{"id":11987,"date":"2022-06-01T12:45:41","date_gmt":"2022-06-01T10:45:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11987"},"modified":"2022-06-02T12:56:49","modified_gmt":"2022-06-02T10:56:49","slug":"frankreich-lebewohl-zum-leben-lebewohl-zur-liebe-ukraine-krieg-und-selbstorganisation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11987","title":{"rendered":"(Frankreich) Lebewohl zum Leben, Lebewohl zur Liebe\u2026 Ukraine, Krieg und Selbstorganisation"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2022\/05\/26\/frankreich-lebewohl-zum-leben-lebewohl-zur-liebe-ukraine-krieg-und-selbstorganisation\/\">Soligruppe f\u00fcr Gefangene<\/a><\/p>\n<div class=\"entry-content\">\n<p><span lang=\"de-DE\"><i>Auf <a href=\"https:\/\/ddt21.noblogs.org\/?page_id=3460\">ddt21<\/a> gefunden, die \u00dcbersetzung ist von uns. Ein weiterer sehr interessanter, wie immer und alles diskutierbar und in Frage zu stellen, Beitrag aus Frankreich der sich mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzt, genauso wie die Rolle angeblicher <\/i><\/span>\u201e<span lang=\"de-DE\"><i>Anarchisten und Anarchistinnen\u201c<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"><i>. Hierbei handelt es sich um die englische \u00dcbersetzung dieses Textes, welches auf der Seite zu finden ist und selber darauf aufmerksam macht, dass es gewisse Ver\u00e4nderungen gibt. Wir haben sicherheitshalber es mit dem Original verglichen. Wir schreiben es der Offenheit halber auf, auch wenn es wahrscheinlich niemand interessiert.<\/i><\/span><\/p>\n<p><!--more--><b>Lebewohl zum Leben, Lebewohl zur Liebe\u2026<br \/>\n<\/b><b>Ukraine, Krieg und Selbstorganisation<\/b><\/p>\n<p>\u201e<i>Die Frage, mit der wir heute konfrontiert sind, ist, ob die Losung von Liebknecht: \u201e<\/i>Der Feind ist im eigenen Land!\u201c<i> f\u00fcr den Klassenkampf heute noch genauso g\u00fcltig ist wie 1914.\u201c <\/i>Fragte Otto R\u00fchle im Jahr 1940.<\/p>\n<p>Clausewitz\u2019 Satz vom \u201eNebel des Krieges\u201c beschreibt treffend die Medienflut \u2013 oder das Sperrfeuer -, dem wir seit dem 24. Februar 2022 im Ukrainekrieg ausgesetzt sind. Beide Lager f\u00fchren einen Propagandakrieg, der durch die sozialen Medien noch versch\u00e4rft wird. Die Ukrainer haben die Oberhand: Auf ihrer Seite gibt es eine F\u00fclle von Bildern (von Zivilisten und Reportern aufgenommen), auf der russischen Seite weit weniger (keine Smartphones f\u00fcr die Soldaten, keine Zivilisten, wenige Reporter). Dies f\u00fchrt unter anderem zu einer \u00dcberf\u00fclle an sichtbaren zerst\u00f6rten russischen Fahrzeugen. Was den Menschen im Westen (uns eingeschlossen) gezeigt wird, ist jedoch nur ein Teil des wahren Bildes. Au\u00dferdem f\u00fchrt der Einsatz von Algorithmen dazu, dass Informationen, die bereits bestehende Standpunkte untermauern, mehr Gewicht erhalten. Wie der antike Grieche Diagoras wollen wir alle die Erkl\u00e4rung finden, die zu unseren \u00dcberzeugungen passt, aber in Kriegszeiten erdr\u00fcckt die Datenflut das Denken. Es ist schwer, eine kritische Distanz zu wahren und einen k\u00fchlen Kopf zu bewahren, um zu verstehen, was vor sich geht und was wir dagegen tun k\u00f6nnen. Dies gilt umso mehr, wenn wir in einem kriegf\u00fchrenden oder kollaborierenden Land leben.<span id=\"more-2647\"><\/span><\/p>\n<p><b>Drei glorreiche Halunken (The Good, the Bad and the Ugly)<\/b><\/p>\n<p>Russland ist in die Ukraine eingedrungen, nicht andersherum. Der Unterschied zwischen dem \u201eAggressor\u201c und dem \u201eAngegriffenen\u201c (der Demokrat gegen den Diktator, der nette Kerl gegen den Schurken\u2026) ist jedoch kein ausreichendes Kriterium, um das Gesamtbild zu verstehen. Am 28. Juli 1914, nach der Ermordung von Erzherzog Franz Ferdinand, erkl\u00e4rte das m\u00e4chtige \u00f6sterreichisch-ungarische Reich (\u00fcber 50 Millionen Menschen) dem kleinen Serbien (5 Millionen) den Krieg. In den folgenden Tagen zogen fast alle europ\u00e4ischen M\u00e4chte in den Krieg, und eines der Argumente Frankreichs und Gro\u00dfbritanniens war die Verteidigung der Schwachen gegen die Starken. \u201e<i>Niemand kann ernsthaft glauben, dass wir die Aggressoren sind\u201c<\/i>, sagte Ren\u00e9 Viviani, franz\u00f6sischer Premierminister einer eminent demokratischen Republik, der das militaristische despotische Deutschland gerade den Krieg erkl\u00e4rt hatte.<\/p>\n<p>Doch im Gegensatz zur gro\u00dfen Mehrheit der Sozialdemokraten der meisten L\u00e4nder (und einiger Anarchisten wie Peter Kropotkin), die sich auf die Seite der \u201eHeiligen Union\u201c (Union Sacr\u00e9e<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2022\/05\/26\/frankreich-lebewohl-zum-leben-lebewohl-zur-liebe-ukraine-krieg-und-selbstorganisation\/#sdfootnote1sym\" name=\"sdfootnote1anc\"><sup>1<\/sup><\/a>) oder des \u201eBurgfriedens\u201c ihres jeweiligen Landes stellten, lehnte die serbische sozialistische Partei die nationale Verteidigung ab und stimmte gegen Kriegskredite. In jenem Jahr widersetzten sich nur eine Handvoll Revolution\u00e4re der Kriegspropaganda und dem politischen Druck: in Russland die Bolschewiki und ein Teil der Menschewiki; in Deutschland Karl Liebknecht und sp\u00e4ter Otto R\u00fchle. In Schottland schrieb John McLean im September 1914: \u201e<i>Soweit ich sehen kann, wird es unm\u00f6glich sein zu sagen, ob Russland oder Deutschland unmittelbar f\u00fcr den Krieg verantwortlich ist\u201c<\/i>. Die Internationalisten waren jedoch Ausnahmen von der Regel.<\/p>\n<p>Mehr als ein Jahrhundert sp\u00e4ter w\u00fcrde kein seri\u00f6ser Historiker und nur wenige Politiker behaupten, dass der Erste Weltkrieg von einem Einzelt\u00e4ter verursacht wurde, und sie w\u00fcrden ihn durch die Funktionsweise eines ganzen Systems von gegnerischen und verb\u00fcndeten L\u00e4ndern erkl\u00e4ren. Wer einen Krieg ausl\u00f6st oder was ihn ausl\u00f6st, ist nur ein Teil einer komplexen Situation. So erkl\u00e4rten Frankreich und Gro\u00dfbritannien im September 1939 Deutschland den Krieg, das gerade in Polen eingefallen war. Hitler war eindeutig der Schuldige\u2026 sein Verb\u00fcndeter Stalin war dank des deutsch-sowjetischen Pakts, der einige Wochen zuvor geschlossen worden war, Mitt\u00e4ter des Verbrechens. Einige Monate sp\u00e4ter planten Frankreich und Gro\u00dfbritannien einen milit\u00e4rischen Angriff auf die UdSSR, die ihrerseits gerade Finnland angegriffen hatte: Die Pike-Operation sollte eine gro\u00df angelegte Bombardierung der \u00d6lfelder von Baku sein, bis die deutsche Offensive im Mai 1940 Frankreich und Gro\u00dfbritannien dazu zwang, den Plan fallen zu lassen.<\/p>\n<p>Wer zuerst schie\u00dft, ist nebens\u00e4chlich. Jedes Land, das einen Krieg f\u00fchrt, kann zu Recht behaupten, dass es sich selbst verteidigt, und zwar der Angegriffene gegen den Angreifer, aber auch der Angreifer, der lediglich verhindern will, dass eine dritte Partei das Angegriffene in seinem eigenen Interesse besetzt oder beherrscht. Das hat die UdSSR 1956 in Ungarn getan, Frankreich und Gro\u00dfbritannien im selben Jahr in \u00c4gypten, die USA in Vietnam, die UdSSR in Afghanistan usw. Die Schwachen existieren nur, weil die Starken sie vor einer anderen starken Macht sch\u00fctzen, und jeder verteidigt sich, um zu vermeiden, dass er von einem Nachbarn angegriffen oder als Basis f\u00fcr einen Angriff benutzt wird.<\/p>\n<p>Wie viele andere Konflikte zuvor ist auch der Krieg, der sich jetzt auf ukrainischem Territorium auf Kosten der ukrainischen Bev\u00f6lkerung abspielt, Teil einer Konfrontation zwischen gro\u00dfen Bl\u00f6cken, und der besondere Charakter der politischen Akteure (demokratisch oder nicht) ist nicht mehr ausschlaggebend als in vielen Konflikten zuvor.<\/p>\n<p>Im Westen bedauern heute einige Gutmenschen die Tatsache, dass die USA und ihre Verb\u00fcndeten die NATO nicht aufgel\u00f6st haben, als der Warschauer Vertrag nach der Aufl\u00f6sung der UdSSR 1991 zerbrach, sondern dass sie die NATO schrittweise erweitert haben, so dass sie jetzt die meisten ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR entlang der westlichen Grenzen Russlands umfasst. Wie w\u00fcrden sich die Vereinigten Staaten f\u00fchlen, wenn Mexiko und Kanada einem Milit\u00e4rb\u00fcndnis angeh\u00f6ren w\u00fcrden, das sich ausdr\u00fccklich gegen die USA richtet? (Am meisten missf\u00e4llt den USA, dass die Salomonen k\u00fcrzlich einen Sicherheitspakt mit China unterzeichnet haben). Im Jahr 2022 hat der russische Einmarsch in der Ukraine den Vorteil, dass er im Nachhinein die Erweiterung der NATO und bald auch ihre Ausdehnung auf Schweden und Finnland rechtfertigt.<\/p>\n<p>Wir sind nicht auf der Suche nach Schuldigen. Es war nur nat\u00fcrlich, dass die USA (und ihre westlichen NATO-Verb\u00fcndeten) die Gelegenheit des Untergangs der UdSSR nutzten, um ihre Interessen zu f\u00f6rdern und der russischen Macht Grenzen zu setzen. So wie es die UdSSR in der Vergangenheit getan hat. Die Ukraine hat einen zu gro\u00dfen strategischen Wert, vor allem im Osten und S\u00fcden des Landes, als dass die eine oder andere Seite sie so einfach aufgeben k\u00f6nnte (gro\u00dfe Bev\u00f6lkerung und Arbeitskr\u00e4fte, Industrie, Landwirtschaft, nachgewiesene oder potenzielle \u00d6l- und Gasvorkommen im Schwarzen Meer, Zugang zu und Kontrolle \u00fcber dieses Meer usw.).