{"id":11814,"date":"2022-03-23T13:23:38","date_gmt":"2022-03-23T12:23:38","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11814"},"modified":"2022-03-23T13:23:38","modified_gmt":"2022-03-23T12:23:38","slug":"interview-mit-a-teil-2-17-maerz-2022-ukraine","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11814","title":{"rendered":"Interview mit A. Teil 2, 17. M\u00e4rz 2022 [Ukraine]"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/enough-is-enough14.org\/2022\/03\/23\/interview-mit-a-teil-2-17-maerz-2022-ukraine\/#more-22019\">enough-is-enough14<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"attachment- size- wp-post-image\" src=\"https:\/\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg\" sizes=\"(max-width: 1280px) 100vw, 1280px\" srcset=\"https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?w=1280&amp;ssl=1 1280w, https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?resize=300%2C200&amp;ssl=1 300w, https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?resize=1024%2C682&amp;ssl=1 1024w, https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?resize=768%2C512&amp;ssl=1 768w\" alt=\"\" data-attachment-id=\"22033\" data-permalink=\"https:\/\/enough-is-enough14.org\/2022\/03\/23\/interview-mit-a-teil-2-17-maerz-2022-ukraine\/ukrainewar\/\" data-orig-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?fit=1280%2C853&amp;ssl=1\" data-orig-size=\"1280,853\" data-comments-opened=\"1\" data-image-meta=\"{&quot;aperture&quot;:&quot;0&quot;,&quot;credit&quot;:&quot;&quot;,&quot;camera&quot;:&quot;&quot;,&quot;caption&quot;:&quot;&quot;,&quot;created_timestamp&quot;:&quot;0&quot;,&quot;copyright&quot;:&quot;&quot;,&quot;focal_length&quot;:&quot;0&quot;,&quot;iso&quot;:&quot;0&quot;,&quot;shutter_speed&quot;:&quot;0&quot;,&quot;title&quot;:&quot;&quot;,&quot;orientation&quot;:&quot;0&quot;}\" data-image-title=\"ukrainewar\" data-image-description=\"\" data-image-caption=\"\" data-medium-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?fit=300%2C200&amp;ssl=1\" data-large-file=\"https:\/\/i0.wp.com\/enough-is-enough14.org\/wp-content\/uploads\/2022\/03\/ukrainewar.jpg?fit=980%2C653&amp;ssl=1\" width=\"617\" height=\"411\"\/><\/p>\n<p>Ukraine. Das folgende Interview wurde von Tous Dehors gef\u00fchrt. Das Interview vom 17. M\u00e4rz 2022 ist Teil 2 einer Serie von Interviews. Teil 1 findet ihr <a href=\"https:\/\/enough-is-enough14.org\/2022\/03\/22\/interview-mit-a-11-maerz-2022-ukraine\/\">hier<\/a>.<\/p>\n<p><strong><em>Urspr\u00fcngliche ver\u00f6ffentlicht von<\/em><\/strong>&nbsp;<strong><em><a href=\"https:\/\/uneautreguerre.wordpress.com\/2022\/03\/22\/interview-with-a-march-17-2022-english-version\/\">Tous Dehors<\/a>.<\/em><\/strong>&nbsp;<strong><em>\u00dcbersetzt von&nbsp;<a href=\"https:\/\/kolektiva.social\/@riotturtle\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Riot Turtle<\/a><\/em>.<\/strong><\/p>\n<p><!--more--><em>Wie haben sich die Pl\u00fcnderungen und die Repression gegen sie entwickelt?