{"id":11536,"date":"2021-12-22T15:45:36","date_gmt":"2021-12-22T14:45:36","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11536"},"modified":"2021-12-22T15:45:36","modified_gmt":"2021-12-22T14:45:36","slug":"solidaritaet-braucht-vertrauen-gedanken-zum-outcall-domhoever-vom-abc-dresden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11536","title":{"rendered":"Solidarit\u00e4t braucht Vertrauen \u2013 Gedanken zum Outcall Domh\u00f6ver vom ABC Dresden"},"content":{"rendered":"<p>quelle: <a href=\"https:\/\/abcdd.org\/2021\/12\/07\/solidaritat-braucht-vertrauen-gedanken-zum-outcall-domhover-vom-abc-dresden\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">abc dresden<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=11537\" rel=\"attachment wp-att-11537\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11537\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2021\/12\/542-604x270-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>In diversen Texten [2,3,4] wird derzeit der Outcall von Johannes Domh\u00f6ver (folgend JD) besprochen. Auch wir wollen uns&nbsp; zu diesem Thema \u00e4u\u00dfern. Wir haben vor einigen Wochen zuf\u00e4llig im Internet erfahren, dass es schwere Vorw\u00fcrfe der (sexualisierten) Gewalt und Vergewaltigung [1] gegen JD gibt, der derzeit im \u00a7129 Verfahren Antifa-Ost daf\u00fcr angeklagt wird, Teil einer kriminellen Vereinigung zu sein.<\/p>\n<p>Wenn wir im folgenden Text von Vorw\u00fcrfen gegen ihn sprechen, meinen wir nicht die Vorw\u00fcrfe der Bullen, sondern den Vorwurf der (sexualisierten) Gewalt und Vergewaltigung.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten der\/den Betroffenen unsere Solidarit\u00e4t ausdr\u00fccken. Wir finden es unglaublich wichtig und extrem mutig, trotz der im Outcall beschriebenen [1] Drohungen, mit dem Thema an die \u00d6ffentlichkeit zu gehen. Wir hoffen, dass die Betroffene(n) auf ein f\u00fcrsorgliches und offenes Umfeld treffen, welches sie bei der Heilung unterst\u00fctzt. Gleichzeitig sind wir w\u00fctend und entsetzt, dass das gewaltvolle Verhalten von JD so lange Teil einer Szene sein konnte, welche f\u00fcr Menschenrechte einsteht.<\/p>\n<p>Zu den strukturellen Problemen in Gesellschaft und linker Szene haben andere Gruppen bereits sehr gute Texte geschrieben [2,3], deren Inhalte wir teilen. Wir m\u00f6chten deshalb unsere Gedanken dazu teilen, was wir unter Solidarit\u00e4tsarbeit verstehen und wie problematisch der derzeitige Umgang mit Vorw\u00fcrfen der sexuellen\/sexualisierten Gewalt in Soli-Kampagnen ist.<br \/>\nWir verstehen es so, dass die Vorw\u00fcrfe der sexualisierten Gewalt gegen JD Personen aus seinem Umfeld schon seit Jahren bekannt waren. Es wurde au\u00dferdem bereits versucht, mit ihm an seinem Verhalten zu arbeiten. F\u00fcr uns stellt sich deshalb die Frage, warum die Infos nicht fr\u00fcher geteilt wurden. Ob Menschen aus dem Solib\u00fcndnis Antifa-Ost davon wussten, wird in ihrem Statement offen [4] gelassen.&nbsp;<\/p>\n<p>Menschen wie JD sind in vielerlei Hinsicht gef\u00e4hrlich f\u00fcr politische Zusammenh\u00e4nge. Ganz offensichtlich ist, dass die patriarchale Gewalt, die FLINTA* innerhalb der Szene erfahren, deren Leben bedrohen.