<\/p>\n<p>\u201e<i>Stoppt den Krieg. Glaubt der Propaganda nicht. Sie l\u00fcgen euch an\u201c:<\/i> Es hat Marina Owsjannikowa am 14. M\u00e4rz 2022 viel Mut gekostet, den Krieg, den ihr eigenes Land f\u00fchrt, \u00f6ffentlich anzuprangern. Es ist unwahrscheinlich, dass die Abendnachrichten eines gro\u00dfen franz\u00f6sischen oder britischen Fernsehsenders durch einen Protest gegen die westliche Kriegspropaganda unterbrochen werden. Gibt es in Moskau mehr Pazifisten als in Paris oder London?<\/p>\n<p>Kipling hat vielleicht nie geschrieben, dass \u201e<i>die Wahrheit das erste Opfer des Krieges ist\u201c<\/i>, dennoch\u2026<\/p>\n<p>Es war zu erwarten, und seit mehr als einem Jahrhundert wissen wir, dass \u201e<i>die Tagespresse an einem Tag mehr Mythen fabriziert, als es fr\u00fcher in einem Jahrhundert m\u00f6glich war\u201c<\/i>, aber es ist immer wieder erstaunlich, wie schnell die Medien eines jeden Landes einen Konsens widerspiegeln, der der Regierungspolitik entspricht. Die allgemeine Akzeptanz des staatlichen Managements der Covid-19-Krise hat nicht verhindert, dass es zu Widerstandshandlungen kam, die zwar nur eine Minderheit betrafen, aber dennoch mit einer gewissen \u00f6ffentlichen Resonanz wiederholt wurden. Der gegenw\u00e4rtige Krieg hingegen erzeugt nicht nur Unterwerfung, sondern auch Zustimmung \u2013 zumindest solange sich der Konflikt nicht so weit hinzieht, dass seine Ziele an Glaubw\u00fcrdigkeit verlieren k\u00f6nnten. Im Jahr 2022 werden nicht mehr Dutzende von Millionen M\u00e4nnern zu den Waffen gerufen, sondern Hunderte von Millionen Zuschauern versammeln sich vor ihren Bildschirmen.<\/p>\n<p>In Paris wie in Marseille sind alle gegen den Krieg\u2026 und w\u00fcnschen sich doch einen ukrainischen Sieg und fordern mehr Waffenlieferungen oder sogar die Entsendung franz\u00f6sischer Soldaten zur Unterst\u00fctzung der ukrainischen Armee (was einer Kriegserkl\u00e4rung an Russland gleichk\u00e4me). Die gegenw\u00e4rtigen \u201epazifistischen\u201c gelben und blauen Versammlungen sind recht bescheiden und zahm im Vergleich zu den Anti-Kriegs-Demonstrationen im Jahr 2003, bei denen man sich daran erinnern sollte, dass niemand den Sieg des Irak w\u00fcnschte und niemand dazu aufrief, Raketen nach Bagdad zu schicken, um amerikanische Flugzeuge abzuschie\u00dfen. Wie ein Komplott mit einer Wendung zu viel.<\/p>\n<p><b>Warum dann?<\/b><\/p>\n<p>\u201e<i>\u2013 Dies ist ein antifaschistischer Krieg.<\/i><\/p>\n<p><i>\u2013 Das ist Krieg. Mit seinen tiefen Urspr\u00fcngen, seinen historischen Motiven und seinen Ursachen. Nationalismus, der Versailler Vertrag, die Konkurrenz zwischen den Expansionsm\u00e4chten.\u201c<\/i><\/p>\n<p>(Louis Mercier-Vega)<\/p>\n<p>Warum hat sich Russland auf ein milit\u00e4risches Abenteuer mit m\u00f6glicherweise katastrophalen Folgen, auch f\u00fcr sich selbst, eingelassen? Wo liegen seine Interessen?<\/p>\n<p>Lassen wir die psychologischen oder gar pathologischen Erkl\u00e4rungen beiseite, die \u00fcblicherweise gegen einen Gegner verwendet werden. Wie senil oder geistig verwirrt ein politischer Anf\u00fchrer auch sein mag, er regiert nie allein.<\/p>\n<p>Die Geschichte erinnert uns daran, dass der Beginn eines Krieges zwar wie ein Akt der Torheit aussehen mag, aber zu einem bestimmten Zeitpunkt die \u201evern\u00fcnftigste\u201c Option f\u00fcr einen Staat zu sein scheint. Die Logik und die Interessen der herrschenden Klassen unterscheiden sich stark von denen der einfachen Bev\u00f6lkerung und der Proletarier.<\/p>\n<p>Es ist unwahrscheinlich, dass wir jemals die genauen urspr\u00fcnglichen russischen Kriegsziele kennen werden.<\/p>\n<p>Erstens wurden fast alle Beobachter und Experten von der Art und dem Umfang der Operation \u00fcberrascht. Wenn die Gefahr einer Invasion unmittelbar bevorstand, wenn sie vorbereitet wurde (alle Generalst\u00e4be verf\u00fcgen \u00fcber Notfallpl\u00e4ne mit mehreren Alternativen) und wenn ihr riesige Man\u00f6ver in Wei\u00dfrussland vorausgingen, ist es nicht sicher, dass die Operation wirklich <i>gew\u00e4hlt<\/i> wurde, und noch weniger das Ausl\u00f6sedatum: Es k\u00f6nnte den russischen Machthabern durch die komplexe und letztlich fatale Dynamik der Konfrontation zwischen der NATO und Russland, insbesondere seit 2014, durchaus <i>aufgezwungen<\/i> worden sein:<\/p>\n<p>\u2013 die Rivalit\u00e4t zwischen den USA und Russland in Bezug auf die europ\u00e4ische Energieversorgung;<\/p>\n<p>\u2013 die verst\u00e4rkte Stationierung von NATO-Truppen in der Region (baltische L\u00e4nder, Polen und Rum\u00e4nien);<\/p>\n<p>\u2013 im Jahr 2021 die Zunahme der Waffenlieferungen an die Ukraine, deren wachsende milit\u00e4rische Kapazit\u00e4ten es ihr in einer unvorhersehbar nahen Zukunft erm\u00f6glichen k\u00f6nnten, den abtr\u00fcnnigen Donbas zur\u00fcckzuerobern oder zumindest eine weitere russische Intervention erfolgreich zu verhindern;<\/p>\n<p>\u2013 die Entwicklung und das Scheitern der Verhandlungen \u00fcber den Status der Ukraine (Neutralisierung ? Entmilitarisierung ? NATO-Mitgliedschaft ?) und des Donbass (Autonomie ? Unabh\u00e4ngigkeit ?) bis in die Wochen vor der Offensive;<\/p>\n<p>\u2013 als die USA die drohende russische Invasion anprangerten, erkl\u00e4rte Joe Biden am 25. Januar: \u201e<i>Wir haben nicht die Absicht, amerikanische Streitkr\u00e4fte oder NATO-Truppen in der Ukraine einzusetzen\u201c<\/i>, was in einer diplomatischen Rede als unverbindlich angesehen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>\u2013 die offensichtliche Schw\u00e4che und Spaltung zwischen den europ\u00e4ischen L\u00e4ndern, die zu abh\u00e4ngig von Russland zu sein scheinen, um weitere Sanktionen gegen seine \u00d6konomie zu verh\u00e4ngen;<\/p>\n<p>\u2013 Elemente, die sich bisher unserem Zugriff entzogen haben \u2013 Experten sprechen von einem m\u00f6glichen Wechsel der russischen Politik zwischen dem 21. und 23. Februar;<\/p>\n<p>\u2013 ein Gef\u00fchl der Dringlichkeit: \u201eJetzt oder nie!\u201c.<\/p>\n<p>Die Invasion wurde zun\u00e4chst als Hypothese erwogen, in einem diplomatischen Pokerspiel als Drohung ausgesprochen und h\u00f6chstwahrscheinlich beschlossen, dann verschoben, vielleicht sogar mehrmals: die endg\u00fcltige Entscheidung wurde wahrscheinlich in letzter Minute getroffen, nachdem man mehrere Wochen verloren hatte, was die schrecklichen Wetterbedingungen aufgrund des schlammigen Rasputitsa erkl\u00e4rt.<\/p>\n<p><b>Der Ablauf der milit\u00e4rischen Operationen<\/b><\/p>\n<p>\u201e<i>Kein Plan kann die erste Begegnung mit dem Feind \u00fcberstehen.\u201c<\/i><\/p>\n<p>(Moltke, preu\u00dfischer Marschall, 1800-1880)<\/p>\n<p>\u201eGut informierte\u201c Experten waren zun\u00e4chst verbl\u00fcfft \u00fcber die Tatsache, dass der Bodenoffensive keine mehrst\u00fcndigen Luftangriffe und Angriffe mit ballistischen Raketen und Marschflugk\u00f6rpern auf ukrainische Kasernen, Flugpl\u00e4tze, Flugabwehrsysteme und Radaranlagen vorausgegangen waren. Im Gegenteil, die US-Armee und ihre europ\u00e4ischen Hilfstruppen wagen sich nur selten auf das Feld, bevor sie wochen-, manchmal monatelang feindliche Stellungen und St\u00e4dte bombardieren (Irak 1991, Serbien 1999, Irak 2003, Mosul 2017 usw.). Was diese Armeen wirklich unterscheidet, ist ihr jeweiliges Verh\u00e4ltnis zum Tod, d. h. zum Leben ihrer Soldaten.<\/p>\n<p>Experten waren auch \u00fcberrascht, wie k\u00fchn der urspr\u00fcngliche Plan war \u2013 nicht un\u00e4hnlich einem riskanten W\u00fcrfelwurf in einem Kriegsspiel. Wahrscheinlich sollte die Ukraine durch einen gro\u00df angelegten Hubschrauberangriff auf einen Flughafen in einem Vorort von Kiew innerhalb weniger Tage zur Kapitulation gezwungen werden, was zu einer Panzerintervention, der Einnahme der Hauptstadt und dem Sturz der Regierung f\u00fchren sollte. Tats\u00e4chlich gelang es den Fallschirmj\u00e4gern, den Flughafen einzunehmen, aber sie wurden durch einen Gegenangriff zur\u00fcckgeschlagen, und die Operation scheiterte. In der Zwischenzeit \u00fcberquerten an mehreren Stellen Kolonnen gepanzerter Fahrzeuge die Grenze und drangen in das Land ein, allerdings mit wenig Vorsichtsma\u00dfnahmen oder Schutz, ohne taktische Luftunterst\u00fctzung und vor allem ohne vorherige Artillerieunterst\u00fctzung, was eine \u00dcberraschung war: Die russische Armee folgt normalerweise der sowjetischen Tradition des \u201eumfangreichen Artillerieeinsatzes\u201c und des \u201eLuftangriffs mit Freifallbomben\u201c, erkl\u00e4rt der Milit\u00e4ranalyst Michel Goya. Es gab auch keine Zerst\u00f6rung strategischer St\u00e4tten, keine Unterbrechung der Kommunikationsnetze oder des Stromnetzes (in Serbien 1999 hatte die NATO Br\u00fccken und Kraftwerke angegriffen). Was auch immer die westlichen Medien sagen, Russland hat in den ersten zwei Wochen ein gewisses Ma\u00df an \u201eZur\u00fcckhaltung\u201c gezeigt. Das lag zum Teil daran, dass man verhindern wollte, dass die Weltmedien ein allzu negatives Bild von der Operation zeichnen, und dass man die Infrastrukturen und die Schwerindustrie des Landes in den Gebieten, die sich Russland einverleiben wollte, sch\u00fctzen wollte. Der Hauptgrund war jedoch der Wunsch, die russischsprachige Bev\u00f6lkerung nicht zu verprellen, von der die Invasoren hofften, dass sie sie gastfreundlich empfangen w\u00fcrde, zumal der angebliche Zweck der Operation darin bestand, die Ukraine von einem Nazi-Joch zu befreien.