{"id":11238,"date":"2021-08-09T10:52:46","date_gmt":"2021-08-09T08:52:46","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11238"},"modified":"2021-09-02T11:16:14","modified_gmt":"2021-09-02T09:16:14","slug":"chile-anarchistische-gefangene-monica-und-francisco-gegen-sektiererinnentum-fuer-eine-in-der-praxis-verankerte-affinitaet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11238","title":{"rendered":"[Chile] Anarchistische Gefangene M\u00f3nica und Francisco: Gegen Sektierer*innentum &#8211; f\u00fcr eine in der Praxis verankerte Affinit\u00e4t"},"content":{"rendered":"<p>quelle: <a href=\"https:\/\/actforfree.noblogs.org\/post\/2021\/08\/01\/chile-anarchist-prisoners-monica-and-francisco-against-sectarianism-for-an-affinity-supported-in-practice-en-it-es\/#more-2158\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">actforfree.noblogs.org<\/a>, \u00fcbersetzung abc wien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=9659\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-9659\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2020\/08\/monica-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Angesichts dessen, was wir als direkte Anfragen an uns sehen, entstand die Notwendigkeit, diesen Text zu schreiben, um die Probleme zu verdeutlichen.<\/p>\n<p>Wie wir bereits mehrfach sowohl individuell als auch kollektiv geschrieben haben, verstehen wir Anarchie nicht als eine Verk\u00f6rperung oder einen Ort der Ankunft, sondern als eine Spannung, eine st\u00e4ndige Konfrontation in der ersten Person, die die Suche nach individueller Freiheit in den Mittelpunkt stellt. F\u00fcr uns ist dieser st\u00e4ndige Kampf real, weshalb wir uns heute hinter Gittern befinden. Diese Situation hat uns nicht daran gehindert, uns weiterhin an Kampfinitiativen sowohl innerhalb als auch au\u00dferhalb des Gef\u00e4ngnisses zu beteiligen.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Kurz gesagt, Anarchie ist f\u00fcr uns eine Ethik und eine st\u00e4ndige Praxis gegen die Autorit\u00e4t, eine Praxis, in der wir uns mit anderen (nicht notwendigerweise &#8222;Anarchist*innen&#8220;) getroffen haben und unsere Visionen und F\u00e4higkeiten bereichert und erweitert haben, sowie enge Beziehungen der Komplizenschaft geschmiedet haben, die im Laufe der Jahre und der Konfrontation verst\u00e4rkt wurden. Die Behauptung, dass diese Beziehungen nur mit denjenigen aufgebaut werden k\u00f6nnen, die als &#8222;Anarchist*innen&#8220; bezeichnet werden, ist nicht nur ein Trugschluss, der nur von denen geglaubt werden kann, die es nicht gewagt haben, die Wege des Konflikts zu beschreiten und ihre Zeit vor dem Computer verbringen, sondern etwas, das wir von dem Moment an ablehnen, in dem wir das Kn\u00fcpfen von Verbindungen dem Wiederholen von leeren Slogans vorziehen, bis man genug davon hat. Sich selbst als &#8222;unzerlegbare Anarchist*innen&#8220; zu bezeichnen, bedeutet nichts, wenn es nicht von einer konfrontativen Praxis begleitet wird, die es aufrechterh\u00e4lt.