{"id":11261,"date":"2021-08-26T14:10:41","date_gmt":"2021-08-26T12:10:41","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11261"},"modified":"2021-08-26T14:10:41","modified_gmt":"2021-08-26T12:10:41","slug":"vor-50-jahren-gefangenenaufstand-in-attica","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11261","title":{"rendered":"\u2026vor 50 Jahren: Gefangenenaufstand in Attica"},"content":{"rendered":"<p>quelle: <a href=\"https:\/\/enough-is-enough14.org\/2021\/08\/22\/vor-50-jahren-gefangenenaufstand-in-attica\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">enoughisenough14<\/a><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=11262\" rel=\"attachment wp-att-11262\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-11262\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2021\/08\/Prisonstrike-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Am 21. August 1971 wurde der Black Panther George Jackson unter sehr fragw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden im kalifornischen Knast von San Quentin erschossen. In der Folge wuchs die Wut unter schwarzen und politischen Gefangenen um ein Betr\u00e4chtliches und entlud sich schlie\u00dflich am 9.9.71 im Gefangenenaufstand von Attica.<\/p>\n<p><strong><em>Urspr\u00fcnglich ver\u00f6ffentlicht von <a href=\"https:\/\/kontrapolis.info\/4661\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">Kontrapolis<\/a>.<\/em><\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2026vor 50 Jahren: Gefangenenaufstand in Attica<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dass in den USA Tr\u00e4ume wahr werden k\u00f6nnen, \u201ebelegen\u201c Berichte der Regenbogenpresse aus der \u201eTraumfabrik\u201c (God\u00b4s own country). Weniger publik ist das Schicksal der Vielen, die nun mal so gar nicht \u201evom Tellerw\u00e4scher zum Million\u00e4r\u201c wurden. Und das sind eben die Allermeisten: ihr Schicksal ist Armut, Krankheit und, wo sie gegen die Gesetze der Reichen versto\u00dfen haben, nur zu oft der Knast.<\/strong><\/p>\n<p>Es gibt kein Land auf der Welt mit mehr Strafgefangenen: laut UN-Angaben sitzen \u00bc aller weltweit Eingesperrten in US-Gef\u00e4ngnissen. Die \u201ePrison Nation\u201c umfasst ca. 2,19 Millionen, unter ihnen unverh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig viele People of Color (Afroamerikaner*innen, Latin@s, Indigene oder Asiat*innen). Dazu kommen eine betr\u00e4chtliche Anzahl Untersuchungsh\u00e4ftlinge. Letztes Jahr&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.prisonpolicy.org\/reports\/pie2020.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">warteten&nbsp;631.000 Menschen<\/a>&nbsp;<sup>*1<\/sup>&nbsp;in amerikanischen \u201eJails\u201c, also Untersuchungshaft-Anstalten, auf ihren Gerichtstermin, \u2013 und das oft f\u00fcr viel zu lange Zeit. Das zuvor schon \u00fcberlastete Gerichtssystem kam durch die Pandemie geradezu zum Erliegen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<h3>Einmal arm \u2013 immer \u00e4rmer<\/h3>\n<p>Menschen, die in den USA nur leichter Vergehen angeklagt sind und deren Fluchtgefahr als niedrig eingestuft wird, k\u00f6nnten ja eigentlich sehr wohl den menschenunw\u00fcrdigen Lebensumst\u00e4nden der Haft bis zu ihrer Verurteilung entgehen. Wenn sie Kaution zahlen k\u00f6nnten\u2026<\/p>\n<p>Ein Privileg, das sich eben nur wenige leisten k\u00f6nnen. Da diese, je nach Richter, Bundesstaat und Straftat, sehr hoch angesetzt werden kann, verf\u00fcgen nur wenige Privatpersonen \u00fcber die n\u00f6tigen finanziellen Mittel, auf diesem Wege ihre Freiheit zu wahren.