{"id":12054,"date":"2022-08-29T12:15:23","date_gmt":"2022-08-29T10:15:23","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=12054"},"modified":"2022-08-29T12:15:23","modified_gmt":"2022-08-29T10:15:23","slug":"von-kueste-zu-kueste-offener-brief-des-anarchistischen-gefangenen-toby-shone","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=12054","title":{"rendered":"Von K\u00fcste zu K\u00fcste: Offener Brief des anarchistischen Gefangenen Toby Shone"},"content":{"rendered":"<p>quelle: <a href=\"https:\/\/phillyabc.org\/post\/2022-08-24-toby-shone-statement\/\">abc philly<\/a>, \u00fcbersetzung abc wien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=12055\" rel=\"attachment wp-att-12055\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-12055\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\" srcset=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement-150x150.jpg 150w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement-300x300.jpg 300w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement-1024x1024.jpg 1024w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement-768x768.jpg 768w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement-1536x1536.jpg 1536w, https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2022\/08\/toby-shone-statement.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 150px) 100vw, 150px\" \/><\/a>Ich habe schon fr\u00fcher \u00fcber die Notwendigkeit geschrieben, eine atlantische Br\u00fccke zu errichten, die auf internationaler revolution\u00e4rer Solidarit\u00e4t und gegenseitigem Wissen basiert und die sich in Richtung Affinit\u00e4t und direkter Aktion zur Unterst\u00fctzung unserer inhaftierten Gef\u00e4hrt*innen bewegt. Seitdem wurde ich vor kurzem von einer*m Gef\u00e4hrt*in des Anarchist Black Cross Philadelphia hier in der G4S-Einrichtung, in der ich festgehalten werde, besucht. G4S ist urspr\u00fcnglich ein amerikanisches Unternehmen, Wackenhut, das Pionierarbeit in der privaten Gef\u00e4ngnis- und Sicherheitsindustrie auf der ganzen Welt geleistet hat. Im Rahmen unserer Diskussion zwischen dem*der Gef\u00e4hrten*in von ABC Philadelphia und mir sprachen wir \u00fcber die Notwendigkeit, zu verhindern, dass sich unsere Gruppen und Communities nach innen wenden und sich in mikroskopischen Szenen und Kurzsichtigkeit verschlie\u00dfen. Die anglophone Welt ist f\u00fcr diesen Trend besonders anf\u00e4llig, obwohl er nicht nur auf englischsprachige Gebiete beschr\u00e4nkt ist. Wie k\u00f6nnen wir die Rhetorik in praktisches Handeln umsetzen? Worte und Taten m\u00fcssen \u00fcbereinstimmen, und das hei\u00dft was?<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Zu lange hat eine Art einseitiger Diskurs geherrscht, der von zu wenigen mutigen Einzelpersonen und Gruppen durchbrochen wurde. Man kann von einem Verlust an Solidarit\u00e4t sprechen, der \u00fcber den Atlantik hinweg zwischen Nord und S\u00fcd, Ost und West herrscht. Ohne irgendeine Art von Anarchotourismus oder den kolonialen Ansatz der gro\u00df angelegten Export-Import-Politikprogramme der aktivistischen Linken bef\u00fcrworten zu wollen, bin ich f\u00fcr die St\u00e4rkung unserer internationalen Netzwerke angesichts eines zunehmenden technokratischen Autoritarismus. In unseren lokalen Gebieten eingeschlossen zu bleiben, ohne die K\u00e4mpfe anderswo in Betracht zu ziehen, ist selbstzerst\u00f6rerisch, da repressive Ma\u00dfnahmen versuchen, uns einzuschlie\u00dfen und unsere anarchische Verbreitung einzud\u00e4mmen, um Sterilit\u00e4t zu f\u00f6rdern. K\u00f6nnen wir eine atlantische Br\u00fccke erneuern, die unsere Tendenzen miteinander verbindet, die die Aufst\u00e4nde in den nordamerikanischen Metropolen mit denen in Europa, Lateinamerika und Asien verbindet? K\u00f6nnen wir die K\u00e4mpfe der Langzeit-COINTELPRO-Gefangenen mit denen anderswo im globalen Gef\u00e4ngnisindustriekomplex verbinden?