, \u201eAber wenn sie es waren, gibt es keine M\u00f6glichkeit, sie zu verteidigen\u201c oder \u201eWir k\u00f6nnen ihre Namen nur auf die Liste der Gefangenen setzen, mit denen wir solidarisch sein m\u00fcssen\u201c, sind nur einige der Positionen, die mit mehr oder weniger \u00dcberzeugung vorgetragen wurden. Um ehrlich zu sein, ist es nicht ungew\u00f6hnlich, dass ein Gef\u00fchl der Ohnmacht oder sogar der Frustration jedes Gespr\u00e4ch \u00fcber diesen Fall durchdringt. \u201eAller guten Dinge sind drei\u201c, werden andere sagen<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote15sym\"><sup>15<\/sup><\/a>. Nach einem Wutausbruch oder einer pl\u00f6tzlichen Wut wird das Thema vielleicht in die d\u00fcstere Gewissheit abgleiten, dass nicht mehr viel getan werden kann.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Realit\u00e4t scheint die Solidarit\u00e4t ein n\u00fctzliches Konzept zu sein, vielleicht unsere Chance, aus der Sackgasse herauszukommen, die Initiative zu ergreifen und nicht auf die Schl\u00e4ge zu warten. Aber woher kommt das Verst\u00e4ndnis von Solidarit\u00e4t, wie k\u00f6nnen wir sie sehen, wie n\u00fctzlich kann sie in der Praxis sein? Solidarit\u00e4t ist eindeutig kein einzigartiges und exklusives Attribut der anarchistischen Kreise. Im Laufe der Geschichte haben verschiedene subversive Gruppen und Bereiche sie in ihre eigenen H\u00e4nde genommen und ihr ihren eigenen Stempel aufgedr\u00fcckt.<\/p>\n<p>In einem kurzen R\u00fcckblick auf einige sicherlich paradigmatische Positionen zu diesem Thema k\u00f6nnen wir die von Action Directe eingenommenen Positionen betrachten. Von 1977 bis 1987 f\u00fchrte eine bewaffnete Gruppe aus der Autonomie heraus eine Reihe von Aktionen gegen den franz\u00f6sischen Kapital-Staat durch. Der Staat reagierte darauf mit der Inhaftierung zahlreicher Mitglieder, insbesondere von Jean-Marc Rouillan, Nathalie M\u00e9nigon und Georges Cipriani, die zu lebenslanger Haft in brutaler Isolationshaft verurteilt wurden.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der T\u00e4tigkeit der Gruppe in den 1980er Jahren vertrat sie einen besonderen Standpunkt zur Solidarit\u00e4t. Die beste Art, Gef\u00e4hrt*innen im Gef\u00e4ngnis zu begleiten, ist die Fortsetzung und Vertiefung ihres Kampfes. \u201eDie Gesellschaft wird uns schon mit Sozialarbeitern und Priestern versorgen, Revolution\u00e4re sollten sich mit anderen Dingen besch\u00e4ftigen\u201c<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote16sym\"><sup>16<\/sup><\/a>, betonten sie und \u00fcbten deutliche Kritik an der Dynamik der Repression-Solidarit\u00e4t, um ihre Energien und Kr\u00e4fte der Vertiefung des bewaffneten Kampfes zu widmen.<\/p>\n<p>An anderer Stelle finden wir die RAF (Rote Armee Fraktion), eine deutsche Stadtguerillagruppe mit einer dem Maoismus nahestehenden Tendenz, die gro\u00dfe Anstrengungen zur Rettung der ersten Generation von Gefangenen unternahm. Die wichtigsten Aktionen und ein Gro\u00dfteil ihrer Energie zielten darauf ab, ihre Gr\u00fcndungsmitglieder aus dem Gef\u00e4ngnis zu befreien, die mit der H\u00e4rte der Vernichtungsisolationshaft konfrontiert waren, an der sie schlie\u00dflich starben. Die wachsende Dynamik des Konflikts und des sozialen Krieges in den fr\u00fchen 1970er Jahren in Deutschland stellte die Gefangenen in den Mittelpunkt, die in erster Linie durch Hungerstreiks und Koordination mit der Au\u00dfenwelt, die ihre Freilassung zur obersten Priorit\u00e4t machte, zu ihrer Versch\u00e4rfung beitrugen.<\/p>\n<p>An anderer Stelle findet sich die Reflexion des anarchistischen Gefangenen Harold H. Thompson in den US-Gef\u00e4ngnissen, die in einem ikonischen Satz festgehalten wurde: \u201eEine Bewegung, die ihre Gefangenen vergisst, ist zur Niederlage verdammt\u201c. Weit weniger hoffnungsvoll auf einen m\u00f6glichen Sieg und von einer nihilistischen Tendenz gepr\u00e4gt, erkl\u00e4rte Gerasimo Tsakalos, Mitglied der Verschw\u00f6rung der Feuerzellen, aus den griechischen Gef\u00e4ngnissen<\/p>\n<p>\u201eWer die Kriegsgefangenen vergisst, vergisst am Ende den Krieg selbst\u201c, was in der chilenischen Revolte mit \u201eWer die Gefangenen vergisst, vergisst den Kampf\u201c seine Entsprechung fand. Mit all seinen Nuancen ist die Bedeutung dieselbe: Die Realit\u00e4t des Gef\u00e4ngnisses ist eng mit der Realit\u00e4t des Kampfes auf der Stra\u00dfe verbunden, und ein unverzichtbarer Weg, den Kampf fortzusetzen, ist die Unterst\u00fctzung der Gef\u00e4hrt*innen im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p>Dabei geht es nicht darum, exklusiv die eine oder andere Position einzunehmen, sondern darum, die Frage zu stellen und fortzuf\u00fchren, welche Beziehung wir zu (oder von) den Kn\u00e4sten herstellen. In dieser Hinsicht ist es notwendig, sich einer unbestreitbaren Realit\u00e4t zu stellen: Der Knast und seine Dynamik perpetuieren assitenzialistische Formen der Unterst\u00fctzung. Die wichtigste Unterst\u00fctzung f\u00fcr das \u00dcberleben im Knast sind die Netzwerke von au\u00dfen auf verschiedenen Ebenen (materiell, emotional und politisch, um nur einige zu nennen). Die Pakete, die Kleidung, das Geld, die Besuche, sind Elemente, die von au\u00dfen verwaltet werden. Der Knast bestraft nicht nur die Gefangenen, sondern auch ihr Umfeld, und im Fall der anarchistischen und subversiven Gefangenen ist dies keine Ausnahme.