<\/p>\n<p>Andererseits &#8211; und das ist das Wichtigste &#8211; spiegelt die Annahme, dass Anarchist*innen nur mit Anarchist*innen in Beziehung treten sollten, einen absurden Purismus und ein Sektierer*innentum wider, das zweifelsohne Ausdruck von Autoritarismus ist. Koordinierungen und gemeinsame Kampfinitiativen nur zwischen denjenigen zu etablieren, die sich selbst als &#8222;Anarchist*innen&#8220; bezeichnen, bedeutet, unsere Beziehungen und damit unsere Chancen auf Wachstum stark einzuschr\u00e4nken und zu begrenzen. Es bedeutet, sich dummerweise in Dogmatismen einzuschlie\u00dfen, die uns einschr\u00e4nken und uns an einer freien Assoziation hindern. Wir sehen also, wie einige im Namen der Freiheit genau das Gegenteil anstreben, indem sie Sektenverhalten als Grundlage f\u00fcr Beziehungen festlegen.<\/p>\n<p>Damit wollen wir nicht sagen, dass wir wahllos Beziehungen aufbauen oder keine Art von Filter haben.<\/p>\n<p>Wir haben die Punkte, die f\u00fcr uns unumst\u00f6\u00dflich sind, in fr\u00fcheren Kommuniqu\u00e9s deutlich gemacht; Reue, Distanzierung und Institutionalismus entsprechen einigen roten Linien, die un\u00fcberwindbare Aspekte darstellen, die uns daran hindern, irgendeine gemeinsame Initiative mit denen durchzuf\u00fchren, die sich f\u00fcr solche Wege entscheiden. Wie man sieht, handelt es sich bei diesen Punkten nicht um leere Etiketten, sondern um konkrete Praktiken und Lebensweisen im Gef\u00e4ngnis und nicht nur hier. Reue, Distanzierung und Institutionalismus sind Optionen, die f\u00fcr uns auf einen Schlag unseren gesamten Diskurs und unsere Arbeit zerst\u00f6ren und einen totalen Widerspruch zwischen dem, was gesagt und dem, was getan wird, erzeugen. Nun, f\u00fcr manche ist vielleicht nur das, was im Internet oder in den sozialen Netzwerken gesagt wird oder die aufr\u00fchrerischen Erkl\u00e4rungen wertvoll oder wichtig. Im Gegenteil, wir stellen die Praxis in den Vordergrund und stellen von dort aus Affinit\u00e4ten und Br\u00fcche her.<\/p>\n<p>Und autorit\u00e4re Praktiken sind sicherlich ein Punkt, bei dem wir keine Kompromisse eingehen werden. Wir haben nie k\u00e4mpferische Beziehungen auf der Grundlage von Autoritarismus aufgebaut, und die Erfahrung der anarchistischen und subversiven Gefangenen ist keine Ausnahme. Die Gemeinsamkeiten, die wir untereinander haben, sind viel st\u00e4rker als die Diskrepanzen, die wir vielleicht haben, Diskrepanzen, die nat\u00fcrlich keine un\u00fcberwindbaren Aspekte darstellen, sonst h\u00e4tten wir uns von Anfang an aus dieser Initiative zur\u00fcckgezogen. Die Bande, die uns mit unseren Gef\u00e4hrt*innen verbinden, sind in der Konfrontation innerhalb und au\u00dferhalb des Gef\u00e4ngnisses mehr als ein Jahrzehnt lang geschmiedet worden, was f\u00fcr uns eine bereichernde Beziehung und Erfahrung bedeutet hat, die unseren anarchistischen Weg zweifellos gen\u00e4hrt, gest\u00e4rkt und qualifiziert hat.<\/p>\n<p>Heute, in dieser neuen Situation der Gefangenschaft, haben wir unsere Beziehungen noch weiter verst\u00e4rkt, was sich in dieser gemeinsamen Initiative widerspiegelt, die zwar nicht neu ist, aber im letzten Jahr wichtige Mobilisierungen erfahren hat, die es uns erm\u00f6glichen, interessante Szenarien zu entwickeln.