<\/p>\n<p>Diese Strategie schlug fehl. Der russische Geheimdienst hatte die Situation v\u00f6llig falsch eingesch\u00e4tzt. Die Bev\u00f6lkerung war feindselig und leistete sogar bewaffneten Widerstand, indem sie manchmal notd\u00fcrftig hergestellte Brands\u00e4tze warf. Au\u00dferdem trafen die Invasoren auf eine viel entschlossenere ukrainische Armee als erwartet. Sie konnten nicht von einem \u00dcberraschungseffekt profitieren: Wochenlange Man\u00f6ver in Wei\u00dfrussland hatten die Ukrainer nat\u00fcrlich in Alarmbereitschaft versetzt, und die US-Geheimdienste hatten sie ausf\u00fchrlich \u00fcber die bevorstehende Operation informiert, so dass sie sich auf den Kampf vorbereiten konnten, indem sie Soldaten und Material verteilten, um die Auswirkungen der ersten russischen Bombardierungen zu begrenzen.<\/p>\n<p>Statt auf offenem Feld voranzukommen, sahen sich die russischen Panzerkolonnen und Versorgungslastwagen mit einer erbitterten Guerilla konfrontiert: Sie waren prim\u00e4re Ziele, weniger f\u00fcr bewaffnete Zivilisten als f\u00fcr kleine Einheiten von Soldaten, die furchterregende Panzerabwehrraketen (die amerikanische Javelin oder die schwedische NLAW) oder Kampfdrohnen (die t\u00fcrkische Bayraktar) einsetzten. Der Vormarsch der Armee wurde offenbar auch durch den Mangel an Treibstoff, Lebensmitteln und m\u00f6glicherweise Munition gebremst, d. h. durch unzureichende Logistik oder m\u00f6glicherweise schlechte Vorbereitung. Dies f\u00fchrte zu einer relativ geringen Kampfbereitschaft, vor allem nach wochenlangen, anstrengenden Man\u00f6vern.<\/p>\n<p>Als nach zwei Wochen das Tauwetter einsetzte und die Stra\u00dfen matschig wurden, froren die Frontlinien ein, und die Angreifer begannen, die Vororte der belagerten St\u00e4dte, in denen sich die ukrainische Infanteriearmee positioniert hatte, viel weniger zur\u00fcckhaltend zu beschie\u00dfen. Die russische Luftwaffe blieb eher unt\u00e4tig: Offenbar verf\u00fcgte sie nur \u00fcber wenig Pr\u00e4zisionsmunition, so dass sie in freier Sicht operieren musste, aber das Wetter war schlecht und der Himmel bedeckt, so dass die Flugzeuge gezwungen waren, in Reichweite der ukrainischen Manpads (tragbare Boden-Luft-Raketen) zu fliegen, und eine ganze Reihe von Flugzeugen st\u00fcrzte ab. (Bis zum 23. Februar 2022 hielten sich US-amerikanische, britische und kanadische Spezialeinheiten im Land auf, um einheimische Soldaten im Umgang mit diesen Waffen auszubilden: Sie verlie\u00dfen das Land wenige Stunden vor der russischen Offensive, aber es ist bekannt, dass sie f\u00fcr eine Weile inoffiziell eine neue Nationalit\u00e4t annehmen, in diesem Fall die ukrainische). Die ukrainischen milit\u00e4rischen Anstrengungen wurden bald von der NATO stark unterst\u00fctzt, die mit Ausr\u00fcstung (Lieferung von immer mehr Waffen und Material), Ausbildung (im Land und im Ausland) und Management (Amerikaner wurden bei der \u00dcberwachung und Kontrolle der Aufnahme ausl\u00e4ndischer Freiwilliger in die ukrainische Armee gesehen) half. Die Unterst\u00fctzung der NATO umfasst auch nachrichtendienstliche T\u00e4tigkeiten: Westliche Spionagesatelliten nat\u00fcrlich, aber auch elektronische Flugzeuge oder Drohnen, die die ukrainischen Grenzen und die russische K\u00fcste \u00fcberfliegen und Kiew mit Echtzeitinformationen versorgen, die im Kampf lebenswichtig sind.<\/p>\n<p>Als die westlichen Medien die Tatsache hervorhoben, dass die Russen Schulen, Krankenh\u00e4user, Geburtsh\u00e4user, Kinderg\u00e4rten usw. bombardierten, war es in Wahrheit so, dass die Invasoren Schwierigkeiten hatten, die ukrainischen Streitkr\u00e4fte zu besiegen. Es liegt in der Natur der modernen Kriegsf\u00fchrung, dass sie in st\u00e4dtischen Gebieten stattfindet, wo Zivilisten leben und arbeiten. Wenn die ukrainische Armee ein bewohntes Gebiet von den Russen zur\u00fcckerobert, wendet sie die gleichen Methoden wie diese an, mit fast der gleichen Ausr\u00fcstung (abz\u00fcglich einer Luftwaffe) und ungef\u00e4hr der gleichen Doktrin.<\/p>\n<p>Schon bald herrschte der Glaube vor, dass die Russen scheitern oder in eine Sackgasse geraten, aber das wirft die Frage auf, was der Kreml urspr\u00fcnglich bezweckte. Es gibt einen Unterschied zwischen politischen und milit\u00e4rischen Zielen: Letztere m\u00fcssen umfassender sein als erstere, um die Kontrolle \u00fcber Gebiete zu erlangen, die bei Verhandlungen als Verhandlungsmasse dienen k\u00f6nnen. Die \u00dcbernahme der gesamten Ukraine ist wahrscheinlich nicht das Ziel der Russen: Die Besetzung des gesamten Landes w\u00e4re zu kostspielig und zu komplex, w\u00e4hrend es sinnvoller w\u00e4re, die Ukraine auf ihre westlichen Teile zu beschr\u00e4nken (und sei es nur, um Millionen von Fl\u00fcchtlingen und Vertriebenen aufzunehmen, die Russland feindlich gesinnt sind). Die Annexion neuer Provinzen (die westliche Dnjepr-Grenze sowie ein Teil oder die gesamte Schwarzmeerk\u00fcste) ist wahrscheinlicher \u2013 und das ist es, was der Kreml mehr oder weniger offen will. Auf jeden Fall kann Russland nicht aufh\u00f6ren, bevor es nicht ein Minimum an strategischen Positionen erobert hat, wenn es nicht eine Dem\u00fctigung in den Augen der Welt und seiner eigenen Bev\u00f6lkerung riskieren will. Wie der franz\u00f6sische General Vincent Desportes am 3. M\u00e4rz 2022 sagte:<\/p>\n<p>\u201e<i>Putin befindet sich genau in der Haltung eines Spielers. Er hat eine Wette abgeschlossen und sie gleich zu Beginn verloren. Wie weit wird er noch wetten, um nicht mit leeren Taschen dazustehen? Darauf l\u00e4uft alles hinaus. Und der Westen muss verstehen, dass Putin nicht mit leeren Taschen dastehen kann, denn wenn er das Gef\u00fchl hat, dass er Gefahr l\u00e4uft, mit leeren Taschen dazustehen, wird er weiter wetten. Das ist die Fata Morgana des Sieges, die alle Anf\u00fchrer ergreift, die sich auf eine milit\u00e4rische Operation einlassen.\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"left\">Als sich Ende M\u00e4rz abzeichnete, dass die russischen Truppen nicht weiterkommen w\u00fcrden, zogen sie sich, um ein dramatisches Scheitern zu vermeiden, aus den von ihnen eroberten Gebieten um Kiew und im Norden des Landes zur\u00fcck und verlegten ihre Truppen in den Osten. Jetzt hat sich das offizielle Kriegsziel des Kremls dahingehend ge\u00e4ndert, dass die Eroberung des Donbass abgeschlossen und eine territoriale Kontinuit\u00e4t zwischen dieser Region und der Krim sowie m\u00f6glicherweise Transnistrien viel weiter westlich gesichert werden soll. Daher haben die Russen ihre klassische Doktrin wiederbelebt und machen reichlich Gebrauch von Artillerievorbereitungen und Luftangriffen. Ende April gingen sie langsam und methodisch vor. Sowohl die menschliche als auch die materielle Konfrontation ist gnadenlos geworden, wobei das Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnis auf beiden Seiten mehr oder weniger ausgeglichen ist. Moskau hat eine eher kleine Zahl von Soldaten mobilisiert, etwa 200.000 im Vergleich zu 150.000 bis 200.000 Ukrainern, aber es profitiert von einer gewissen Luft\u00fcberlegenheit (begrenzt durch ukrainische Boden-Luft-Raketen) und mehr Artillerie (trotz starker ukrainischer Befestigungen). Wenn es den Widerstand im Donbass nicht brechen kann, wird Russland nach einer anderen Option suchen m\u00fcssen, um sein Gesicht nicht zu verlieren\u2026 und eine Wende der Situation k\u00f6nnte durch m\u00f6gliche ukrainische Offensiven gegen Transnistrien oder die Krim eintreten. Da sich nur wenige L\u00e4nder f\u00fcr eine Deeskalation zu engagieren scheinen, ist die Gefahr einer Zuspitzung der Lage inzwischen ziemlich real. Entweder im aktuellen Krieg oder in einem sp\u00e4teren in der gleichen Region.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Die Selbstorganisation der Bev\u00f6lkerung<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Wie wir gesehen haben, erwartete Russland einen herzlichen Empfang in den russischsprachigen Gebieten im Osten und Norden, den es jedoch kaum erhielt. In den ersten Tagen wurde die Mobilisierung der ukrainischen Bev\u00f6lkerung viel kommentiert, sowohl von bourgeoisen als auch von militanten Medien. Es hat jedoch den Anschein, dass wir Zeugen von zwei verschiedenen Dingen sind.<\/p>\n<p align=\"left\">Erstens gab es eine grundlegende materielle Solidarit\u00e4t, um auf die Katastrophe zu reagieren: Hilfe und Unterst\u00fctzung f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge, die aus den Kampfgebieten geflohen sind (sie sind gerade aus der n\u00e4chsten Stadt gekommen und stehen jetzt vor unserer Haust\u00fcr, also lasst uns etwas tun), erste Hilfe f\u00fcr Verletzte, Rettung anderer, die unter den Tr\u00fcmmern begraben sind, usw. Die Menschen organisieren, was sie k\u00f6nnen, in Abstimmung mit den \u00f6ffentlichen Sicherheitsdiensten, den lokalen Beh\u00f6rden, einer NGO oder einfach unter Nachbarn. Dies wurde als das Entstehen einer proletarischen Selbstorganisation interpretiert, die zur Emanzipation f\u00fchren k\u00f6nnte, wenn sie sich entwickelt und ausbreitet. Eine solche Sichtweise erscheint uns \u00fcbertrieben: Diese Aktionen sind Ausdruck minimaler Gesten der gegenseitigen Hilfe, die unter Menschen ziemlich \u00fcblich sind.