<\/em><\/p>\n<p>Es ist wirklich schwer abzusch\u00e4tzen, wie weit sich die Pl\u00fcnderungen ausgebreitet haben: Mensch sieht vor allem die Verhaftungen, die konstant geblieben sind. Die Repression hat sich seit der \u00c4nderung der Pl\u00fcnderungsgesetze definitiv versch\u00e4rft, und ich habe erste Berichte \u00fcber Pl\u00fcnderer*innen gesehen, die \u201ein der vorl\u00e4ufigen Haft tot aufgefunden\u201c wurden, was entsetzlich ist und wahrscheinlich nur die Spitze des Eisbergs darstellt, da einige einfach nackt mitten auf den kalten Stra\u00dfen liegen.<\/p>\n<p><em>Gab es bereits Streiks? Gibt es andererseits Anzeichen f\u00fcr einen \u00dcbergang der Wirtschaft zu einer Kriegswirtschaft?<\/em><\/p>\n<p>Die Ukraine ist jetzt gr\u00f6\u00dftenteils auf Waffenimporte angewiesen, und die Fabriken, in denen ukrainische Waffen im Osten hergestellt wurden, sind durch den russischen Beschuss zerst\u00f6rt worden. Der ukrainische Staat scheint angesichts der kriegsbedingten Schwierigkeiten v\u00f6llig machtlos zu sein, er ist nicht in der Lage, die Mietpreise zu regulieren, die Gaspreise und die Verf\u00fcgbarkeit von Gas schwanken ebenfalls, und der Ruf nach einer \u201eR\u00fcckkehr zur Normalit\u00e4t\u201c im friedlichen Westen st\u00fctzt sich eher auf PR-Kampagnen als auf irgendeine Art von Zwangsarbeit. Die Regierung hat jedoch einige Steuern gesenkt und versucht, Importe und Unternehmensgr\u00fcndungen sowie Investitionen w\u00e4hrend des Krieges zu f\u00f6rdern, und die Banken verschieben die Schuldentilgung und erh\u00f6hen in einem Akt stolzen Patriotismus die Kreditlimits.<\/p>\n<p><em>Was das \u201ebewaffnete Volk\u201c betrifft, so stellen wir uns vor, dass die derzeitige Situation nichts mit der Situation in Spanien im Jahr 1936 zu tun hat. Was ist mit den bewaffneten Gruppen? Welchen Grad an Autonomie haben sie?<\/em><\/p>\n<p>Es hat nichts mit Spanien 1936 zu tun, in dem Sinne, dass es keine M\u00f6glichkeit gibt, dass eine gro\u00dfe, offen agierende bewaffnete Arbeiter*innenbewegung entsteht, aber ich denke, Spanien hat gewisse Grenzen anarchistischer Aktionen aufgezeigt: Wir k\u00f6nnen regul\u00e4re Armeen nicht einfach symmetrisch bek\u00e4mpfen, wir sollten stattdessen versuchen, die R\u00fcckkehr zu kapitalistischen Verh\u00e4ltnissen durch massenhafte St\u00f6rung und Umverteilung unm\u00f6glich zu machen und gleichzeitig die Kriegsanstrengungen zu untergraben, aber auch davon sind wir nat\u00fcrlich weit entfernt.<\/p>\n<p>Die ukrainischen anarchistischen Gruppen sind sehr klein und k\u00e4mpfen einfach an der Seite anderer Milizen und regul\u00e4rer Armeeeinheiten und erhalten ihre Befehle vom Staat. Aber wir sollten uns davor h\u00fcten, daraus zu verallgemeinern: Es bedeutet nicht, dass \u201eAnarchist*innen Asov unterst\u00fctzen\u201c, es bedeutet einfach, dass Anarchist*innen ohne eine gr\u00f6\u00dfere Organisation in einer verzweifelten Situation wie dieser keine gro\u00dfe Wahl haben. Wenn man sowieso eingezogen wird, warum dann nicht zusammen mit Genoss*innen k\u00e4mpfen?<\/p>\n<p><em>Ist die Tatsache, dass die Menschen bewaffnet sind, als ein Zeichen f\u00fcr den Aufstieg rechter Gruppen zu werten? K\u00f6nnten diese bewaffneten Gruppen im Falle eines Abkommens zwischen der Ukraine und Russland in Versuchung geraten, die Macht zu \u00fcbernehmen?