<\/p>\n<p>Sind aber Angst und Verzweiflung gro\u00df genug, was angesichts der Haftbedingungen in den Vereinigten Staaten nur allzu verst\u00e4ndlich ist, gibt es f\u00fcr den \u00e4rmeren Teil der Bev\u00f6lkerung nur zwei M\u00f6glichkeiten: Wochen- bis jahrelange Untersuchungshaft oder die&nbsp;Dienste eines Kautionsagenten<sup>*<\/sup><sup>2&nbsp;<\/sup>in Anspruch zu nehmen, der die ben\u00f6tigte Summe gegen eine Geb\u00fchr und Zinsen zu Verf\u00fcgung stellt.<\/p>\n<p>Eine Abw\u00e4rtsspirale fortlaufender Pauperisierung wird in Gang gesetzt. Einmal arm \u2013 immer \u00e4rmer\u2026<\/p>\n<p>Und Knast hei\u00dft eben auch Zwangsarbeit f\u00fcr Hungerl\u00f6hne. Die US-Regierung r\u00e4umte in einer Untersuchung 2011 ein, weitaus mehr Gefangene der Zwangsarbeit zuzuf\u00fchren als zu Zeiten der Abschaffung der Sklaverei befreit wurden.<\/p>\n<p>Die Bedingungen dieser modernen Sklaverei sind m\u00f6rderisch: schlechte Unterbringung und Ern\u00e4hrung, unzureichende medizinische Versorgung, ungerechte Behandlung und regelm\u00e4\u00dfige G\u00e4ngelung in der Isolation. Aber sie treffen auf das Profitinteresse eines rasch wachsenden Industriezweiges: in privat-\u00f6ffentlicher Partnerschaft ist inzwischen ein gigantischer gef\u00e4ngnis-industrieller Komplex entstanden, der in den Staaten zur drittgr\u00f6\u00dften \u201eBranche\u201c gemessen an Besch\u00e4ftigtenzahlen wurde.<\/p>\n<h3>Auch vor 50 Jahren: Prominente Black Panther werden erschossen<\/h3>\n<p>Seit Beginn des Kalten Krieges wurden durch das FBI reihenweise Leuten Fallen gestellt, um Widerstand zu kriminalisieren. Es ist die Zeit des Geheimprogrammes COINTELPRO, das erkl\u00e4rterma\u00dfen Fallen stellen sollte, mit denen Linke in Straftaten verwickelt werden. Und in ihrer H\u00f6chstform t\u00f6teten diese Agenten ihre Gegner*innen auch reihenweise. So z.B. noch in den Sechzigern etwa den prominenten \u201e<em><strong>Fred Hampton<\/strong><\/em><sup><em><strong>*<\/strong><\/em><\/sup><sup><em><strong>2<\/strong><\/em><\/sup><em><strong>,<\/strong><\/em>einenB\u00fcrgerrechtler und Aktivisten der Black Panther Partei, dervon einer Polizeieinheit im Schlaf erschossen wurde.<\/p>\n<p>Und schlie\u00dflich gab es exakt vor 50 Jahren auch noch einen nicht minder prominenten Toten namens&nbsp;<strong>\u201eGeorge Jackson<\/strong><sup><strong>*<\/strong><\/sup><sup><strong>3.<\/strong><\/sup>&nbsp;Dieser Aktivist der Black Panther Partei pl\u00e4dierte u.a. f\u00fcr einen gewaltsamen Umsturz. Er wurde bei einer Schie\u00dferei im einem kalifornischen Knast get\u00f6tet.<\/p>\n<p>Auf diese Weise entpuppte sich das \u201eLand der unbegrenzten M\u00f6glichkeiten\u201c immer deutlicher als Land der z\u00fcgellosen Ermordung.<\/p>\n<h3>Der \u201eamerikanische Traum\u201c wird zum Alptraum<\/h3>\n<p>Dagegen regte sich Widerstand: Am 9. September 1971 \u00fcbernahmen ca. 1.200 Gefangene der Attica-Haftanstalt, eines der ber\u00fcchtigtsten Gef\u00e4ngnisse im Bundesstaat New York die Kontrolle \u00fcber die H\u00e4lfte der Anstalt, nahmen 38 W\u00e4chter als Geiseln und erkl\u00e4rten:<\/p>\n<p><strong>\u201eWir sind Menschen. Wir wollen nicht geschlagen und wie Tiere behandelt werden.\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Vier Tage lang kontrollierten die \u201eAttica Brothers\u201c den D-Block mit dem Ziel, die Menschen drau\u00dfen auf das brutale System aufmerksam zu machen. Die Attica Rebellion war der bestorganisierteste Gef\u00e4ngnisaufstand in der Geschichte der USA, und wurde von den Menschen weltweit als gerechtfertigte Antwort auf die unmenschlichen Gef\u00e4ngnisbedingungen gesehen.<sup>*<\/sup><sup>5<\/sup><\/p>\n<p>Dann wurde der ohne Schusswaffen durchgef\u00fchrte Aufstand auf Anweisung des damaligen Gouverneurs Rockefeller von Polizei und Nationalgarde niedergeschossen. Es gab 43 Tote.<\/p>\n<p>Auch 50 Jahre danach ist \u201eAttica\u201c unvergessen.