<\/p>\n<p align=\"left\">Zweitens gibt es eine Mobilisierung, die wir als kriegerisch bezeichnen k\u00f6nnen, weil sie auf die Abwehr der russischen Offensive abzielt. Auch hier findet Selbstorganisation statt, vor allem dort, wo die \u00f6ffentlichen Dienste unzureichend oder \u00fcberfordert sind. K\u00fcnstler gr\u00fcnden eine Werkstatt, die Brands\u00e4tze herstellt. Das Restaurantpersonal organisiert eine Kantine zur Versorgung der Soldaten mit Verpflegungspaketen. Eine Fabrik stellt sich auf die Herstellung von Panzersperren um. Frauen versammeln sich zum Weben von Tarnnetzen. Rentner f\u00fcllen Sands\u00e4cke auf. Einheimische errichten eine Barrikade. Und so weiter.<\/p>\n<p align=\"left\">Menschen, die mit dem Krieg nicht vertraut sind (d. h. Menschen wie wir), sehen, wie Zivilisten Schlange stehen, um eine Uniform anzuziehen und sich der Territorialen Verteidigung (TV) anzuschlie\u00dfen, dem Teil der ukrainischen Armee, der aus Reservisten und Freiwilligen besteht. Zehntausende von Sturmgewehren wurden an die Bev\u00f6lkerung abgegeben, und Gef\u00e4ngnisinsassen wurden im Austausch f\u00fcr ihre Teilnahme an den K\u00e4mpfen freigelassen. Doch schon bald fehlt es nicht mehr an Freiwilligen, sondern an Waffen und Ausr\u00fcstung. Anfangs mussten die Rekruten den gr\u00f6\u00dften Teil ihrer pers\u00f6nlichen Ausr\u00fcstung in Milit\u00e4rgesch\u00e4ften kaufen und bezahlen (Uniformen, Gurte, Helm, kugelsichere Weste usw.). Von den anderen, vor allem denjenigen, die auf eine Warteliste gesetzt wurden, verlangt die Regierung in erster Linie, dass sie, sofern sie nicht \u00fcber milit\u00e4rische Erfahrung verf\u00fcgen, wieder <i>arbeiten<\/i> gehen \u2013 eine weitere und in der Tat wesentliche Form des Widerstands.<\/p>\n<p align=\"left\">Es ist leicht zu erkennen, dass der taktische Wert solcher Einheiten tats\u00e4chlich sehr begrenzt ist. Die eigentliche Rolle der TV (Territorialen Verteidigung) besteht darin, gut ausgebildete Soldaten von den undankbarsten und zeitraubendsten Aufgaben zu entlasten: die Bewachung von Br\u00fccken und Depots hinter den Linien, Patrouillen in den St\u00e4dten, die Verh\u00e4ngung einer Ausgangssperre und die Bek\u00e4mpfung von Pl\u00fcnderern. Damit ist der Weg frei f\u00fcr Missbrauch und Exzesse. Checkpoints und Identit\u00e4tskontrollen werden immer h\u00e4ufiger von Nachbarn, Ladenbesitzern oder Arbeitskollegen durchgef\u00fchrt. Die Staatsb\u00fcrger sind wachsam, zeigen verd\u00e4chtige Personen an und machen Jagd auf Verd\u00e4chtige (Spione, Saboteure, Pro-Russen ?), die verhaftet und zum Verh\u00f6r an einen unbekannten Ort gebracht werden. Da die Gerichte nicht mehr funktionieren, greift TV in der Regel auf ein Schnellverfahren zur\u00fcck, insbesondere bei Dieben und Pl\u00fcnderern (wer nicht auf der Stelle erschossen wird, wird in der eisigen K\u00e4lte an einen Pfosten auf der Stra\u00dfe gefesselt, die Hose bis zu den Kn\u00f6cheln heruntergezogen).<\/p>\n<p align=\"left\">Bedeutsamer sind f\u00fcr uns zivile Initiativen, Stra\u00dfen und Verkehrswege zu blockieren, Panzerkolonnen durch gewaltfreie Aktionen zu stoppen, wie es zuvor im Iran (1979), in Peking (1989) und in Slowenien (1990) geschehen ist. Doch auch hier ist dies nicht Ausdruck einer v\u00f6lligen Ablehnung des Krieges, eines etwas naiven Pazifismus, sondern eines tief sitzenden Nationalismus: Man sieht die Menschen nicht mit Friedensfahnen schwenken, sondern nur mit der ukrainischen Fahne. Die gegenw\u00e4rtige Krise erm\u00f6glicht es uns wahrscheinlich, Zeuge der Vollendung einer ukrainischen Nation zu werden, dem Ende eines langen Prozesses, der mit der Unabh\u00e4ngigkeit 1991 begann: Unabh\u00e4ngig von den Sprachen, die sie sprechen, wird sich eine Bev\u00f6lkerung pl\u00f6tzlich ihrer vergangenen und gegenw\u00e4rtigen Besonderheit bewusst, kulturell und vielleicht auch religi\u00f6s (die orthodoxe Kirche, die von Moskau abh\u00e4ngig war, behauptet nun ihre Unabh\u00e4ngigkeit). Jenseits von Klassenunterschieden zeichnet sich eine nationale Realit\u00e4t ab\u2026 auch wenn diese Besonderheiten historisch gesehen als oberfl\u00e4chlich bezeichnet werden k\u00f6nnen und aus dem Nichts f\u00fcr den jeweiligen Anlass geschaffen wurden, wie es beim Zerfall Jugoslawiens in den 1990er Jahren der Fall war. Manche Leute finden das ziemlich r\u00fchrend, und es scheint eine gewisse Anzahl westlicher Humanisten und Sozialdemokraten nicht zu st\u00f6ren, die normalerweise sehr empfindlich auf alles reagieren, was einen Beigeschmack von nationalen Gef\u00fchlen hat. Der franz\u00f6sische Filmemacher Mathieu Kassovitz veranschaulichte dies sehr gut, als er einem Reporter sagte, dass die Ukrainer, die er nach eigenen Angaben sehr gut kennt, \u201e<i>ultranationalistisch im guten Sinne sind: Sie sind stolz auf ihr Land und wollen es unbedingt sch\u00fctzen\u201c<\/i>. Dasselbe gilt f\u00fcr einige franz\u00f6sische extrem linke Militante (militants d\u2019extr\u00eame gauche fran\u00e7ais), die die blo\u00dfe Anwesenheit der dreifarbigen Flagge auf einer Demo im Allgemeinen als Zeichen des Protofaschismus betrachten. In der Tat propagieren einige ukrainische Anarchosyndikalisten bereits einen \u201e<i>kreativen und befreienden Nationalismus\u201c<\/i>.<\/p>\n<p align=\"left\">Dieses Gef\u00fchl steht logischerweise im Einklang mit der Unterst\u00fctzung der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr ihre Armee, einer gl\u00fchenden und langj\u00e4hrigen Unterst\u00fctzung, verbunden mit einer virilen Haltung, die in Westeuropa etwas fehl am Platz scheint, die aber \u201enat\u00fcrlich\u201c den Willen erkl\u00e4rt, zu den Waffen zu greifen, um das eigene Land zu verteidigen. Gleichzeitig sind \u201e<i>Ausbildung, Unterhalt und Bewaffnung der Ukraine sowie die Auflagen des IWF in Bezug auf seine Kredite an den [ukrainischen] Staat auch strukturell die Ursache f\u00fcr den Abbau von Krankenh\u00e4usern, Unterinvestitionen in Schulen, niedrigere Altersrenten und keine Lohnerh\u00f6hung im \u00f6ffentlichen Sektor\u201c (Brief aus der Ukraine<a class=\"sdfootnoteanc\" href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2022\/05\/26\/frankreich-lebewohl-zum-leben-lebewohl-zur-liebe-ukraine-krieg-und-selbstorganisation\/#sdfootnote2sym\" name=\"sdfootnote2anc\"><sup>2<\/sup><\/a>)<\/i>. Es muss wiederholt werden, dass die Verteidigung des eigenen Landes die Verteidigung der Interessen der \u201eeigenen\u201c Bourgeoisie gegen eine rivalisierende Bourgeoisie ist.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Verherrlichung von Boden, Blut und Demokratie hat jedoch ihre Grenzen. Schon in den ersten Tagen der Invasion wurde die Wehrpflicht eingef\u00fchrt, die es erm\u00f6glichte, alle M\u00e4nner zwischen 18 und 60 Jahren einzuziehen, und dazu kam das Verbot, das Land zu verlassen: Nicht jeder Ukrainer scheint in der Armee oder beim TV (Territorialen Verteidigung) sein zu wollen. Es gibt Wehrdienstverweigerer und Deserteure, was erkl\u00e4rt, warum es an den Stellen, an denen Fl\u00fcchtlinge das Land verlassen, Grenzkontrollen gibt. Andere wiederum gehen vorsichtshalber zu ihrem \u00f6rtlichen TV (Territorialen Verteidigung), weit weg von der Front, um nicht zwangsweise in eine Kampfeinheit eingegliedert zu werden. Zu ihrem Leidwesen wird die Armee dank der NATO nun mit Zehntausenden von Helmen und kugelsicheren Westen versorgt, so dass sie mehr Rekruten (und Territorialen Verteidigung-Mitglieder) ausr\u00fcsten und an die gef\u00fcrchtete Ostfront schicken kann\u2026 was mechanisch zu einer wachsenden Zahl von Kriegsverweigerern und wahrscheinlich sogar zu den ersten Protesten gegen die Wehrpflicht in Khust im Westen des Landes f\u00fchrt.<\/p>\n<p align=\"left\">Nach einigen eher z\u00f6gerlichen Wochen hat die Regierung jedoch schnell wieder die Kontrolle erlangt, vor allem dank der Unterst\u00fctzung der Staatsb\u00fcrger: Sie haben sich nicht gegen den Staat organisiert oder weil er abwesend war, sondern um zu verhindern, dass er unter dem Ansturm der Russen zerbricht. Dies war eine ziemlich \u201enormale\u201c Reaktion in einem Land mit einem starken Gef\u00fchl der nationalen Einheit, das durch Ad-hoc-Propaganda verst\u00e4rkt wurde. Dies best\u00e4tigt einmal mehr, dass die Selbstorganisation<i> an sich <\/i>nicht revolution\u00e4r ist.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Was tun unter der Bombardierung?<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Wir kennen weder das Leben der Ukrainer noch die Situation von Anarchisten und Anarchistinnen oder Kommunisten und Kommunistinnen, die in der Ukraine leben. Wir wissen nicht, was dort zu tun ist, wir k\u00f6nnen nicht \u00fcber ihre Aktivit\u00e4ten urteilen, denn wir wissen nicht, wie wir an ihrer Stelle reagieren w\u00fcrden. Im historischen R\u00fcckblick mag es einfach erscheinen, eine Situation zu beurteilen, weil wir wissen, wie sie sich entwickelt und geendet hat. Aber es ist wirklich unm\u00f6glich zu wissen, welchen \u201einternationalistischen\u201c Standpunkt wir im August 1914 oder im Juni 1940 eingenommen h\u00e4tten. Sollten unsere ukrainischen Gef\u00e4hrten und Gef\u00e4hrtinnen vor Kritik gefeit sein, nur weil sie selbst betroffen sind? Was sie tun, ist nat\u00fcrlich ihre Sache; aber die Art und Weise, wie sie ihre T\u00e4tigkeit verstehen und rechtfertigen, ihr Diskurs, der im Ausland von anderen Gruppen aufgegriffen wird, das verdient zumindest eine Diskussion.