<\/p>\n<p>Angesichts dieser Realit\u00e4t wird es zu einer gro\u00dfen Herausforderung, eine konkrete Solidarit\u00e4t im Gef\u00e4ngnis aufrechtzuerhalten und gleichzeitig den Assistenzialismus zu umgehen. Wenn wir dazu noch die m\u00f6glichen gesetzlichen Kosten addieren, wird das Thema zu einer st\u00e4ndigen \u00f6konomischen Notwendigkeit, die leicht alle Initiativen wegnehmen und jede revolution\u00e4re Perspektive ersticken k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Bei der Entwicklung anarchischer Solidarit\u00e4t geht es nicht nur darum, dem Wort ein weiteres Adjektiv hinzuzuf\u00fcgen, sondern auch darum, eine eigene Definition zu entwickeln. Praktiken wie Horizontalit\u00e4t, Affinit\u00e4t und Informalit\u00e4t m\u00fcssen auf die Dynamik der Solidarit\u00e4t \u00fcbertragen werden, sowohl aus der Sicht der Gefangenen als auch aus der Perspektive der Offensive. Solidarit\u00e4tskampagnen, die auf der Suche nach Unterst\u00fctzung sind, scheinen ein Dilemma zu schaffen, bei dem die einzige M\u00f6glichkeit, sich zu verbinden, darin besteht, sich anzuschlie\u00dfen oder gleichg\u00fcltig zu bleiben. Die \u00dcberwindung der Rolle des passiven oder aktiven Zuschauers ist die Herausforderung, um die Realit\u00e4t des Gef\u00e4ngnisses kollektiv anzunehmen, um sie aktiv in den Kampf einzubeziehen, nicht als Nachhut oder schuldige Pflicht. Wir k\u00f6nnen nicht dazu beitragen, den Gefangenen in eine von der Macht auferlegte Rolle zu pressen, als ob er\/sie nur zu gef\u00e4ngnisinternen Themen sprechen\/handeln\/vorschlagen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Zu dieser Herausforderung geh\u00f6rt auch die \u00d6ffnung von Diskussionsr\u00e4umen zwischen beiden Seiten der Mauer. Diskussionen, Reflexionen und die Teilnahme an Initiativen haben es geschafft, die Rolle des Zuschauers oder des auf Solidarit\u00e4t wartenden Subjekts zu zerst\u00f6ren. Die Verwaltung und der Aufbau von Vorschl\u00e4gen zwischen Gefangenen oder zwischen Gefangenen und der Au\u00dfenwelt geht \u00fcber den Kampf gegen den Knast als einzigen Horizont hinaus und verleiht ihm eine revolution\u00e4re Projektion. Der Knast wird zu einem Territorium, von dem aus man sich beteiligen kann.<\/p>\n<p>Die anarchische Solidarit\u00e4t versteht es, Mythen, Denkm\u00e4ler oder Idole zu zerst\u00f6ren, indem sie in der Praxis feststellt, dass der Knast nicht das Ende eines Kampfweges ist, sondern seine Fortsetzung, aber sie distanziert sich auch von der Aufopferung als einem Wert. Die Umwandlung des Knastes in eine andere Etappe des Kampfes, in der die Erfahrungen auf beiden Seiten der Mauer flie\u00dfen, spricht von R\u00fcckkoppelungen, in denen der Rhythmus des Knastes von au\u00dfen wahrgenommen wird und der Rhythmus der Stra\u00dfe von innen nicht verloren geht.<\/p>\n<p>Die gerichtlichen Angriffe, Prozesse und Verurteilungen als Offensiven der Macht auf der Stra\u00dfe zu verstehen, zwingt uns, jeden Anflug von Resignation zu \u00fcberwinden und alle M\u00f6glichkeiten zu erkunden, sie in Momente und Zyklen der Konfliktversch\u00e4rfung zu verwandeln. Die Weitergabe von Erfahrungen und die Forderung nach Aktionen erm\u00f6glicht es uns, die Initiative auf unsere Seite zur\u00fcckzuholen und unsere Positionen zu st\u00e4rken.<\/p>\n<p>\u201e<strong>Wir f\u00fchlen, dass wir Teil eines langen Weges von K\u00e4mpfen gegen die Herrschaft sind, eines historischen Weges, der sich mit den verschiedenen Konfliktszenarien ver\u00e4ndert. Seit vielen Jahren haben wir uns entschlossen, die negierenden Wege der Anarchie zu beschreiten, indem wir sie als eine st\u00e4ndige Spannung verstehen, die in ihrer konstruktiven\/zerst\u00f6rerischen Dialektik weder eine absolute Wahrheit noch einen Ankunftsort darstellt, unser Leben ist nicht losgel\u00f6st von unserem enormen Wunsch, in \u00dcbereinstimmung mit unseren Ideen zu leben, wir nehmen dies mit allen Widerspr\u00fcchen an, die es mit sich bringt, ebenso wie seine Konsequenzen. In diesen Briefen geht es uns einmal mehr darum, den Angriff auf jede Form der Macht zu loben und zu ermutigen. Wir bekr\u00e4ftigen mit Nachdruck, dass wir Rache- und Sabotageakte als eine dringende Notwendigkeit verstehen, deren Vervielf\u00e4ltigung und Verbreitung unbestreitbar anarchische R\u00e4ume und Kampfpositionen st\u00e4rkt. Wir glauben, dass der Einsatz notwendigerweise auf die Qualifizierung des Konflikts abzielen muss, auf das Verlassen der R\u00e4ume der Bequemlichkeit, um die Perspektiven zu erweitern und dort zu treffen, wo es am meisten weh tut (\u2026) Jeder Angriff auf die Macht aus einer antiautorit\u00e4ren Perspektive ist f\u00fcr uns g\u00fcltig\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><strong><em>Auszug aus den Worten von M<\/em><em>\u00f3<\/em><em>nica und Francisco zwei Jahre nach ihrer Inhaftierung, Juli 2022<\/em><\/strong><\/p>\n<p>\u00dcber die Notwendigkeit und G\u00fcltigkeit einer anarchischen aufst\u00e4ndischen Praxis Abgesehen von den juristischen Implikationen und Diskussionen, die Teil des Prozesses sein werden, der Francisco und M\u00f3nica ab dem 18. Juli bevorsteht, und ohne die Ergebnisse dieses Prozesses aus den Augen zu verlieren, da wir wissen, dass sie exemplarische Strafen mit hohen Gef\u00e4ngnisstrafen anstreben werden, ist es f\u00fcr uns auch ein entscheidender Moment, von unserem politischen und k\u00e4mpferischen Platz als Anarchist*innen aus eine notwendige Reflexion \u00fcber die offensive und aufst\u00e4ndische antiautorit\u00e4re Praxis anzusprechen, eine Reflexion, die im Kontext eines andauernden sozialen Krieges verortet und mit Leben erf\u00fcllt werden muss.