<\/p>\n<p>\u00bb<em><strong>Die Attica-Trag\u00f6die ist ein weiterer schlagender Beweis daf\u00fcr, da\u00df in Amerika etwas schrecklich falsch ist\u00ab, fand der demokratische Senator Edmund Muskie. \u00bbWir sind so weit gekommen, da\u00df Menschen lieber sterben, als noch einen Tag in Amerika zu leben.<\/strong><\/em>\u00ab&nbsp;<sup>*6<\/sup><\/p>\n<p><strong>Quellenangaben:<\/strong><\/p>\n<p><strong>*1<\/strong>&nbsp;\u2013&nbsp;<strong>about 2.19 million prisoners&nbsp;in 2019<\/strong>:&nbsp;<a href=\"https:\/\/worldpopulationreview.com\/state-rankings\/prison-population-by-state\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/worldpopulationreview.com\/state-rankings\/prison-population-by-state<\/a><\/p>\n<p><strong>about 631.000&nbsp;detainees in jails&nbsp;2020<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.prisonpolicy.org\/reports\/pie2020.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.prisonpolicy.org\/reports\/pie2020.html<\/a><\/p>\n<p><strong>about&nbsp;745,200&nbsp;detainees in jails&nbsp;2019<\/strong>:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.sentencingproject.org\/the-facts\/#detail?state1Option=U.S.%20Total&amp;state2Option=0\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.sentencingproject.org\/the-facts\/#detail?state1Option=U.S.%20Total&amp;state2Option=0<\/a><\/p>\n<p><strong>*2 \u2013&nbsp;Kautionsagenten:&nbsp;NY Times Artikel :&nbsp;How Does Bail Work, and Why Do People Want to Get Rid of It?<\/strong>&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/01\/11\/nyregion\/how-does-bail-work-and-why-do-people-want-to-get-rid-of-it.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.nytimes.com\/2019\/01\/11\/nyregion\/how-does-bail-work-and-why-do-people-want-to-get-rid-of-it.html<\/a><\/p>\n<p><strong>*3<\/strong>&nbsp;\u2013&nbsp;<strong>Fred Hampton<\/strong>:&nbsp;<em>(*&nbsp;30. August1948&nbsp;in&nbsp;Chicago; \u2020&nbsp;4. Dezember1969&nbsp;in&nbsp;Near West Side, Chicago)<\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fred_Hampton\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Fred_Hampton<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fred_Hampton\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/Fred_Hampton<\/a><\/p>\n<p><strong>*4<\/strong>&nbsp;\u2013&nbsp;<strong>George Jackson:&nbsp;(<\/strong><em><strong>*&nbsp;23. September1941&nbsp;in&nbsp;Chicago,&nbsp;Illinois; \u2020&nbsp;21. August1971&nbsp;im&nbsp;San Quentin State Prison,&nbsp;Kalifornien)<\/strong><\/em>&nbsp;<a href=\"https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/George_Jackson_(activist\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/en.wikipedia.org\/wiki\/George_Jackson_(activist<\/a>)<\/p>\n<p><strong>*<\/strong><strong>5<\/strong>&nbsp;\u2013&nbsp;<strong>Attica Aufstand<\/strong>: \u201aTom Wicker: A Time to die. The Attica Prison Revolt.\u2018 2011, Haymarket Books<\/p>\n<p><strong>*6 \u2013&nbsp;<\/strong>Zitat ohne Autor*in- Angaben aus dem Spiegel Artikel, da kein\/e Autor*in vermerkt wurde :&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/lieber-sterben-a-da91f177-0002-0001-0000-000043078662?context=issue\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.spiegel.de\/politik\/lieber-sterben-a-da91f177-0002-0001-0000-000043078662?context=issue<\/a>,&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/index-1971-39.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">DER SPIEGEL 39\/1971<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>quelle: enoughisenough14 Am 21. August 1971 wurde der Black Panther George Jackson unter sehr fragw\u00fcrdigen Umst\u00e4nden im kalifornischen Knast von San Quentin erschossen. 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