<\/p>\n<p align=\"left\">Die Reaktionen der ukrainischen \u201eradikalen\u201c Militanten sind sehr unterschiedlich, manchmal sogar widerspr\u00fcchlich. Einige antimilitaristische und pazifistische Gef\u00e4hrten und Gef\u00e4hrtinnen vertreten Positionen des \u201erevolution\u00e4ren Def\u00e4tismus\u201c, deren Durchsetzung in ihrem Land jedoch ebenso riskant erscheint wie in Russland, w\u00e4hrend andere sich f\u00fcr Fl\u00fcchtlinge und Verwundete engagieren.<\/p>\n<p align=\"left\">Au\u00dferhalb der Ukraine war es sicherlich eine \u00dcberraschung zu h\u00f6ren, dass ukrainische Anarchisten und Anarchistinnen in die Armee oder den TV (Territoriale Verteidigung) eingetreten sind. Offenbar nutzten einige Gruppen die Gelegenheit der Waffenverteilungen, um Kampfeinheiten zu organisieren. In einem Pamphlet ist die Rede von der Bildung von \u201ezwei Trupps\u201c, und etwa zwanzig Militanten sind in Armeekleidung und mit Kalaschnikows in der Hand zwischen einer schwarzen Flagge mit einem von einem Kreis umgebenen A abgebildet: In der Bildunterschrift hei\u00dft es vorsichtig, dass diese Einheiten \u201ewahrscheinlich ein gewisses Ma\u00df an Autonomie\u201c innerhalb des TV (Territoriale Verteidigung) haben, was als ein gewisses Ma\u00df an Unterordnung zu verstehen ist. Tats\u00e4chlich hat die Armee nach einer kurzen chaotischen Phase offensichtlich versucht, Gruppen von bewaffneten Zivilisten zu kontrollieren, insbesondere wenn sie offen eine politische Ideologie vertraten, die mit der staatlichen Herrschaft eindeutig unvereinbar war. Anarchistische- oder Antifa-Milit\u00e4reinheiten umfassen wahrscheinlich nicht mehr als ein paar Dutzend einheimische Kombattanten (und vielleicht eine \u00e4hnliche Anzahl von Menschen aus dem Westen) in Kriegsgebieten, in denen zwei riesige Armeen mit Hunderttausenden von M\u00e4nnern aufeinandertreffen. (\u201eM\u00e4nner\u201c klingt nach einem altmodischen Synonym f\u00fcr \u201eSoldaten\u201c, aber beide Armeen zeigen wenig Interesse an den j\u00fcngsten westlichen Entwicklungen in Bezug auf die Geschlechter. Von einigen wenigen Ausnahmen im TV (Territoriale Verteidigung) abgesehen, sind die K\u00e4mpfer m\u00e4nnlich, w\u00e4hrend diejenigen, die aus den Kampfgebieten fliehen, Frauen, Kinder und \u00e4ltere Menschen sind). Bedenken wir, dass das (un)ber\u00fchmte Asow-Bataillon \u2013 nur ein milit\u00e4rischer Zweig der ukrainischen Rechtsextremen unter vielen \u2013 eine st\u00e4ndige TV-Einheit ist, die aus mehreren tausend Kombattanten besteht und \u00fcber eigene gepanzerte Fahrzeuge und Panzer verf\u00fcgt (von denen die meisten bei der Belagerung von Mariupol zerst\u00f6rt wurden).<\/p>\n<p align=\"left\">Die ersten Videos von Einheimischen, die russische Konvois in einen Hinterhalt lockten und besiegten, erweckten die Illusion, dass, wenn der ukrainische Staat zusammenbricht, die russische Armee von einer riesigen Volksguerilla herausgefordert wird, die aus autonomen Gruppen besteht, von denen jede in ihrem eigenen Gebiet agiert: Gruppen, die sicherlich gr\u00f6\u00dftenteils patriotisch sind, in deren Mitte aber Anarchisten und Anarchistinnen schlie\u00dflich eine einflussreiche Rolle spielen k\u00f6nnten\u2026<\/p>\n<p align=\"left\">Dabei wird vergessen, dass ein bewaffneter Widerstand nur dann erfolgreich sein kann, wenn er strukturiert und diszipliniert ist sowie von anderen Staaten finanziert und unterst\u00fctzt wird (es sei denn, der Invasor oder Besatzer wird von innen heraus durch Desertionen und Meutereien bedr\u00e4ngt \u2013 was bei der russischen Armee nicht der Fall ist).<\/p>\n<p align=\"left\">Nach einigen Tagen der K\u00e4mpfe mit spektakul\u00e4ren Techno-Guerilla-Aktionen kleiner Einheiten von Berufssoldaten (die speziell von den Amerikanern ausgebildet wurden) nahmen die Begegnungen sehr schnell eine klassischere Form an: eine Konfrontation zwischen gro\u00dfen, schwer bewaffneten Einheiten, bei der Koordination, Bewegung, Artillerieduelle und die Versorgung mit Munition und Treibstoff eine entscheidende Rolle spielen. Was wurde aus den anarchistischen \u201eSquads\u201c in einem solchen Strudel? Es ist unwahrscheinlich, dass sie dadurch mehr Autonomie erlangen konnten.<\/p>\n<p align=\"left\">Warum haben sie sich also eingeschrieben? In mehreren Texten erkl\u00e4ren ukrainische Anarchisten, Anarchistinnen und Radikale ihren Wunsch, den Verlauf der Ereignisse \u201emitzubestimmen\u201c, \u201ef\u00fcr den Fall der F\u00e4lle\u201c ger\u00fcstet zu sein, um nicht vom Rest der Gesellschaft abgeschnitten zu werden:<\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<i>Wenn man sich von den Konflikten zwischen den Staaten fernh\u00e4lt, h\u00e4lt man sich von der wirklichen Politik fern. Dies ist einer der wichtigsten sozialen Konflikte, die heute in unserer Region ausgetragen werden. Wenn wir uns von diesem Konflikt abkapseln, kapseln wir uns von dem aktuellen gesellschaftlichen Prozess ab. Wir m\u00fcssen also auf die eine oder andere Weise daran teilhaben.\u201c<\/i> (Entretien\u2026)<\/p>\n<p align=\"left\">Dieser und \u00e4hnliche Texte wollen die Notwendigkeit der Verteidigung der \u201eGesellschaft\u201c erkl\u00e4ren, nat\u00fcrlich nicht die Verteidigung des Staates, und wenn einige Anarchisten und Anarchistinnen zugeben, dass sie den Kampf gegen den Staat ausgesetzt haben, sagen sie, dass es nur f\u00fcr eine Weile ist, bis die Zeit kommt, den Kampf nach dem Krieg wieder aufzunehmen. Lasst uns erst den Krieg gewinnen, dann werden wir zur revolution\u00e4ren Aktion zur\u00fcckkehren\u2026 Das haben wir schon einmal geh\u00f6rt. Es scheint, als h\u00e4tte man keine Lehren aus dem russischen oder spanischen B\u00fcrgerkrieg gezogen. Manche rechtfertigen ihre Beteiligung an den antirussischen Bem\u00fchungen mit dem Verweis auf die Kriege, die der Pariser Kommune oder den russischen Revolutionen von 1905 und 1917 vorausgingen, oder sogar mit der angeblichen Rolle des Afghanistan-Konflikts beim Untergang der UdSSR. Wie auch immer: Damit ein Krieg und vor allem seine Nachwirkungen eine Revolution ausl\u00f6sen k\u00f6nnen, muss eine revolution\u00e4re Situation heranreifen. Hier gibt es keinen Determinismus. Es ist auch nicht bewiesen, dass eine aktive Teilnahme am Konflikt, geschweige denn der Beitritt zu einer Armee gegen eine andere, zu dieser Reifung beitragen kann.<\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<i>Historisch gesehen hat sich die \u00fcberw\u00e4ltigende Mehrheit der Proletarier bei jedem kriegerischen Konflikt auf die Seite ihres nationalen Kapitals und der imperialistischen Front gestellt, der sie angeh\u00f6rten (im Zeitalter des Imperialismus ist jedes nationale Kapital potenziell imperialistisch, so wie jeder Krieg per Definition imperialistisch ist). Erst wenn sich der Konflikt \u00fcber die Erwartungen der Regierungen, die ihn bef\u00f6rdert haben, hinaus in die L\u00e4nge gezogen hat und die Lebens- und Arbeitsbedingungen stark beeintr\u00e4chtigt hat, haben sie sich mehr oder weniger energisch dagegen gewehrt [\u2026]\u201c <\/i>(Lato Cattivo)<\/p>\n<p align=\"left\">Man muss wohl kaum darauf hinweisen, dass die Geschichte der Menschheit reich an Kriegen ist, die in fast allen F\u00e4llen katastrophale Folgen f\u00fcr die Proletarier hatten.<\/p>\n<p align=\"left\">K\u00f6nnte eine weit verbreitete Unzufriedenheit oder ein proletarischer Aufstand die russische Armee und dann das Regime zum Einsturz bringen? Zu Beginn der Invasion verleitete die niedrige Moral der Truppen einige Beobachter zu der Annahme, dass die russische Armee auf dem Vormarsch von einer Meuterei bedroht sei, was jedoch nicht der Fall war. Der R\u00fcckzug aus Kiew verlief geordnet, und die Donbass-Offensive im April beweist, dass die Unentschlossenheit und die Fehler der ersten Wochen behoben worden sind.<\/p>\n<p align=\"left\">Zwar gab es in mehreren russischen St\u00e4dten pazifistische Proteste, aber ein gro\u00dfer Teil der \u00f6ffentlichen Meinung (selbst in einigen Oppositionsparteien) unterst\u00fctzt den Einmarsch. Wie wir wissen, ist ein Krieg im Ausland in der Regel ein gutes Mittel, um die Staatsb\u00fcrger hinter der Regierung zu versammeln und sie unter einer Propagandaschaukel von sozialen Missst\u00e4nden abzulenken (wie im Libyenkrieg 2011). In dieser Situation f\u00fchren \u00f6konomische Sanktionen zur Verarmung der Bev\u00f6lkerung, st\u00e4rken aber oft auch die nationalen Gef\u00fchle und damit das Regime (z. B. in Kuba, Irak usw.). Sollte sich der Krieg jedoch so weit hinziehen, dass die Regierung geschw\u00e4cht wird und sich ein Volksaufstand anbahnt, und sollte sich die Repression als unwirksam erweisen, w\u00fcrde die herrschende Klasse versuchen, die Unzufriedenheit auf eine politische Alternative zu lenken: entweder eine extremere Politik (Kreml-Falken beklagen die mangelnde Durchsetzungskraft bei der Kriegsf\u00fchrung) oder ein demokratischeres Regime (ohne jedoch so weit zu gehen, Putin durch den vom Westen favorisierten Alexej Navalny zu ersetzen).<\/p>\n<p align=\"left\">Ein Volksaufstand in der Ukraine scheint noch unwahrscheinlicher. Wie bereits erw\u00e4hnt, organisieren sich die Staatsb\u00fcrger auf der Grundlage eines Nationalgef\u00fchls. Dies st\u00e4rkt den Staat, ebenso wie die Regierung durch ihr Krisenmanagement an Legitimit\u00e4t gewinnt. Eine gro\u00dfe Volksdynamik, die das Gef\u00fchl der nationalen Zugeh\u00f6rigkeit st\u00e4rkt, ist von Natur aus klassen\u00fcbergreifend und konterrevolution\u00e4r.