<\/p>\n<p>Die Taten, f\u00fcr die sie angeklagt und verurteilt werden \u2013 die wir konkret und klar als Angriffe auf die M\u00e4chtigen und Unterdr\u00fccker definieren k\u00f6nnten \u2013 m\u00fcssen als Aktionen betrachtet werden, die Teil einer langen Geschichte des offensiven Anarchismus sind, der zu verschiedenen historischen Momenten und in verschiedenen Szenarien und Territorien gezeigt hat, dass angesichts des staatlichen Gewaltmonopols und als Antwort auf die erdr\u00fcckende Realit\u00e4t einer von Unterdr\u00fcckern und den Eigent\u00fcmern dieser Welt errichteten sozialen Ordnung die Anwendung politischer Gewalt absolut legitim und notwendig ist und immer sein wird.<\/p>\n<p>Von dieser K\u00fchnheit und Klarheit ausgehend haben verschiedene anarchistische revolution\u00e4re Willensbekundungen \u2013 sowohl von der individuellen aufst\u00e4ndischen Initiative als auch von der offensiven Artikulation auf der Grundlage der Affinit\u00e4t \u2013 mit Schie\u00dfpulver und Feuer die Geschichte der Konfrontation mit dem Bestehenden geschrieben, in die der schwarze anarchistische Stempel eingepr\u00e4gt wurde.<\/p>\n<p>Um nur einige Aktionen zu nennen: Gaetano Brescis Attentat auf den italienischen K\u00f6nig Humberto I. im Jahr 1900; das Attentat auf den US-Pr\u00e4sidenten im Jahr 1901 durch den in Polen geborenen Anarchisten Leon Czolgosz; oder bereits in j\u00fcngerer Zeit eine Reihe von Sprengstoff- und Brandsabotagen im Kampf gegen den Hochsicherheitszug in Norditalien und die drei Sch\u00fcsse ins Bein, die Alfredo Cospito pr\u00e4zise auf den Atomunternehmer Rodolfo Adinolfi abfeuerte, sind Zeugnisse und Teile der gleichen historischen Offensiven des Anarchismus, der die Aktionen von morgen immer voraussetzen und qualifizieren muss.<\/p>\n<p>\u00dcber den anarchistischen Insurrektionalismus zu sprechen bedeutet auch, sich mit der Kritik auseinanderzusetzen, die diese Perspektive der Aktion umgibt. Bei vielen Gelegenheiten kommen die h\u00e4ufigsten und heftigsten Kritiken aus der gleichen anarchistischen Welt, in dem Verst\u00e4ndnis, dass der Reichtum und die Besonderheit des Anarchismus gerade in der Tatsache liegt, dass er nicht auf orthodoxen Prinzipien und starren dogmatischen Rahmen aufgebaut ist, sondern vielmehr das Aufeinandertreffen (und Auseinandergehen) verschiedener antiautorit\u00e4rer Ansichten und Taktiken erlaubt hat. Bevor wir uns mit dieser Kritik auseinandersetzen, ist es notwendig, einige wesentliche Aspekte des Insurrektionalismus zu kl\u00e4ren.<\/p>\n<p>Es mag offensichtlich erscheinen, aber das macht es nicht irrelevant zu erw\u00e4hnen, dass die Idee und der Aufruf zum Aufstand nicht exklusiv f\u00fcr den Anarchismus ist. Verschiedene linke revolution\u00e4re Str\u00f6mungen \u2013 marxistisch, leninistisch, maoistisch \u2013 haben den Aufstand als notwendiges Vorspiel zur Erreichung des Sozialismus bef\u00fcrwortet. Auch der Aufstand, verstanden als ein popul\u00e4rer Aufstand, war in der Geschichte der sozialen K\u00e4mpfe pr\u00e4sent, wie zum Beispiel in der Pariser Kommune.<\/p>\n<p>Die Einbindung dieses Konzepts in den Anarchismus hat mit einem Vorschlag f\u00fcr eine anarchistische revolution\u00e4re Aktion zu tun; eine aufst\u00e4ndische Tendenz, die auf Informalit\u00e4t und Affinit\u00e4t beruht und bei der Angriff und revolution\u00e4re Gewalt eine f\u00fchrende, aber nicht ausschlie\u00dfliche Rolle spielen.<\/p>\n<p>Innerhalb dieser Kontinuit\u00e4t der offensiven Praxis in der Geschichte des Anarchismus, die in den vorangegangenen Abschnitten erw\u00e4hnt wurde, muss der Insurrektionalismus als eine eher zeitgen\u00f6ssische taktische Neukonzipierung verstanden werden, die jedoch eng mit anderen Momenten von Vorschl\u00e4gen und Definitionen der Aus\u00fcbung anarchischer Gewalt verbunden ist. Die Propaganda der Tat, der Anarcho-Individualismus, der Illegalismus, der anti-organisatorische Anarchismus sind einige der Erfahrungen und Ansichten, die die gesamte aufst\u00e4ndische Praxis n\u00e4hren.<\/p>\n<p>Es stimmt zwar, dass dieser Begriff innerhalb des Anarchismus in Italien in den 1980er Jahren aus den strategischen \u00dcberlegungen einer Reihe von Gef\u00e4hrt*innen entstanden ist, von denen Alfredo Bonanno am meisten mit diesem Vorschlag identifiziert wird, aber es stimmt auch, dass diese Tendenz heute \u00fcber diesen anf\u00e4nglichen Ansatz hinausgeht und ihn \u00fcberschreitet, denn es gibt auch einen k\u00e4mpferischen Anarchismus, der eine praktische und taktische Kritik an der Abgrenzung von Angriffen ausschlie\u00dflich im Rahmen von \u201eZwischenk\u00e4mpfen\u201c, wie es Bonannos Insurrektionalismus<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote17sym\"><sup>17<\/sup><\/a> ausdr\u00fcckt, ge\u00fcbt hat und damit die Bedeutung und die M\u00f6glichkeiten von Aktionen erweitert.