<\/em><\/p>\n<p>Ich denke, dass die Waffen, die derzeit aktiv in die Ukraine geschickt werden, definitiv reaktion\u00e4ren Zielen dienen (ganz zu schweigen davon, dass viele europ\u00e4ische L\u00e4nder dadurch ihre Milit\u00e4rausgaben aufbl\u00e4hen k\u00f6nnen), aber ich bin mir nicht so sicher, ob nationalistische Gruppen politische Macht erlangen wollen oder k\u00f6nnten. Ich glaube, Zelenskyy hat auf jeden Fall Angst vor ihnen, weshalb er versucht, bei den Friedensverhandlungen nicht zu \u201eprorussisch\u201c zu wirken, obwohl er w\u00e4hrend seiner gesamten Pr\u00e4sidentschaft als solcher bezeichnet wurde. Die ukrainischen Nationalist*innen ziehen es vor, die Stra\u00dfen zu \u00fcbernehmen und im Rahmen von Milizen zu patrouillieren, was es ihnen erm\u00f6glicht, \u201eentartete\u201c Aktivit\u00e4ten zu \u00fcberwachen und zu verhindern: seien es queere Menschen, die einfach nur herumlaufen, Leute, die sich am\u00fcsieren und trinken, oder Demonstrationen f\u00fcr die Rechte der Frauen. Diese Invasion k\u00f6nnte ihre Ambitionen \u00e4ndern, da sie sich noch weiter in den Mainstream hineinbewegen und immer mehr Macht aus\u00fcben, aber ich w\u00fcrde mich mit Vorhersagen zur\u00fcckhalten.<\/p>\n<p><em>Hast du von Desertion oder Verweigerung der Wehrpflicht geh\u00f6rt? Gibt es Unterst\u00fctzungsnetze f\u00fcr M\u00e4nner, die sich der Einberufung entziehen und vielleicht aus dem Land fliehen oder untertauchen wollen?<\/em><\/p>\n<p>Ich denke, dass jede(r) versucht, auf sich allein gestellt zu \u00fcberleben, es gibt keine massenhaften gemeinsame Anstrengungen da drau\u00dfen. Die Leute verstecken sich in den D\u00f6rfern, verstecken sich in Kofferr\u00e4umen, um zu versuchen, die Grenze zu \u00fcberqueren, aber diejenigen, die von der Polizei erwischt werden, werden als Verr\u00e4ter hingestellt: M\u00e4nner d\u00fcrfen das Land nicht verlassen, und wer nicht bleiben und k\u00e4mpfen will, ist Verr\u00e4ter. Die Einberufungen erfolgen willk\u00fcrlich, die Leute werden gleich nach ihrer Ankunft aus dem Osten in ihren Hotelzimmern abgeholt, die Leute werden an den Kontrollpunkten angehalten, so dass einige beschlossen haben, sich freiwillig den \u00f6rtlichen Milizen anzuschlie\u00dfen, um nicht an die Front geschickt zu werden.<\/p>\n<p><em>Die \u201eau\u00dfergew\u00f6hnliche Solidarit\u00e4t\u201c des Westens wird wahrscheinlich nicht von Dauer sein. Gibt es in der Ukraine und in Europa Unterst\u00fctzungsnetzwerke f\u00fcr Migrant*innen?<\/em><\/p>\n<p>Es gibt viele Freiwillige, die den Menschen beim Verlassen der eingekesselten St\u00e4dte und auf den Bahnh\u00f6fen im ganzen Land unterst\u00fctzen, und ich h\u00f6re viele wunderbare Geschichten \u00fcber die Unterst\u00fctzung, die die Menschen im Ausland von ganz normalen Leuten erhalten. Das ist sehr bemerkenswert, da es keine offiziellen Evakuierungsma\u00dfnahmen gibt und der Staat weiterhin behauptet, dass jede Stadt verteidigt wird und es keinen Grund gibt, sie zu verlassen. Ich bin mir nicht sicher, ob es \u00fcberhaupt eine \u201ePlanung\u201c oder \u201eErwartungen\u201c gibt. Die meisten Gefl\u00fcchtete verbrauchen einfach ihre Ersparnisse und versuchen, Arbeit zu finden; und da sie von den Beh\u00f6rden getrennt und in verschiedene St\u00e4dte geschickt werden, ist es schwierig, dauerhafte Beziehungen aufzubauen, vor allem wegen der Sprachbarriere.