<\/p>\n<p>Als einen sehr einfachen Beitrag mit den geringen Mitteln, die ich habe, werde ich an der Veranstaltung &#8222;Running Down The Walls 5K run&#8220; teilnehmen, die von den Gef\u00e4hrt*innen der amerikanischen ABC-Gruppen organisiert wird und die f\u00fcr den 11. bis 18. September dieses Jahres angesetzt ist, w\u00e4hrend der Zeit, die ich au\u00dferhalb meiner Zelle auf dem Hof oder in der Turnhalle verbringen kann. Ziel dieser Veranstaltung ist es, durch Sport ein Gef\u00fchl der Zusammengeh\u00f6rigkeit zu schaffen. Die Erhaltung unserer Fitness und Gesundheit ist drau\u00dfen wichtig, und der Erl\u00f6s der Veranstaltung wird der ABC-Kasse zugute kommen.<\/p>\n<p>Die eigentliche Herausforderung besteht darin, eine Entwicklung der Selbstorganisation, der Osmose, der Dezentralisierung und der Zusammenarbeit zu erm\u00f6glichen; kritisches und praktisches Handeln. Als erstes Prinzip und minimalen Anfang k\u00f6nnen wir den Austausch von Briefen und Postkarten nennen, der die Isolation der Gef\u00e4ngnismauern und Landesgrenzen, die uns trennen, durchbricht. Da mir ein gro\u00dfer Teil meiner Korrespondenz, vor allem die mit politischem Inhalt, verboten ist, kann man sagen, dass dies eine gewisse Art von Solidarit\u00e4t darstellt. Hinzu kommt die Sammlung und Ver\u00f6ffentlichung der Briefe und Nachrichten unserer inhaftierten Gef\u00e4hrt*innen und die immer wieder aufflammenden und sich vervielf\u00e4ltigenden Dialoge, \u00fcber die die Gef\u00e4hrten Alfredo, Gabriel und Gustavo schreiben. Dieser Dialog zwischen innen und au\u00dfen ist sehr wichtig. Wir m\u00fcssen die Barrieren durchbrechen, die uns alle trennen, um unsere Hungerstreiks zu unterst\u00fctzen, die Strukturen der Unterdr\u00fcckung zu identifizieren, Gelder zu sammeln, Kampagnen durchzuf\u00fchren, Veranstaltungen zu organisieren und denjenigen zu helfen, die an unserer Seite sind, auch wenn uns ein Ozean zu trennen scheint. Ich hoffe, einige Gef\u00e4hrt*innen k\u00f6nnen mir verzeihen, dass ich mich mit dem Thema abm\u00fche, da ich sicher bin, dass alles, wor\u00fcber ich geschrieben habe, bereits in unterschiedlichem Ma\u00dfe in verschiedenen Gebieten existiert, aber ich bin mir der Notwendigkeit bewusst, gelegentlich Schl\u00fcsselaspekte unserer Praxis zu wiederholen, um sie zu verbreiten und neue Verbindungen zu schaffen.<\/p>\n<blockquote><p><em>Lasst eure Stimmen des Protests vom Atlantik bis zum Pazifik, von Maine bis Mexiko erklingen. Macht der m\u00f6rderischen kapitalistischen Klasse klar, dass ihr nicht l\u00e4nger tatenlos zusehen werdet, wie eure Br\u00fcder zu Opfern gemacht werden, weil sie es so wollen und sie werden es nicht wagen, es zu tun!<\/em><\/p>\n<p>&#8211; Lucy Parsons, Die geplante Schlachtung, 1905<\/p><\/blockquote>\n<p>Alle auf die Stra\u00dfe,<br \/>\nToby Shone<br \/>\n19. August 2022<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>quelle: abc philly, \u00fcbersetzung abc wien Ich habe schon fr\u00fcher \u00fcber die Notwendigkeit geschrieben, eine atlantische Br\u00fccke zu errichten, die auf internationaler revolution\u00e4rer Solidarit\u00e4t und gegenseitigem Wissen basiert und die sich in Richtung Affinit\u00e4t und direkter Aktion zur Unterst\u00fctzung unserer inhaftierten Gef\u00e4hrt*innen bewegt. 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