<\/p>\n<p>Jenseits aller Adjektive m\u00fcssen wir den Platz hervorheben, den die offensive Konfliktualit\u00e4t auf der Grundlage informeller und affiner Gruppen auch heute noch im Anarchismus einnimmt, wobei wir verstehen, dass der Anarchismus der Praxis jenseits der revolution\u00e4ren teleologischen Diskurse weiterhin ein st\u00e4ndiger Beitrag im Kampf gegen ein Herrschaftssystem ist, der im Hier und Jetzt unmissverst\u00e4ndlich auf das beklagenswerte Szenario des Bestehenden hinweist.<\/p>\n<p>Ein Aktionsvorschlag wie der Insurrektionalismus, der mit den \u00fcberholten Vorstellungen vom Aufbau eines revolution\u00e4ren Prozesses auf der Grundlage eines strategischen Programms bricht, das sich notwendigerweise auf organisatorische Strukturen st\u00fctzen muss, die sich ausschlie\u00dflich auf den Klassenkampf beschr\u00e4nken und auf den Aufbau einer \u201eVolksmacht\u201c<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote18sym\"><sup>18<\/sup><\/a> ausgerichtet sind, hat viel Antipathie hervorgerufen und war Gegenstand vieler Diskussionen, hat viele Antik\u00f6rper und daher bittere Kritik von jenen hervorgerufen, die einen revolution\u00e4ren Bruchvorschlag, der auf der Komplexit\u00e4t dessen basiert, was es bedeutet, sich radikal gegen Macht und Autoritarismus zu erheben, wo die individuelle Freiheit gegen\u00fcber den organisatorischen Maschinen axiomatisch bleibt, nicht assimilieren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Unter diesen Kritikern k\u00f6nnen wir diejenigen erw\u00e4hnen, die versucht haben, den Insurrektionalismus als \u201eIdeologie\u201c<a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote19sym\"><sup>19<\/sup><\/a> zu brandmarken, indem sie ihn daf\u00fcr verantwortlich machten, ein Hindernis f\u00fcr den Wiederaufbau der revolution\u00e4ren proletarischen Bewegung zu sein. Wir denken, dass aus diesen kurzen Abschnitten klar wird, warum der Beiname Ideologie keinen Platz hat. Im Rahmen einer historischen Praxis des Anarchismus katalysiert der Insurrektionalismus eine Taktik, die die informelle und freie Organisation zwischen Individuen auf der Grundlage ihrer Affinit\u00e4t rettet, die ihre revolution\u00e4re T\u00e4tigkeit auf der Grundlage ihrer besonderen Realit\u00e4ten und M\u00f6glichkeiten ausrichten.<\/p>\n<p>Von Seiten des Anarchismus, der st\u00e4ndig den Aufbau einer starken Organisation und die Dringlichkeit der Eingliederung in die Massen durch Strategien, die auf einem einzigen, vereinheitlichenden Programm beruhen, fordert, werden antiautorit\u00e4re aufst\u00e4ndische Tendenzen oft disqualifiziert, indem sie als lediglich freiwillige Antworten bezeichnet werden, die durch eigenn\u00fctzige Logiken motiviert sind und denen es an einem konkreten Vorschlag in strategischer Hinsicht fehlt. Wenn man die Gegenwart betrachtet und auch eine diachrone Analyse vornimmt, stellt man fest, dass die selbstverliebte Militanz im Anarchismus vor allem bei denjenigen zu finden ist, die sich blindlings auf einen programmatischen Weg zu einem anarchistischen Gesellschaftsprojekt begeben, da sie sich fast mechanisch und and\u00e4chtig auf einen Horizont zubewegen, der es ihnen nicht erlaubt, der Gegenwart kategorisch zu begegnen.<\/p>\n<p>Strukturelle Gewalt, kapitalistische Verw\u00fcstung, Patriarchat, autorit\u00e4re Unterdr\u00fcckung, soziale Ungleichheiten sind Teil des t\u00e4glichen Lebens, das wir in die Hand nehmen m\u00fcssen. Auf diese Realit\u00e4t mit Konflikten und der anarchischen Offensive zu reagieren, wird zu einem Imperativ, der weit entfernt von jeglichem Voluntarismus ein Aktionsvorschlag ist, der ein Hier und Jetzt verlangt, in der Gewissheit, dass es sich \u00fcber die langfristigen strategischen Auswirkungen hinaus um Schl\u00e4ge handelt, die die Gegenwart belasten und die notwendigen Risse f\u00fcr morgen erzeugen.<\/p>\n<p>Von hier aus bekr\u00e4ftigen wir mit \u00dcberzeugung und Gewissheit, dass die Schl\u00e4ge und Angriffe gegen die M\u00e4chtigen und Unterdr\u00fccker absolut legitim und notwendig sind; dass die aufst\u00e4ndischen Tendenzen im Anarchismus ein konstituierender Teil der Bewegung seit ihren Urspr\u00fcngen sind und waren; und dass wir in all dem M\u00f3nica und Francisco umarmen und stark unterst\u00fctzen, da ihre Wege und ihre Aktionen Teil eines anarchischen Ganzen sind, das absolut g\u00fcltig ist.