&nbsp;Die Unf\u00e4higkeit im Umgang und in der Aufarbeitung dieser patriarchalen Gewalt ersch\u00fcttert auch unsere Werte, Strukturen und Glaubw\u00fcrdigkeit. Weiterhin sind viele der Vorw\u00fcrfe gegen JD strafrechtlich relevant und k\u00f6nnen von den Bullen als Druckpunkt genutzt werden, um bpsw. Informationen \u00fcber andere Personen und Zusammenh\u00e4nge zu bekommen. Es ist au\u00dferdem zu bef\u00fcrchten, dass der Outcall und der damit verbundene Ausschluss aus \u201eder Szene\u201c Rachegel\u00fcste hervorruft, die dazu f\u00fchren k\u00f6nnen, dass Interna ver\u00f6ffentlicht oder Menschen angegriffen werden. In diesem Kontext ist es absolut unverst\u00e4ndlich und gef\u00e4hrlich, dass trotz der gravierenden Vorw\u00fcrfe und der gescheiterten Aufarbeitung weiter politisch mit JD zusammengearbeitet wurde. Criminals for freedom teilen die Analyse [3], dass gewaltaus\u00fcbende Personen in unseren Zusammenh\u00e4ngen oft extreme Machtpositionen und eine Art Superheld*innen-Status innehaben. Umso wichtiger ist es doch die Zusammenarbeit mit Personen, welche so tiefen Einblick und Einfluss auf unsere Strukturen haben, zu pausieren bis sie sich mit ihrer Schei\u00dfe auseinandergesetzt haben. Ein Mensch, welcher nicht bereit ist sich mit eigenem gewaltvollem Verhalten auseinanderzusetzen, kann kein politischer Partner sein!<\/p>\n<p>Krassen Vorw\u00fcrfe gegen einen Angeklagten im Kontext einer Solikampagne riefen bei uns ein sehr starkes d\u00e9j\u00e0 vu hervor. 2018 wurde der sogenannte \u201eNetzwerk-Fall\u201c in Russland bekannt \u2013 die Verhaftung und Folter mehrerer Anarchist*innen und Antifaschist*innen in Penza und Petersburg, um das Konstrukt einer terroristischen Vereinigung. Es wurde eine breite Solidarit\u00e4tskampagne aufgestellt [5]. Mit der Zeit br\u00f6ckelte die Fassade des Idealbild der Aktivist*innen und schwere Vorw\u00fcrfe von sexualisierter Gewalt, Vergewaltigung und zuletzt Mord kamen an die \u00d6ffentlickeit. Das war f\u00fcr uns ein Schock in verschiedener Hinsicht; Wie ist diese politische Bewegung aufgestellt? Warum passiert das immer wieder? Wieso wurden diese Informationen geheim gehalten, obwohl sie der Solikampagne bekannt waren? Wie k\u00f6nnen wir unseren eigenen Netzwerken in der Solidarit\u00e4tsarbeit vertrauen? [6]<\/p>\n<p>Soli-Kampagnen mit von Repression Betroffenen versuchen oft, ein widerspruchsfreies Bild von perfekten Aktivist*Innen aufzubauen. Eben jenen Superheld*innen, nach welchen sich alle so sehnen. Im Netzwerk-Fall in Russland war es so und wir bef\u00fcrchten, dass es hier \u00e4hnlich ist. In diesem Kontext ist es verst\u00e4ndlich, dass Widerspr\u00fcche in den Personen, die nicht in dieses Bild passen, unterdr\u00fcckt werden, um die Soli-Kampagne nicht zu gef\u00e4hrden. Wir verstehen auch, dass aufgrund der n\u00f6tigen Klandestinit\u00e4t und der Privatsph\u00e4re einer Person nicht jede Info in der \u00d6ffentlichkeit besprochen werden kann. Im Fall von JD ist es aus unserer Sicht aber eindeutig, dass die Infos zumindest in abstrahierter Form h\u00e4tten ver\u00f6ffentlicht werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aus unserer Perspektive ist Vertrauen die Basis der Solidarit\u00e4tsarbeit. Wenn eine Unterst\u00fctzungsgruppe zur Solidarit\u00e4t mit einer Person aufruft, verlassen wir uns in einem gewissen Ma\u00dfe darauf, dass wir uns hinter unsere von Repression betroffenen Gef\u00e4hrt*innen stellen k\u00f6nnen. Grundlage daf\u00fcr ist nat\u00fcrlich, dass die Unterst\u00fctzungsgruppe den Personen, die sie unterst\u00fctzt, vertraut. Es ist durchaus m\u00f6glich einen Menschen f\u00fcr eine politische Aktion zu unterst\u00fctzen obwohl die Person sich in anderen Kontexten Schei\u00dfe verhalten hat. Damit so eine Entscheidung nachvollziehbar ist und eine eigene stabile Positionierung m\u00f6glich ist, braucht es jedoch Transparenz.&nbsp; So kann jede*r selbst entscheiden, ob sie sich weiterhin mit der Person solidarisieren m\u00f6chte. Wir halten es deshalb f\u00fcr absolut notwendig, derart gravierende Vorw\u00fcrfe im Einvernehmen mit der von der Gewalt betroffenen Person zu teilen, sobald eine Solikampagne gestartet wird.