<\/p>\n<p align=\"left\">Es ist schwer abzusehen, inwieweit der Krieg eine demokratischere Ukraine f\u00f6rdern wird (d.h. mehr Spielraum f\u00fcr das Parlament und die lokalen Institutionen). Bisher haben wir eine regelrechte Militarisierung der Gesellschaft, Medienzensur, ein Verbot der linken Opposition und eine Jagd auf Wehrdienstverweigerer erlebt. Die nationalistischen und reaktion\u00e4ren Kr\u00e4fte haben R\u00fcckenwind \u2013 kein Novum in der Ukraine. W\u00e4re Anatole France noch da, w\u00fcrde er die Situation vielleicht so zusammenfassen, wie er es vor genau einem Jahrhundert tat:<\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<i>Ihr glaubt, ihr sterbt f\u00fcr euer <\/i><i><u>Land<\/u><\/i><i>; ihr sterbt f\u00fcr die Industriellen.\u201c<\/i> (Er schrieb auch: \u201e<i>Ein Volk, das unter der st\u00e4ndigen Bedrohung durch Krieg und Invasion lebt, ist sehr leicht zu regieren.\u201c<\/i>)<\/p>\n<p align=\"left\">Da die Rolle, die Anarchisten, Anarchistinnen und Radikale in dem Konflikt gespielt haben, nicht sehr gro\u00df ist, k\u00f6nnte sich der Leser fragen, warum wir dieser Frage so viele Zeilen widmen.<\/p>\n<p align=\"left\">Erstens liegt die Bedeutung eines Themas nicht in der Anzahl der beteiligten Personen.<\/p>\n<p align=\"left\">Zweitens erw\u00e4hnen viele Medien, auch die bourgeoisen Mainstream-Medien und nat\u00fcrlich die sozialen Medien, dieses Engagement. Die radikalen Militanten, die die ukrainische Armee unterst\u00fctzen, \u00e4u\u00dfern sich sehr lautstark \u00fcber ihr Engagement, und ihre Botschaft st\u00f6\u00dft offenbar in Frankreich und anderen L\u00e4ndern auf offene Ohren. Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Figur des anarchistischen Kombattanten in der Ukraine in naher Zukunft zu einer Referenz f\u00fcr politischen Radikalismus wird, \u00e4hnlich wie der kurdische Soldat in Rojava. Unn\u00f6tig zu sagen, dass dies eine weitere beklagenswerte Quelle der Verwirrung ist.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Was tun\u2026 au\u00dferhalb der Ukraine?<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<i>Vor allem darf man sich nicht von der Unmittelbarkeit der Ereignisse, von der Propaganda, von der Leichtigkeit der Vereinfachung hinrei\u00dfen lassen. Es gibt Zeiten, in denen wir keine Kontrolle \u00fcber den Lauf der Dinge haben. Es ist besser, das zu wissen und unsere Hilflosigkeit nicht mit Gesten zu verbergen oder, schlimmer noch, in ein Boot zu steigen, das nicht das unsere ist.\u201c<\/i> (Louis Mercier-Vega)<\/p>\n<p align=\"left\">Auch auf die Gefahr hin, negativ zu erscheinen, m\u00fcssen wir zugeben, dass es wenig gibt, was <i>konkret<\/i> getan werden kann. Der klassischste Standpunkt, der am meisten mit den bew\u00e4hrten Prinzipien des revolution\u00e4ren Def\u00e4tismus \u00fcbereinstimmt, zumindest f\u00fcr diejenigen, die denken, dass die Proletarier kein Land haben, w\u00e4re, <i>hier<\/i> gegen unsere eigene Bourgeoisie zu k\u00e4mpfen. Dies w\u00fcrde in kollaborierenden L\u00e4ndern wie Frankreich, Deutschland, Gro\u00dfbritannien oder den USA Sinn ergeben. Eine solche revolution\u00e4r-internationalistische Position wird heute von einer Reihe von Anarchisten, Anarchistinnen, Ultralinken, libert\u00e4ren Kommunisten und Kommunistinnen oder sogar einigen Trotzkisten und Trotzkistinnen vertreten, aber es ist keineswegs sicher, dass sie von der Mehrheit der Militanten oder der an \u201esozialen K\u00e4mpfen\u201c Beteiligten geteilt wird. Wir sind uns der gegenw\u00e4rtigen Situation des Klassenkampfes in Frankreich (und anderswo) sehr wohl bewusst und wissen, dass sie ein Gef\u00fchl der Ohnmacht, Verzweiflung und Orientierungslosigkeit hervorruft. In der Tat scheint es so zu sein, dass je d\u00fcsterer die Situation ist, desto dringender das Bed\u00fcrfnis zu handeln wird: Die Menschen wollen wirksam sein, die reale Welt \u201ebeeinflussen\u201c\u2026 w\u00e4hrend die revolution\u00e4re Bewegung in Wirklichkeit vielleicht noch nie so wenig Einfluss auf die Ereignisse hatte. Das erkl\u00e4rt die Anziehungskraft von K\u00e4mpfen in der Ferne und den Druck, Partei zu ergreifen, was Kompromisse impliziert und entweder ein schlechtes Gewissen oder die moralische Verpflichtung mit sich bringt, \u201edenen zu helfen, die etwas tun\u201c, was auch immer das sein mag.<\/p>\n<p align=\"left\">(Als bei den letzten franz\u00f6sischen Pr\u00e4sidentschaftswahlen einige Radikale dazu aufriefen, f\u00fcr einen linken Kandidaten zu stimmen, reagierte jemand mit einem bissigen Twitter-Kommentar, der sich auf etliche politische Umschichtungen in der Ukraine-Frage anwenden lie\u00dfe: \u201e<i>Diese <\/i><i>Leute<\/i><i> denken, dass ihr Aufruf zu einer solchen Abstimmung ein Bruch mit ihrem \u00fcblichen Aktivismus ist, w\u00e4hrend es nur ein H\u00f6hepunkt davon ist.\u201c<\/i> In der Tat bissig.)<\/p>\n<p align=\"left\">Was also tun? Die Forderung nach Waffenlieferungen durch die NATO, wie es einige Libert\u00e4re im Fall von Rojava getan haben, ist nicht sehr sinnvoll: Waffen werden in H\u00fclle und F\u00fclle geliefert, und es werden Milliarden von Dollar gutgeschrieben. Ebenso k\u00e4me die Forderung nach der Entsendung franz\u00f6sischer Soldaten auf das Schlachtfeld, wie es einige Humanisten fordern, sowie die Durchsetzung einer Flugverbotszone einer Kriegserkl\u00e4rung an Russland gleich.<\/p>\n<p align=\"left\">Der Glaube an den Kampf des Guten gegen das B\u00f6se (in einer noch gr\u00f6beren Form als in den Romanen von J.R.R. Tolkien) f\u00fchrt logischerweise zu der Notwendigkeit, <i>starke<\/i> gute Armeen zu haben, die in der Lage sind, die Demokratie und \u201eunsere Werte\u201c zu verteidigen, was in der realen Welt die NATO bedeutet. Dies geht einher mit der Forderung nach betr\u00e4chtlichen Verteidigungsbudgets und einem m\u00e4chtigen, innovativen milit\u00e4risch-industriellen Komplex, der seine russischen und chinesischen Konkurrenten \u00fcbertreffen kann. Wer den Zweck will, muss auch die Mittel wollen.<\/p>\n<p align=\"left\">(Apropos Werte: Im Vergleich zum sexistischen, rassistischen und homophoben Russland kann die NATO problemlos als LGBT-freundlich durchgehen. Lassen wir die Verb\u00fcndeten f\u00fcr sich selbst sprechen: \u201e<i>Die NATO ist der Vielfalt verpflichtet. Die Politik der Organisation verbietet strikt die Diskriminierung aufgrund der sexuellen Ausrichtung sowie aufgrund des Geschlechts, der Rasse oder der ethnischen Herkunft, der Religion, der Nationalit\u00e4t, einer Behinderung oder des Alters. Die NATO war auch weltweit f\u00fchrend bei der Anerkennung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Im Juli 2002 gew\u00e4hrte die Organisation gleichgeschlechtlichen Paaren die gleichen Vorteile wie Eheleuten, zu einem Zeitpunkt, als nur ein einziges Land auf der Welt \u2013 die Niederlande \u2013 die gleichgeschlechtliche Ehe anerkannte.\u201d<\/i> Was die Rechte der Frauen betrifft, so m\u00fcssen ukrainische Fl\u00fcchtlingsfrauen in Polen feststellen, dass dieses Land vor kurzem das ohnehin schon fast vollst\u00e4ndige Abtreibungsverbot versch\u00e4rft hat).<\/p>\n<p align=\"left\">Die \u201eUnion Sacr\u00e9e\u201c von 1914 (reich an religi\u00f6sen Untert\u00f6nen) konzentrierte sich auf das Vaterland (oder Mutterland) und den Nationalstolz: Der Konsens von 2022 betont die Demokratie und das Gemeinwohl. Statt als Nationalisten (Nationalismus hat heutzutage einen schlechten Ruf) sollte man die Ukrainer als Patrioten und <i>Freiheitsk\u00e4mpfer<\/i> darstellen. Wie im Kosovo-Krieg 1999 hat diese Argumentation sogar die radikalsten Militanten durchdrungen (auch wenn sich eine winzige Minderheit auf der Grundlage eines simplen Antiamerikanismus auf die Seite Moskaus schl\u00e4gt).<\/p>\n<p align=\"left\">Einige haben sich entschieden, die Anarchisten, Anarchistinnen und Antifas, die in den Reihen der ukrainischen Armee k\u00e4mpfen, finanziell zu unterst\u00fctzen: Wenn sie Konzerte und Solidarit\u00e4tsveranstaltungen organisieren, schw\u00e4chen sie gew\u00f6hnlich den milit\u00e4rischen Aspekt der Frage ab und biegen die Worte, wahrscheinlich leicht verlegen, so zurecht, dass sie zu ihrer aktuellen Politik passen. Dieselbe militante Gruppe, die 2016 die Schaffung einer Nationalen Reservistengarde in Frankreich anprangerte, bef\u00fcrwortet nun die in der Ukraine existierende. Statt von \u201eArmee\u201c und \u201eSoldaten\u201c ist von \u201eWiderstand\u201c und \u201ebewaffneten Freiwilligen\u201c oder \u201eMilizen\u201c die Rede, was an das Spanien des Jahres 1936 erinnert (auch wenn sich in der Ukraine des Jahres 2022 zwei nationalistische Kontrahenten im Krieg gegen\u00fcberstehen). Trotz ihrer starken Pr\u00e4senz in der Kiewer Armee wird die Bedeutung der Rechtsextremen heruntergespielt. W\u00e4hrend in Frankreich beispielsweise die Rechtsextremen Marine Le Pen und Eric Zemmour gemeinhin als Faschisten beschuldigt werden, kommt das Asow-Bataillon in den Genuss von mehr Nachsicht, obwohl es eine viel extremere Ideologie vertritt\u2026 von der seine Anf\u00fchrer behaupten, sie geh\u00f6re nur der Vergangenheit an. Tats\u00e4chlich gibt es nur sehr wenige L\u00e4nder auf der Welt, in denen eine rechtsextreme Organisation ihre eigenen legitimen Milit\u00e4reinheiten innerhalb der nationalen Armee hat.