<\/p>\n<p>\u201e<strong>HEUTE KLEIDET SICH DIE MACHT NACH DER MODE, SIE KLEIDET SICH IN FEMINISTISCHE UND SEXUELLE DISSIDENZ (\u2026) DIE M\u00c4CHTIGEN K\u00d6NNEN DIESE ODER ANDERE KLEIDER ANZIEHEN, UM SICH AN DER MACHT ZU HALTEN, GENAUSO WIE SIE VERSCHIEDENE INITIATIVEN ZUR VERBESSERUNG DER LEBENSBEDINGUNGEN VON FRAUEN UND SEXUELLEN DISSIDENTEN INS LEBEN RUFEN K\u00d6NNEN, ABER DIE AUS\u00dcBUNG DER MACHT UND DAMIT DIE STAATLICHE HERRSCHAFT WIRD NICHT ENDEN. VER\u00c4NDERUNGEN IN DER ART UND WEISE, WIE DIE M\u00c4CHTIGEN DIE UNTERWERFUNG \u201eVERMENSCHLICHEN\u201c ODER EINEN WEICHEREN REPRESSIONSAPPARAT SCHAFFEN, (\u2026) SOLLTEN NICHT TEIL DER K\u00c4MPFE DERJENIGEN SEIN, DIE WIRKLICH DIE RADIKALE ZERST\u00d6RUNG ALLER FORMEN DER UNTERDR\u00dcCKUNG WOLLEN. DAMIT SICH ETWAS RADIKAL \u00c4NDERT, M\u00dcSSEN WIR ALLE HANDELN, OHNE DELEGIERTE, OHNE VERMITTLER*INNEN, OHNE ZU WARTEN. HEUTE GEHEN DIEJENIGEN AUF DIE STRASSE, DIE NICHT DARAUF WARTEN, DASS ANDERE IHRE KETTEN ZERBRECHEN, DIEJENIGEN, DIE HIER UND JETZT DAS PATRIARCHAT ZERST\u00d6REN WOLLEN\u201c<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Ausz\u00fcge aus der Erkl\u00e4rung von M\u00f3nica \u201eDer Kampf gegen den Staat ist Teil des Kampfes gegen das Patriarchat\u201c, M\u00e4rz 2022<\/strong><\/em><\/p>\n<p>\u201e<strong>Wie erreichen wir Momente der Freiheit, auch wenn sie nur kurz und sporadisch sind? Was sind die Momente, in denen wir sp\u00fcren, dass das, was uns begrenzt und einschr\u00e4nkt, an Gewicht und Bedeutung verliert? Die Antworten k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig sein, je nach den Interessen jedes Individuums, je nachdem, wie es sich in dieser Welt versteht und verortet. Vielleicht f\u00fchlen sich einige von uns bereits frei und diese Fragen sind \u00fcberfl\u00fcssig, da sie au\u00dferhalb der Tentakel der Macht unn\u00f6tig w\u00e4ren. Diejenigen unter uns, die nicht in solchen Tagtr\u00e4umen schwelgen, wissen, dass die Existenz des Staates uns in eine Situation der Unterdr\u00fcckung bringt, eine Situation, die bek\u00e4mpft und angegriffen werden muss, wenn Freiheit unser Ziel ist. Es kann nicht anders sein. Und genau in dieser M\u00f6glichkeit des Angriffs finden wir die wahren Momente der Freiheit. Von dem Moment an, in dem wir uns entscheiden, dieser Welt entgegenzutreten und uns als ihre Feinde zu positionieren, beginnen wir, unsere Umgebung anders zu betrachten, wir beginnen, Ziele und ihre verwundbaren Punkte zu visualisieren, wir beginnen, den besten Weg zu sehen, um die Macht anzugreifen, wir beginnen, uns offensiv zu positionieren; kurz gesagt, wir beginnen, uns in gewisser Weise unser Leben anzueignen! In der Erzeugung von Komplizenschaft, in der Konspiration und in der Aktion l\u00f6sen wir Glieder aus unseren Ketten, wir erleben, wenn auch fl\u00fcchtig, kleine Momente der Freiheit\u201c.<\/strong><\/p>\n<p><em><strong>Ausz\u00fcge aus den Worten von Francisco einen Monat nach seiner Inhaftierung, August 2020.<\/strong><\/em><\/p>\n<p>&nbsp; <strong>CHRONOLOGIE:<\/strong><\/p>\n<p><strong>18. Januar 2006. Sprengstoffanschlag auf den Geheimdienst Agencia Nacional de Inteligencia.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Sprengsatz aus Schwarzpulver, das in einer Gasflasche komprimiert wurde, wird an der Fassade des Geheimdienstes angebracht. In Flugbl\u00e4ttern \u00fcbernimmt f\u00fcr die Aktion die \u201eFuerzas auton\u00f3micas y destructivas Le\u00f3n Czolgoscz \u2013 Autonomen und zerst\u00f6rerischen Kr\u00e4ften Leon Czolgoscz\u201c die Verantwortung.<\/p>\n<p><strong>21. Dezember 2006. Sprengstoffanschlag auf den Consejo de Defensa del Estado (A.d.\u00dc., Staatsverteidigungsrat).<\/strong><\/p>\n<p>Ein aus Schwarzpulver bestehender Sprengsatz wird in eine Gasflasche am Eingang der Institution gelegt. F\u00fcr die Aktion \u00fcbernimmt \u201eTamayo Gavil\u00e1n\u201c per Flugblatt und im Internet die Verantwortung.<\/p>\n<p><strong>16. Oktober 2007. Sprengstoffanschlag in <em>Chilectra<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Ein TNT-Sprengsatz wird in einer Filiale der Elektrizit\u00e4tsgesellschaft Chilectra gez\u00fcndet. In anonymen Flugbl\u00e4ttern wird die Verantwortung f\u00fcr den Anschlag \u00fcbernommen.<\/p>\n<p><strong>21. November 2009. Brandanschlag auf die Kirche <em>Los Sacramentinos<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Ein Brandsatz explodiert an der T\u00fcr der Kirche. F\u00fcr die Aktion \u00fcbernimmt \u201eC\u00e9lula Rodrigo Orias\u201c via Kommuniqu\u00e9s die Verantwortung.<\/p>\n<p><strong>14. August 2010. Verhaftungen im Rahmen der <em>Operaci\u00f3n Salamandra<\/em>\/<em>Caso Bombas<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f3nica und Francisco werden zusammen mit 12 weiteren Gef\u00e4hrt*innen von der Fiscal\u00eda Sur unter der Leitung von Alejandro Pe\u00f1a verhaftet. Den Verhafteten wird vorgeworfen, eine hierarchische Gruppe gebildet zu haben, die sich dem Anbringen von Sprengs\u00e4tzen widmete, und zwar im Rahmen der Straftatbest\u00e4nde der illegalen terroristischen Vereinigung, des Anbringens von Sprengs\u00e4tzen und der Finanzierung des Terrorismus. Francisco wird der Anschlag auf die ANI, den CDE und Chilectra vorgeworfen, w\u00e4hrend M\u00f3nica der Anschlag auf die Sacramentinos-Kirche zur Last gelegt wird.<\/p>\n<p><strong>21. Februar \u2013 26. April 2011. Hungerstreik der Gefangenen im <em>Caso Bombas<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f3nica, Francisco und die \u00fcbrigen im Gef\u00e4ngnis verbliebenen Gef\u00e4hrt*innen treten in einen Hungerstreik, um das Verfahren gegen sie abzulehnen, was zu einer breiten nationalen und internationalen Solidarit\u00e4t f\u00fchrt.