&nbsp;<br \/>\nWir brauchen keine Superheld*innen. Was wir brauchen sind soziale Zusammenh\u00e4nge, welche bei Gewalt nicht wegschauen, sondern Gewalt aus\u00fcbende Personen stoppen und Betroffene unterst\u00fctzen.&nbsp;<\/p>\n<p>Das Antifa-Ost-Verfahren ist in seiner politischen Dimension f\u00fcr unsere Bewegung sehr problematisch. Der Staat konstruiert linken Terrorismus und unterst\u00fctzt Feindbilder von der mittlerweile in Teilen der Bev\u00f6lkerung als Schimpfwort kursierenden Antifa. Und das in einer Zeit, in der rechte Positionen nicht nur in Teilen der Bev\u00f6lkerung, sondern auch in den Ermittlungsbeh\u00f6rden stark verankert sind. Viele Informationen aus dem Verfahren wurden direkt von den Cops an Nazis weitergeleitet. [7]<\/p>\n<p>Das macht klar, wir d\u00fcrfen uns von Repression nicht unterkriegen lassen und brauchen breite Netzwerke und Unterst\u00fctzung, um dieser politischen Entwicklung etwas entgegen zu halten. Aber genau f\u00fcr die breite Unterst\u00fctzung ist Vertrauen in die eigenen Solidarit\u00e4tsstrukturen notwendig. Um unseren eigenen Anspr\u00fcchen gerecht zu sein und auch weiterhin eine glaubw\u00fcrdige Soliarbeit zu leisten braucht es momentan nicht nur Texte und Bekenntnisse, sondern einen transparenten Umgang der Soli-Antifa-Ost-Kampagne sowie der anderen Angeklagten mit den Vorw\u00fcrfen. Es braucht Auseinandersetzung mit dem eigenen Verhalten und in den eigenen Gruppen.<\/p>\n<p><strong>Sexualisierte Gewalt in unseren Strukturen stoppen und transparent und proaktiv aufarbeiten!<\/strong><br \/>\n<strong>Solidarit\u00e4t ist unsere Waffe gegen staatliche Repression!<\/strong><\/p>\n<p>Links:<br \/>\n[1] Outing (21.10.2021) <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/156448\">https:\/\/de.indymedia.org\/node\/156448<\/a><br \/>\n[2] Antifa Friedrichshain (21.10.2021) <a href=\"https:\/\/de.indymedia.org\/node\/156449\">https:\/\/de.indymedia.org\/node\/156449<\/a><br \/>\n[3] Criminals for Freedom (26.10.2021) <a href=\"https:\/\/criminalsforfreedom.noblogs.org\/2021\/10\/statement-zum-outing-ueber-den-taeter-johannes-domhoever\/#more-1040\">https:\/\/criminalsforfreedom.noblogs.org\/2021\/10\/statement-zum-outing-ueber-den-taeter-johannes-domhoever\/#more-1040<\/a><br \/>\n[4] Statement Solidarit\u00e4tsb\u00fcndnis Antifa Ost (26.10.2021) <a href=\"https:\/\/www.soli-antifa-ost.org\/statement-des-solidaritaetsbuendnis-antifa-ost-zum-outcall-von-johannes-domhoever\/\">https:\/\/www.soli-antifa-ost.org\/statement-des-solidaritaetsbuendnis-antifa-ost-zum-outcall-von-johannes-domhoever\/<\/a><br \/>\n[5] Solikampagne Rupression zum Netzwerkfall <a href=\"https:\/\/rupression.com\/\">https:\/\/rupression.com\/<\/a><br \/>\n[6] Solidarit\u00e4t ist zerbrechlich \u2013 Gedanken zum \u201eNetzwerk\u201c-Fall vom ABC Dresden<a href=\"https:\/\/abcdd.org\/2020\/04\/06\/position-des-abc-dresden-zu-den-letzten-updates-im-netzwerk-fall\/\">https:\/\/abcdd.org\/2020\/04\/06\/position-des-abc-dresden-zu-den-letzten-updates-im-netzwerk-fall\/<\/a><br \/>\n[7] Wer ist der Maulwurf? \u2013 Nach Ver\u00f6ffentlichungen aus Ermittlungsakten im Fall Lina E. ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die Soko Linx<a href=\"https:\/\/www.akweb.de\/politik\/lina-e-ermittlungen-gegen-soko-links-in-sachsen-wer-ist-der-maulwurf\/\">https:\/\/www.akweb.de\/politik\/lina-e-ermittlungen-gegen-soko-links-in-sachsen-wer-ist-der-maulwurf\/<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>quelle: abc dresden In diversen Texten [2,3,4] wird derzeit der Outcall von Johannes Domh\u00f6ver (folgend JD) besprochen. 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