<\/p>\n<p align=\"left\">Im Westen werden ukrainische Texte \u00fcbersetzt und verbreitet, oft mit einem gewissen Unbehagen oder einer gewissen Toleranz, ja sogar mit der gleichen herablassenden Art und Weise wie bei den syrischen Kurden \u2013 nur dass man sich diesmal keinerlei Illusionen \u00fcber den sozialen Wandel macht, der sich in der Ukraine vollzieht.<\/p>\n<p align=\"left\">Auch hier kann unser Blickwinkel durch die offensichtliche Tatsache verzerrt werden, dass sich Menschen daf\u00fcr <i>entscheiden<\/i>, zu den Waffen zu greifen und ihr Leben zu riskieren, w\u00e4hrend \u201eSesseltheoretiker\u201c analysieren, was diese Menschen tun. Au\u00dferdem sind diejenigen, die f\u00fcr soziale Emanzipation eintreten, nicht immun gegen die Verlockung von Waffen und Uniformen oder gegen das Prestige desjenigen, der ein Sturmgewehr in der Hand hat. Obwohl dies nat\u00fcrlich kritisiert wird, wenn es von der extremen Rechten kommt, ist es auch bei Radikalen zu finden, vom spanischen B\u00fcrgerkrieg \u00fcber Nicaragua bis nach Rojava\u2026<\/p>\n<p align=\"left\">Die Unterst\u00fctzung von Armee-Deserteuren ist eine klassische revolution\u00e4re Aktivit\u00e4t in Kriegszeiten: Organisation von Netzwerken zur \u00dcberquerung von Grenzen, Beschaffung falscher Ausweise, Unterbringung von Fl\u00fcchtlingen\u2026 was in grenznahen L\u00e4ndern eher m\u00f6glich ist. In Frankreich marschiert man heute mit Transparenten oder initiiert Veranstaltungen zur Unterst\u00fctzung der \u201erussischen Widerst\u00e4ndler, Wehrdienstverweigerer und Deserteure\u201c, doch gegen ihre ukrainischen Pendants scheint nichts unternommen zu werden, obwohl es immer mehr von ihnen gibt. Die Situation k\u00f6nnte sich \u00e4ndern, aber im Moment erinnert sie uns daran, dass w\u00e4hrend des Krieges in Syrien die Kurden, die sich der Wehrpflicht in der YPG entzogen, von der linksgerichteten \u00f6ffentlichen Meinung bequemerweise ignoriert wurden, als viele von ihnen in europ\u00e4ischen St\u00e4dten Zuflucht suchten. (In Frankreich gibt es keine Wehrpflicht mehr, sondern nur noch eine Berufsarmee, aber es gibt jedes Jahr etwa 2.000 Deserteure, die sich ihrer Einberufung durch Flucht oder ein Leben au\u00dferhalb des Gesetzes entziehen. Einige landen vor Gericht. Niemand k\u00fcmmert sich darum. Das k\u00f6nnte sich in Zukunft \u00e4ndern.)<\/p>\n<p align=\"left\">Noch einmal: Wir wollen nicht die Art und Weise kritisieren, wie manche Menschen auf die Bombardierung ihrer Stadt oder ihres Landes reagieren, sondern allenfalls die Art und Weise, wie sie das, was sie in der Ukraine zu tun versuchen, interpretieren und wie ihr Diskurs au\u00dferhalb der Ukraine interpretiert wird.<\/p>\n<p align=\"left\">Es ist eine bekannte starke Tendenz in militanten Kreisen, \u00fcberall \u201ePotenziale\u201c wahrzunehmen, vor allem an fernen, exotischen Orten, oft bis zu dem Punkt, an dem sie die Realit\u00e4t verzerren. Aber jenseits dieses Reflexes sind die Gespenster, die in der ukrainischen Frage herumspuken, bet\u00f6render und vielleicht offener als in anderen \u201eEinsatzgebieten\u201c, nichts anderes als Militarismus, Nationalismus und Union Sacr\u00e8e \u2013 alles krankhafte Variationen der Klassen\u00fcbergreifung. Wie die Geschichte leider beweist, k\u00f6nnen sich selbst die f\u00e4higsten Militanten mit einer tief verwurzelten radikalen Doktrin von diesen Ideologien mitrei\u00dfen lassen, wenn die Umst\u00e4nde es zulassen.<\/p>\n<p align=\"left\">Was uns betrifft, so werden wir nicht bombardiert, es finden keine K\u00e4mpfe auf der Stra\u00dfe statt und wir laufen nicht Gefahr, jede Minute get\u00f6tet zu werden. Deshalb haben wir keine Entschuldigung f\u00fcr schwammiges Denken. Wir k\u00f6nnen aus einer relativ komfortablen Position heraus zur\u00fcckdenken und die aktuellen Ereignisse bewerten. Es w\u00e4re in der Tat ein Fehler, dies nicht zu tun, denn diese Situation kann nicht so lange andauern, wie die Menschen glauben.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Der Krieg ist also wieder da?<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">\u201eDer Krieg ist wieder da\u201c: Es wird impliziert, dass dies nur in <i>Europa<\/i> geschieht.<\/p>\n<p align=\"left\">Aber hat der Krieg jemals aufgeh\u00f6rt? Der Unterschied besteht darin, dass er 2022 im Zentrum Europas zuschl\u00e4gt und nicht an der Peripherie, wie es in den 1990er Jahren im ehemaligen Jugoslawien der Fall war, bis zur NATO-Offensive gegen Serbien 1999. Heute steht fest, dass diese Kriege der Europ\u00e4ischen Union (EU) und der NATO zugute kamen, die beide neue Mitglieder aufgenommen haben. Sarajewo mag n\u00e4her an Paris liegen als an Kiew, aber Serbien hat die Vorherrschaft der USA und der EU \u00fcber Europa nie in Frage gestellt, und genau das tut Russland heute. Anders als das Schicksal Bosniens vor drei Jahrzehnten ist das, was in der Ukraine auf dem Spiel steht, von entscheidender Bedeutung, da dieses Land im Herzen eines Europas liegt, das zu den f\u00fchrenden Industrie-, Handels- und Finanzzentren der Welt geh\u00f6rt. Die Ukraine ist ein entscheidender Ort des Konflikts zwischen einigen der Hegemonen des Planeten, einschlie\u00dflich der gro\u00dfen Atomm\u00e4chte, und sie mobilisiert enorme mechanische und menschliche Ressourcen, was bereits enorme \u00f6konomische Auswirkungen hat. Wenn etwas zur\u00fcck ist, dann ist es ein Krieg<i> hoher Intensit\u00e4t<\/i>.<\/p>\n<p align=\"left\">Zum Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichts ist das wahrscheinlichste und \u201evern\u00fcnftigste\u201c Ergebnis, dass Russland seine Eroberung der Donbass-<i>Gebiete<\/i> abschlie\u00dft, die Feindseligkeiten beendet, Verhandlungen aufnimmt und ein Friedensabkommen schlie\u00dft, das die Anbindung dieser Gebiete an die Russische F\u00f6deration auf die eine oder andere Weise legitimieren k\u00f6nnte. H\u00e4tte eine solche Grenzanpassung im Jahr 2021 ohne Krieg ausgehandelt werden k\u00f6nnen, w\u00e4re sie sowohl f\u00fcr Russland als auch f\u00fcr die Ukraine von Vorteil gewesen. Ein Konflikt, der sich in die L\u00e4nge zieht, w\u00e4re f\u00fcr alle sch\u00e4dlich, vor allem f\u00fcr Russland, das kein Interesse daran hat, sich in der Ukraine zu verzetteln, wie es das in Afghanistan getan hat. Alle\u2026 au\u00dfer dem Land, das dar\u00fcber entscheiden wird, wie sich die Situation entwickelt: die USA. Werden sie Russland einen knappen Sieg g\u00f6nnen, indem sie den Krieg noch einige Monate andauern lassen, oder werden sie sich entscheiden, bis zum letzten Ukrainer zu k\u00e4mpfen?<\/p>\n<p align=\"left\">Inzwischen haben sich die Waffenlieferungen an Kiew, die vor der Invasion betr\u00e4chtlich waren, zu Millionen von Tonnen Stahl und Milliarden von Dollar entwickelt. Und es wird noch mehr kommen. Ein Trend, der bereits seit einigen Jahren zu beobachten war, verst\u00e4rkt sich nun. Die Milit\u00e4rbudgets der EU- und NATO-L\u00e4nder wachsen, und diese konkurrieren um Auftr\u00e4ge f\u00fcr Panzer, Kampfflugzeuge usw. bei der amerikanischen Milit\u00e4rindustrie. Im gegenw\u00e4rtigen Krieg sind die USA bisher der eigentliche Sieger. W\u00e4hrend der R\u00fcstungssektor des alten Kontinents von der amerikanischen Konkurrenz \u00fcberfl\u00fcgelt wird, werden die Pl\u00e4ne f\u00fcr eine europ\u00e4ische Verteidigung zugunsten einer wiederbelebten NATO endg\u00fcltig ad acta gelegt. Viele L\u00e4nder beugen sich nun ganz offen vor Washington. Diese absichtliche (und sehr kostspielige) Unterwerfung k\u00f6nnte nur durch das Entstehen einer neuen Milit\u00e4rmacht in Europa unterbrochen werden \u2013 was h\u00f6chst unwahrscheinlich ist, da eine der Aufgaben der NATO gerade darin besteht, dies zu verhindern. Wie ihr erster Generalsekret\u00e4r, Lord Ismay, einmal erkl\u00e4rte, wurde die NATO gegr\u00fcndet, um \u201e<i>die Sowjetunion drau\u00dfen, die Amerikaner drinnen und die Deutschen unten zu halten\u201c<\/i>. Eine der unvorhergesehenen Auswirkungen des Ukraine-Krieges ist jedoch die Remilitarisierung Deutschlands, das gerade einen zus\u00e4tzlichen Milit\u00e4rhaushalt von 100 Milliarden Euro f\u00fcr 2022 angek\u00fcndigt hat (zus\u00e4tzlich zu den Verteidigungsausgaben von etwa 50 Milliarden, gegen\u00fcber 40 Milliarden in Frankreich). Vorerst wird dieser Betrag f\u00fcr Waffen \u201emade in the US\u201c ausgegeben. Dennoch k\u00f6nnten wir einige \u00dcberraschungen erleben.<\/p>\n<p align=\"left\">Die westlichen Regierungen k\u00f6nnten versucht sein, Russland dabei zu helfen, sich in der Ukraine zu zerm\u00fcrben, aber dies k\u00f6nnte die am Rande beteiligten L\u00e4nder in eine unkontrollierbare Eskalation f\u00fchren, mit dem Risiko, dass sich der Konflikt so weit ausweitet, dass die NATO \u2013 und damit die USA \u2013 zu einem direkten Eingreifen gezwungen wird. Dies k\u00f6nnte im Falle einer russischen Blockade der Suwalki-L\u00fccke (des Korridors, der Kaliningrad von Wei\u00dfrussland trennt) geschehen oder wenn ein unter Druck stehendes Russland in die baltischen Staaten einmarschiert. Dies w\u00fcrde nicht zwangsl\u00e4ufig zu einem Atomkrieg f\u00fchren, aber die USA k\u00f6nnten diejenige sein, die in Europa festsitzt, was im Falle eines Dritten Weltkriegs im Pazifik nicht ratsam w\u00e4re: Die umfangreichen Waffenlieferungen an die Ukraine gehen zu Lasten der f\u00fcr Taiwan reservierten Waffen, und die 7.000 Panzerabwehrraketen vom Typ Javelin, die an die Ukraine geschickt wurden, stellen ein Drittel der gesamten amerikanischen Best\u00e4nde dar. Die Frage ist, wie weit \u2013 und m\u00f6glicherweise zu weit \u2013 ein Staat gehen kann.