<\/p>\n<p><strong>3. Mai 2011. M\u00f3nica wird aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen.<\/strong><\/p>\n<p>Die Gef\u00e4hrtin M\u00f3nica wird aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen und unter Hausarrest gestellt, w\u00e4hrend sie auf ihren Prozess wartet.<\/p>\n<p><strong>5. Mai 2011. Francisco wird aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen.<\/strong><\/p>\n<p>Francisco wird aus dem Gef\u00e4ngnis entlassen und bis zum Prozess unter Hausarrest gestellt.<\/p>\n<p><strong>4. Oktober 2011. Freispruch von der Anklage der illegalen terroristischen Vereinigung.<\/strong><\/p>\n<p>Alle Angeklagten werden vom Vorwurf der illegalen terroristischen Vereinigung freigesprochen. Francisco, M\u00f3nica und drei weitere Gef\u00e4hrten werden weiterhin wegen des Anbringens von Sprengk\u00f6rpern und der Finanzierung des Terrorismus angeklagt.<\/p>\n<p><strong>28. November 2011-Juni 2012. Prozess im <em>Caso Bombas<\/em>.<\/strong><\/p>\n<p>Inmitten gro\u00dfer Medienerwartung findet ein umfangreicher Prozess gegen 5 Gef\u00e4hrt*innen statt. Die Staatsanwaltschaft fordert f\u00fcr M\u00f3nica 10 Jahre Gef\u00e4ngnis, f\u00fcr Francisco 15 Jahre.<\/p>\n<p><strong>1. Juni 2012. Freispruch f\u00fcr alle Angeklagten.<\/strong><\/p>\n<p>Der Prozess endet mit einem Freispruch f\u00fcr alle Angeklagten, eine schwere Niederlage f\u00fcr die Staatsanwaltschaft. Der Fall wird zu einer landesweiten Debatte und wird als \u201edie gr\u00f6\u00dfte Niederlage der Staatsanwaltschaft seit Beginn der Strafprozessreform\u201c bezeichnet.<\/p>\n<p><strong>2012. Reise nach Spanien.<\/strong><\/p>\n<p>M\u00f3nica und Francisco reisen ohne gr\u00f6\u00dfere Probleme und beschlie\u00dfen, nach Spanien zu ziehen, um dort zu leben.<\/p>\n<p><strong>2. Oktober 2013. Anschlag auf die Bas\u00edlica del Pilar in Zaragoza.<\/strong><\/p>\n<p>Im Inneren des ber\u00fchmten spanischen Gotteshauses explodiert eine gewaltige Sprengladung. Zu dem Anschlag \u00fcbernimmt das \u201eComando Insurreccional Mateo Morral\u201c die Verantwortung.<\/p>\n<p><strong>13. November 2013. Verhaftung von M\u00f3nica und Francisco.<\/strong><\/p>\n<p>Die Gef\u00e4hrt*innen werden unter dem Vorwurf des j\u00fcngsten Sprengstoffanschlags verhaftet. Beide werden in Isolationshaft gesteckt und in verschiedene Gef\u00e4ngnisse in Spanien verlegt.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4rz 2016. Prozess und Verurteilung in Spanien<\/strong><\/p>\n<p>Nachdem sie 44 Jahre Gef\u00e4ngnis f\u00fcr die Verbrechen der terroristischen Vereinigung, der Verschw\u00f6rung, der K\u00f6rperverletzung und der terroristischen Sch\u00e4digung beantragt hatten, werden M\u00f3nica und Francisco schlie\u00dflich zu 12 Jahren Haft wegen K\u00f6rperverletzung und terroristischen Sch\u00e4den verurteilt.<\/p>\n<p><strong>Dezember 2016. Das Strafma\u00df wird reduziert.<\/strong><\/p>\n<p>In mehreren Berufungsverfahren wurde die Strafe auf 4,5 Jahre Gef\u00e4ngnis reduziert und die Straftaten der terroristischen Sch\u00e4digung und der terroristischen Verletzungen neu eingestuft. In Anbetracht dieser neuen Verurteilung wird ein Abschiebeverfahren eingeleitet.<\/p>\n<p><strong>M\u00e4rz 2017. Die Gef\u00e4hrt*innen kehren nach Chile zur\u00fcck.<\/strong><\/p>\n<p>In journalistischer Erwartung kehren beide Gef\u00e4hrt*innen ohne restriktive Ma\u00dfnahmen nach Chile zur\u00fcck und beginnen, sich in verschiedenen Kreisen der anarchistischen Bewegung zu beteiligen und zu reintegrieren.<\/p>\n<p><strong>25. Juli 2019. Attentat auf Rodrigo Hinzpetter und die 54. Polizeistation.<\/strong><\/p>\n<p>Zwei Paketbomben werden an die 54. Polizeistation in Huechuraba und das B\u00fcro des ehemaligen Innenministers Rodrigo Hinzpeter geschickt. Das Paket gegen die Polizeistation explodiert und hinterl\u00e4sst acht verletzte Polizisten, w\u00e4hrend die an Hinzpeter gerichtete Bombe entsch\u00e4rft wird. F\u00fcr die Aktion \u00fcbernehmen \u201eC\u00f3mplices sediciosos \/ Fracci\u00f3n por la venganza\u201c die Verantwortung.<\/p>\n<p><strong>27. Februar 2020. Anschlag auf das T\u00e1nica-Geb\u00e4ude<\/strong><\/p>\n<p>Ein doppelter Sprengstoffanschlag detoniert in den G\u00e4rten des Tanica-Geb\u00e4udes inmitten des wohlhabenden Viertels. Der Anschlag findet parallel zum Aufstand in verschiedenen chilenischen St\u00e4dten statt. F\u00fcr die Aktion \u00fcbernehmen die \u201eAfinidades Armadas en Revuelta\u201c die Verantwortung.<\/p>\n<p><strong>24. Juli 2020. Verhaftung von M\u00f3nica und Francisco<\/strong><\/p>\n<p>In einer Reihe von Razzien werden die Gef\u00e4hrt*innen nach langen Ermittlungen verhaftet. Francisco wird als einziger wegen des Sprengstoffs angeklagt, w\u00e4hrend beide wegen des Anschlags auf Tanica als T\u00e4ter beschuldigt werden.