<\/p>\n<p><em>Hast du irgendwelche Informationen \u00fcber die Protestbewegungen in der besetzten Zone? Und \u00fcber die Zusammenarbeit mit den Russ*innen?<\/em><\/p>\n<p>Die Proteste finden immer noch statt, wenn auch in geringerem Umfang als in den ersten Tagen. Die russischen Sicherheitskr\u00e4fte haben bei diesen Protesten mehrere Menschen ermordet, aber die Menschen sind inzwischen daran gew\u00f6hnt, Leichen zu sehen, so dass dies keine gro\u00dfen Auswirkungen hatte. Die russische Bereitschaftspolizei feuert st\u00e4ndig Warnsch\u00fcsse in die Luft ab, so dass die Menschen sich der Gefahren bei diesen Protesten bewusst sind, aber trotzdem weiter auf die Stra\u00dfe gehen. Das reicht nat\u00fcrlich nicht aus, um die russische Besatzung zu st\u00f6ren, aber ich habe auch nicht gesehen, dass sich ein \u201ePartisan*innen\u201c-Widerstand gebildet h\u00e4tte.<\/p>\n<p>Eine ganze Reihe von Polizist*innen und B\u00fcrgermeister*innen in den Grenzgebieten kollaborieren mit den russischen Truppen, vor allem in den Orten, die am ersten Tag eingenommen wurden, aber es gibt auch einige, die kollaborieren, um zu verhindern, dass die Stadt hin und wieder beschossen wird.<\/p>\n<p><em>Was kannst du uns \u00fcber m\u00f6gliche K\u00e4mpfe in Russland gegen den Krieg sagen?<\/em><\/p>\n<p>Einige meiner russischen Genoss*innen haben das Land verlassen oder f\u00fcrchten nun zunehmend um ihr Leben, da die Sanktionen und die Blockade des Landes die Repressionen versch\u00e4rft haben und der Staat alle Kr\u00e4fte entfesselt hat, um jeden zu verhaften, der\/die auch nur das kleinste bisschen Dissens zu \u00e4u\u00dfern versucht. Ich wei\u00df wirklich nicht, wie sich unter diesen Bedingungen eine Bewegung formieren kann, solange die russische Bereitschaftspolizei die wenigen Proteste, die es noch gibt, weiterhin erfolgreich eind\u00e4mmt und aufl\u00f6st.<\/p>\n<p><em>M\u00f6chtest du etwas<\/em> <em>hinzuf\u00fcgen?<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Krieg weitergeht und sich der russische Vormarsch noch weiter verlangsamt, sehe ich immer noch keine M\u00f6glichkeit, ihn zu beenden: Putin will eindeutig mehr und verlegt mehr Truppen ins Land, und Zelenskyy weigert sich, nachzugeben und fordert die Krim, den Donbass und Sicherheitsgarantien. Es gibt einige Funken der Revolte, die aber schnell niedergeschlagen werden, und in der Zwischenzeit str\u00f6men weiterhin Millionen von Menschen durch die Grenzkontrollpunkte in den Westen, zunehmend unsicher, was sie erwartet\u2026 Das Bild eines patriotischen Krieges, den die Ukraine gewinnt, gibt den nationalistischen Kr\u00e4ften nur noch mehr Macht und verringert die Wahrscheinlichkeit einer Friedensvereinbarung. Da die Ukraine versuchen wird, die Produktion im Westen wieder in Gang zu bringen, k\u00f6nnte es zu Arbeiter*innenunruhen kommen, aber generell denke ich, dass wir uns an Konflikte gew\u00f6hnen und unsere Strategie auf ihrer Grundlage entwickeln m\u00fcssen: Wie kann aus den Ruinen \u00fcberhaupt eine Bewegung entstehen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: enough-is-enough14 Ukraine. Das folgende Interview wurde von Tous Dehors gef\u00fchrt. Das Interview vom 17. M\u00e4rz 2022 ist Teil 2 einer Serie von Interviews. Teil 1 findet ihr hier. 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