<\/p>\n<p align=\"left\">Abgesehen von den Verlusten vor Ort (die der kapitalistischen Klasse nie allzu viel ausmachen), besteht der gr\u00f6\u00dfte Kollateralschaden der Aff\u00e4re darin, dass Russland mit Europa bricht und sich Asien, insbesondere China, zuwendet. Ist das ein Problem? Die Illusion einer Verst\u00e4ndigung und m\u00f6glicherweise eines B\u00fcndnisses zwischen der Europ\u00e4ischen Union und der Russischen F\u00f6deration ist zu Ende, und damit auch der Traum von einem demokratischeren Russland. Es bilden sich Bl\u00f6cke und kristallisieren sich heraus. Der Krieg in der Ukraine k\u00f6nnte trotz seiner schrecklichen Folgen nur ein Vorgeschmack auf kurz- oder mittelfristig viel gr\u00f6\u00dfere Konflikte sein.<\/p>\n<p align=\"left\">In der Zwischenzeit sind es wie immer die Proletarier, die den Kopf hinhalten m\u00fcssen: Versch\u00e4rfung der Krise, harter weltweiter Wettbewerb, verst\u00e4rkte Ausbeutung, Inflation, steigende Milit\u00e4rbudgets und damit mehr Steuern und weniger Sozialleistungen (Gesundheit, Bildung) usw. Es wird lokale Aufst\u00e4nde geben, vor allem in Frankreich, aber nichts, was jetzt in der Lage zu sein scheint, die kapitalistische Ordnung zu ersch\u00fcttern oder den innerstaatlichen Spannungen ein Ende zu setzen. Sollte Frankreich oder seine Armee direkter in einen Krieg hoher Intensit\u00e4t verwickelt werden (\u00e4hnlich wie in der Ukraine), k\u00f6nnen wir davon ausgehen, dass die Regierung und die Medien uns sagen werden, dass dies alles zum Zweck der Verteidigung von Recht, Gesetz und Demokratie geschieht, genau wie 1914! Was sollen wir dann tun, wenn wir mit uns selbst im Einklang bleiben wollen?<\/p>\n<p align=\"left\">Im Jahr 1940, als sich der so genannte Zweite Weltkrieg anbahnte, antwortete Otto R\u00fchle: \u201e<i>Egal, auf welcher Seite sich das Proletariat stellt, es wird zu den Besiegten geh\u00f6ren. Deshalb darf es sich weder auf die Seite der Demokratien noch auf die der Totalit\u00e4ren stellen.\u201c<\/i><\/p>\n<p align=\"left\"><b>Tristan Leoni, 8. Mai 2022. <\/b><\/p>\n<hr \/>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\"><b>Anmerkung: <\/b><\/span><span lang=\"de-DE\">Dies ist eine leicht modifizierte \u00dcbersetzung von <\/span><span lang=\"de-DE\"><i><a href=\"https:\/\/ddt21.noblogs.org\/?p=3424\">Adieu la vie, adieu l\u2019amour\u2026<\/a> <\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">Ukraine, guerre et auto-organisation <\/span><span lang=\"de-DE\">(auf Franz\u00f6sisch)<\/span><span lang=\"de-DE\">.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Auch von Tristan Leoni:<\/span><span lang=\"de-DE\"><i> <a href=\"http:\/\/www.lemondealenvers.lautre.net\/livres\/manu_militari.html\">Manu militari? Radiographie critique de l\u2019arm\u00e9e<\/a><\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, Le Monde \u00e0 l\u2019envers, 2020 (<\/span><span lang=\"de-DE\">auf Franz\u00f6sisch<\/span><span lang=\"de-DE\">).<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><b>Referenzen<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Der Titel ist einer Zeile (\u201eAdieu la vie, adieu l\u2019amour\u201c) aus dem <i>Chanson de Craonne<\/i> entnommen, einem ber\u00fchmten antimilitaristischen Lied, das w\u00e4hrend des Ersten Weltkriegs in den franz\u00f6sischen Trenches geschrieben wurde.<\/p>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Otto R\u00fchle, <a href=\"https:\/\/www.marxists.org\/archive\/ruhle\/1940\/ruhle01.htm\">Which Side To Take?<\/a>, <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Living Marxism<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, Autumn 1940.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<i>The daily press fabricates more myths\u2026\u201c<\/i>: Marx an Kugelmann, 27.07.1871.<\/p>\n<p align=\"left\">Louis Mercier-Vega (1914-1977), belgischer Gewerkschafter\/Syndikalist und Anarchist, k\u00e4mpfte mit der Durruti-Kolonne. Zitat aus <i>La Chevauch\u00e9e anonyme<\/i>, \u00c9ditions Noir, 1978 (Fr.).<\/p>\n<p align=\"left\">\u201e<span lang=\"de-DE\"><i>Creative and liberating nationalism\u201c<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">: <\/span><span lang=\"de-DE\">Zitat von<\/span><span lang=\"de-DE\"> Perrine Poupin, \u201e<\/span><span lang=\"de-DE\"><i><a href=\"https:\/\/mouvements.info\/leruption-de-la-russie-en-ukraine\/\">L\u2019irruption de la Russie en Ukraine Entretien avec un volontaire de la d\u00e9fense territoriale de Kiev<\/a>\u201c<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, <\/span><span lang=\"de-DE\"><i>Mouvements<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\">, 29.<\/span><span lang=\"de-DE\">03.<\/span><span lang=\"de-DE\">2022 (Fr.).<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\"><i>Letter from Ukraine<\/i><\/span><span lang=\"de-DE\"> (Fr.): <a href=\"https:\/\/tousdehors.net\/Lettres-d-Ukraine\">tousdehors.net<\/a>. <\/span><\/p>\n<p align=\"left\">\u00dcber anarchistischer Autonomie (Fr.): Entre deux feux. Provisorische Sammlung von Texten von Anarchisten und Anarchistinnen aus der Ukraine, Russland und Wei\u00dfrussland \u00fcber den laufenden Krieg, 13.03.2022.<\/p>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\">Il Lato Cattivo, Ukraine \u2018<\/span><a href=\"https:\/\/dndf.org\/?p=19975\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><span lang=\"de-DE\"><i>Ukraine \u2018Du moins, si l\u2019on veut \u00eatre mat\u00e9rialiste<\/i><\/span><\/a><span lang=\"de-DE\">\u2018 (Fr.) :<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/www.nato.int\/cps\/en\/natohq\/news_182424.htm?selectedLocale=en\">LGBTQ-friendly<\/a> Nato.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span lang=\"de-DE\"><a href=\"https:\/\/libcom.org\/article\/1914-1946-third-camp-internationalists-france-during-world-war-ii\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">On \u00ab third camp internationalists \u00bb<\/a> (\u201e<\/span><span lang=\"de-DE\">jene die sich weigern irgendeine imperialistische Seite zu unterst\u00fctzen<\/span><span lang=\"de-DE\">\u201d) in France 1940-1952<\/span><\/p>\n<hr \/>\n<div id=\"sdfootnote1\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2022\/05\/26\/frankreich-lebewohl-zum-leben-lebewohl-zur-liebe-ukraine-krieg-und-selbstorganisation\/#sdfootnote1anc\" name=\"sdfootnote1sym\">1<\/a>A.d.\u00dc., auf Deutsch <i>geheiligter Bund<\/i> oder <i>heiliger Bund<\/i>, war die Vereinigung aller politischen Kr\u00e4fte in Frankreich im Ersten Weltkrieg, um das franz\u00f6sische Vaterland und Nation zu verteidigen. Ein klassen\u00fcbergreifendes B\u00fcndnis der alle Differenzen beiseite lies.<\/p>\n<\/div>\n<div id=\"sdfootnote2\">\n<p class=\"sdfootnote\"><a class=\"sdfootnotesym\" href=\"https:\/\/panopticon.noblogs.org\/post\/2022\/05\/26\/frankreich-lebewohl-zum-leben-lebewohl-zur-liebe-ukraine-krieg-und-selbstorganisation\/#sdfootnote2anc\" name=\"sdfootnote2sym\">2<\/a>A.d.\u00dc., auf Deutsch als <i>Ukraine Korrespondenz<\/i> ver\u00f6ffentlicht. <em>Das englische Original findet sich unter <a href=\"https:\/\/endnotes.org.uk\/other_texts\/en\/andrew-letters-from-ukraine-part-3\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/endnotes.org.uk\/other_texts\/en\/andrew-letters-from-ukraine-part-3<\/a>. <\/em><em>Der erste<\/em><em> und <\/em><em>der zweite Teil<\/em><em> findet ihr hier: <a href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">https:\/\/communaut.org\/de\/ukraine-korrespondenzen-teil-i-und-ii<\/a>.<\/em> Der dritte Teil hier <a href=\"https:\/\/communaut.org\/de\/ukraine-korrespondenzen-teil-iii\">https:\/\/communaut.org\/de\/ukraine-korrespondenzen-teil-iii<\/a>.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: Soligruppe f\u00fcr Gefangene Auf ddt21 gefunden, die \u00dcbersetzung ist von uns. Ein weiterer sehr interessanter, wie immer und alles diskutierbar und in Frage zu stellen, Beitrag aus Frankreich der sich mit dem Krieg in der Ukraine auseinandersetzt, genauso wie die Rolle angeblicher \u201eAnarchisten und Anarchistinnen\u201c. Hierbei handelt es sich um die englische \u00dcbersetzung dieses [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0,"footnotes":""},"categories":[114,469,1449,1653,118,125],"tags":[143,1354,170,494,231,199,309],"class_list":["post-11987","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-anarchismus","category-antifaschismus","category-geschichte","category-krieg","category-kritikselbstkritik","category-repression","tag-antimilitarismusantimilitarismus","tag-ddt21","tag-frankreich","tag-krieg","tag-kritik","tag-russland","tag-ukraine"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11987"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=11987"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11987\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":11988,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/11987\/revisions\/11988"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=11987"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=11987"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.abc-wien.net\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=11987"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}