<\/p>\n<p><strong>22. M\u00e4rz \u2013 10. Mai 2021 Hungerstreik<\/strong><\/p>\n<p>Hungerstreik von anarchistischen und subversiven Gefangenen in verschiedenen Gef\u00e4ngnissen f\u00fcr die Aufhebung des Gesetzesdekrets 321 und die Freilassung von Marcelo Villarroel. M\u00f3nica und Francisco beteiligen sich aktiv an dieser Mobilisierung aus den Gef\u00e4ngnissen.<\/p>\n<p><strong>Dezember 2021: Francisco \u00fcbernimmt die Verantwortung und Urheberschaft f\u00fcr die Aktionen.<\/strong><\/p>\n<p>Francisco gibt eine politisch\/juristische Erkl\u00e4rung ab, in der er die Verantwortung f\u00fcr die Versendung von Sprengstoffpaketen und den Anschlag auf Tanica \u00fcbernimmt.<\/p>\n<p><strong>18. Juli 2023. Beginn des Prozesses gegen die Gef\u00e4hrt*innen.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Nach fast drei Jahren Untersuchungshaft beantragt die Staatsanwaltschaft 30 Jahre gegen M\u00f3nica und 129 Jahre gegen Francisco und er\u00f6ffnet damit den Prozess gegen sie.<\/strong><\/p>\n<hr \/>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote1anc\">1<\/a>Am 13. Juni griff das \u201eComando Insurreccional Andr\u00e9s Soto Pantoja\u201c eine Filiale der<em> Banco Estado<\/em> in der Avenida Las Condes # 11550 mit einer Bombe mit gro\u00dfer Sprengkraft an.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote2anc\">2<\/a>Gustavo Fuentes Aliaga, der dem anarchistischen Milieu nahe steht, wird von der Polizei verhaftet, nachdem er seine Ex-Partnerin erstochen hat. In dem Bestreben, aus anderen Gr\u00fcnden unterzutauchen, begann er, mit der Polizei zusammenzuarbeiten, indem er seine angebliche Beteiligung an Sprengstoffanschl\u00e4gen erkl\u00e4rte und auf mehrere Personen hinwies, von denen er annahm, dass sie darin verwickelt sein k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote3anc\">3<\/a>Die Hauptthese der Polizei lautete, dass die F\u00fchrung von ehemaligen Mitgliedern der Mapu-Lautaro ausge\u00fcbt wurde, einer marxistisch-leninistischen Stadtguerillagruppe, die in den 80er und 90er Jahren aktiv war.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote4anc\">4<\/a>Staatsanwalt H\u00e9ctor Barros plauderte mit seinen besten mythomanischen F\u00e4higkeiten vor der Presse: \u201eSie wiesen darauf hin, dass die besetzten H\u00e4user als Bibliotheken gedacht waren, und dass das Geld, das sie hatten, dazu diente, diese zu finanzieren. Aber in diesen H\u00e4usern gab es weder Bibliotheken noch B\u00fccher. Es gab zum Beispiel Plakate. F\u00fcr mich ist das wichtig, weil ich dem Richter sagen kann, dass die Theorie des Falles ist, dass hier eine Bibliothek betrieben wird, aber es stellt sich heraus, dass wir keine B\u00fccher beschlagnahmt haben, sondern das hier. (\u201eFiscal\u00eda Sur se va de queja contra juez por Caso bombas y advierte: \u201atodos los grupos terroristas se defienden con el montaje\u2019\u201c, La Segunda, Freitag 6. Mai 2011).<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote5anc\">5<\/a>Der Staatsanwalt Antonio Marini er\u00f6ffnete 1996 einen riesigen Gerichtsprozess gegen mehr als 60 Anarchistinnen und Anarchisten in Italien. Der so genannte \u201eMarini-Prozess\u201c st\u00fctzte sich auf die angebliche Existenz einer \u201esubversiven Opposition\u201c, die sowohl einen sichtbaren und scheinbar legalen als auch einen illegalen und klandestinen Charakter hatte. Der Prozess war ein schwerer Schlag f\u00fcr den italienischen Anarchismus und ein Novum im Bereich der Justiz und der Terrorismusbek\u00e4mpfung, das einen Pr\u00e4zedenzfall f\u00fcr zuk\u00fcnftige repressive Angriffe schuf.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote6anc\">6<\/a>Von dem Tod des Anarchisten Mauricio Morales im Kampf; der Verhaftung eines Gef\u00e4hrten in Solidarit\u00e4t mit Marcelo und Freddy, die in Argentinien wegen eines Bank\u00fcberfalls in Chile inhaftiert sind; dem Umfeld der Hausbesetzer, auf das der wahnsinnige Kollaborateur Gustavo Fuentes Aliaga hinwies; neben anderen F\u00e4llen, die nicht unbedingt miteinander verbunden waren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote7anc\">7<\/a>Von Februar bis April 2011 befanden sich alle Gefangenen des <em>Caso Bombas<\/em> mehr als 65 Tage lang im Hungerstreik im Gef\u00e4ngnis.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote8anc\">8<\/a>A.d.\u00dc., gemeint ist die <em>hispanidad<\/em> unter anderem die Repr\u00e4sentation alles spanischen auf der Welt.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote9anc\">9<\/a>A.d.\u00dc., was an dieser Stelle gemeint ist, ist die sogenannte <em>dispersi\u00f3n<\/em>, ein allgemeines Handeln der spanischen Regierung, die Gefangene, vor allem aus der sogenannten baskischen Befreiungsbewegung, aber nicht nur, soweit weg wie m\u00f6glich von ihrem Zuhause einsperrt. Damit soll nicht nur der Gefangene, sondern auch sein Umfeld, ob famili\u00e4r oder freundschaftlich, genauso bestraft werden, denn die weite Entfernung soll die Besuche erschweren. Sowohl geistig wie \u00f6konomisch. Es sind einige F\u00e4lle von Angeh\u00f6rigen zu bedauern die z.B., in Verkehrsunf\u00e4llen ums Leben gekommen sind.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote10anc\">10<\/a>A.d.\u00dc., in der Regel bei FIES 3 (Mitgliedschaft einer terroristischen Gruppe) sind die Besuche kurzer Dauer. Wir empfehlen dazu folgende Textreihe: <a href=\"https:\/\/panopticon.blackblogs.org\/category\/texte-2\/repression\/spanischer-staat\/textreihe-isolationshaft-und-die-geschichte-der-repression-in-spanien\/\"><em>Textreihe Isolationshaft und die Geschichte der Repression in Spanien<\/em><\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote11anc\">11<\/a>Im Gegensatz zu denjenigen, die behaupten, der Aufstand sei am 14. November 2019 durch das Friedensabkommen beendet worden, wurde er im M\u00e4rz 2020 fortgesetzt und intensiviert: 79 Polizeistationen wurden angegriffen, ein Wasserwerfer angez\u00fcndet und Cristian Valdebenito im Zentrum von Santiago ermordet.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote12anc\">12<\/a>A.d.\u00dc., w\u00e4hrend der besagten Revolte in Chile wurden tausende Personen verletzt, viele verloren das Augenlicht aufgrund der Verwendung von Gummigeschossen oder Schrotmunition, oder K\u00f6rperglieder aufgrund von Blendgranaten, ganz geschweige von der Folter in den Bullenwachen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote13anc\">13<\/a>Sie kontrollieren die Hotels Hanga Roa, Cottage de Uruguay und Alto Atacama, das Teatro del Lago und Agua Mineral Puyehue. Au\u00dferdem h\u00e4lt das Unternehmen Anteile an Sudamericana de Vapores, Marinsa, Copec und Cencosud. Partner von KidZania, Antarctic Dream, Banco Internacional, Kross Bier, Framberry, Oleotop, Puerto Muelles de Penco und Dunalastair Schulen, neben vielen anderen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote14anc\">14<\/a>Dieser Raum der kollektiven Affinit\u00e4t besteht derzeit aus den Gef\u00e4hrt*innen Marcelo Villarroel, Juan Aliste Vega, Joaqu\u00edn Garc\u00eda, sowie M\u00f3nica und Francisco<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote15anc\">15<\/a>Beim dritten dritte Mal klappt es<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote16anc\">16<\/a>Kalinov Most N\u00b01 Oktober 2017<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote17anc\">17<\/a>Nach den Erfahrungen der \u201ebleiernen Jahre\u201c in Italien in den 1970er Jahren und angesichts der Notwendigkeit, anarchistische revolution\u00e4re Praktiken neu zu beleben, begann in den 1980er Jahren der Vorschlag eines \u201eaufst\u00e4ndischen Anarchismus\u201c durch italienische Gef\u00e4hrt*innen Gestalt anzunehmen, unter denen wir Alfredo M. Bonanno und Constantino Cavalleri erw\u00e4hnen k\u00f6nnen. Einer der Kernaspekte dieses Vorschlags f\u00fcr anarchistische Aktionen war neben der Informalit\u00e4t, die auf Affinit\u00e4tsgruppen basierte, die Suche nach anarchistischem Auftreten in \u201eZwischenk\u00e4mpfen\u201c, d.h. anarchistische Aktionen und Angriffe auf spezifische soziale Konflikte. Ein emblematisches praktisches Beispiel f\u00fcr diese Taktik war die anarchistische Pr\u00e4senz im Kampf gegen den Bau des TAV (Hochgeschwindigkeitszug) im Sussa-Tal in Norditalien.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote18anc\">18<\/a>A.d.\u00dc., hier ist die Rede von <em>poder popular<\/em> was sehr gerne falsch ins Deutsche als \u201aGegenmacht\u2018 \u00fcbersetzt wird.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2024\/01\/06\/chile-komplizenschaft-aufwiegelung\/#sdfootnote19anc\">19<\/a>Eine Befragung, die zum Beispiel in dem 2012 ver\u00f6ffentlichten und von den \u201eProletarios Internacionalistas\u201c unterzeichneten Buch \u201eCr\u00edtica de la Ideolog\u00eda Insurreccionalista- Kritik der insurrektionalistischen Ideologie\u201c verankert ist.<\/p>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: Soligruppe f\u00fcr Gefangene KOMPLIZENSCHAFT &amp; AUFWIEGELUNG Originaltitel: Complicidad y Sedici\u00f3n, erschienen in Chile im Juli 2023. EINZELAUSGABE ANGESICHTS DES PROZESSES GEGEN FRANCISCO UND M\u00d3NICA\/ JULI2023 Einleitung der deutschsprachigen \u00dcbersetzung, wir haben diesen Text \u00fcbersetzt, nicht nur weil er einen genaueren Einblick auf einen weiteren Repressionsfall gegen Anarchistinnen und Anarchisten einwirft, einer von vielen, sondern [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[114,1197,117,119,115,412,750,125,615],"tags":[1021,280,156,282,256],"class_list":["post-12288","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anarchismus","category-aufstand-revolte","category-broschurezeitschriftbuch","category-direkte-aktionenangriffe","category-gefangene","category-knast","category-prozess","category-repression","category-solidaritat","tag-anarchistinnen-2","tag-anarchistische-zeitschrift","tag-chile","tag-francisco-solar","tag-monica-caballero"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12288"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=12288"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12288\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":12290,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/12288\/revisions\/12290"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=12288"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=12288"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=12288"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}