<\/p>\n<p>Wie wir in dem Artikel &#8222;\u00dcber die Notwendigkeit, den Kampf im Gef\u00e4ngnis fortzusetzen&#8220; in der Zeitschrift Kalinov MOST 4 bekr\u00e4ftigen, haben wir anarchistischen Gefangenen mit bestimmten Codes innerhalb der Gef\u00e4ngnisse gebrochen, die von den Mitgliedern der bewaffneten linken Gruppen aus den 80er Jahren eingef\u00fchrt und weitergegeben wurden, Codes, die haupts\u00e4chlich mit der Reproduktion der organisch-parteilichen (organic-partisan) Logik innerhalb des Gef\u00e4ngnisses und auch mit der Etablierung eines \u00dcberlegenheitsverh\u00e4ltnisses gegen\u00fcber dem Rest der Gef\u00e4ngnisinsassen zu tun hatten.<\/p>\n<p>Es versteht sich von selbst, dass unsere Gef\u00e4hrt*innen weit entfernt von und gegen diese Codes sind &#8211; in der komplexen Praxis innerhalb des Gef\u00e4ngnisses, nicht in dem bequemen Diskurs, der von irgendeinem Zimmer mit Internetanschluss aus gef\u00fchrt wird. Sie haben es sich zur Aufgabe gemacht, subversive Codes am Leben zu erhalten, mit denen wir uns identifizieren und die wir als unverzichtbar erachten, um sie zu \u00fcbernehmen und zu reproduzieren.<\/p>\n<p>Wir beziehen uns auf eine widerspenstige Haltung und Einstellung gegen\u00fcber der Gef\u00e4ngnisinstitution, die eine besondere Identit\u00e4t verleiht, die sowohl von den sozialen Gefangenen als auch von den Gef\u00e4ngnisw\u00e4rter*innen wahrgenommen und Anerkennung findet.<\/p>\n<p>&nbsp;Wir verweisen auch auf die unbestreitbare Tatsache, den Kampf innerhalb des Gef\u00e4ngnisses fortzusetzen, um in der Praxis zu zeigen, dass mit der Inhaftierung nichts zu Ende ist, dass es sich nur um eine weitere Etappe des Kampfes handelt, die mit der Opferrolle und dem Assistenzialismus<a href=\"#_edn1\">[1]<\/a> bricht, die oft im Kampf f\u00fcr die Freiheit der Gefangenen vorhanden sind.<\/p>\n<p>Seit Jahrzehnten haben die Gef\u00e4hrt*innen eine Anti-Knast-Praxis entwickelt und durchgef\u00fchrt, die \u00fcber die Mauern hinausgeht, an denen wir auf der Stra\u00dfe beteiligt waren und heute im Gef\u00e4ngnis sind. Dies sind nur einige der subversiven Codes, die wir mit unseren Gef\u00e4hrt*innen teilen, die unsere Bande der Verbundenheit in unserer t\u00e4glichen Arbeit st\u00e4rken und uns von jenen distanzieren, die, auch wenn sie sich Anarchist*innen nennen, Wege w\u00e4hlen, die weit vom Kampf entfernt sind oder sich v\u00f6llig von ihm distanzieren. Was sagen die Purist*innen \u00fcber jene, die sich &#8222;Anarchist*innen&#8220; nennen und sich v\u00f6llig von ihren Ideen und Praktiken distanzieren, wenn sie vor Gericht stehen oder im Gef\u00e4ngnis sitzen? Vielleicht f\u00fchlen sie sich mehr mit ihnen verbunden, weil sie dem leeren Etikett den Vorzug geben. Auch hier gilt: Wir bauen Beziehungen auf der Grundlage gemeinsamer Praktiken auf, nicht auf der Grundlage von Worten oder aufr\u00fchrerischen Beitr\u00e4gen im Internet.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich sehen wir die Notwendigkeit, auf die Gefahr des Sektierertums oder des Purismus in unseren R\u00e4umen hinzuweisen, die &#8211; abgesehen von den oben erw\u00e4hnten autorit\u00e4ren Beziehungen &#8211; zu selbstgef\u00e4lligen Haltungen f\u00fchren, die uns nur stagnieren lassen und die Konfrontation nicht vertiefen oder qualitativ verbessern.<\/p>\n<p>Von unserer klaren anarchischen Position aus, die auf st\u00e4ndigem Konflikt und individueller Freiheit basiert, bauen wir Beziehungen und Koordinationen auf, die uns auf dem Weg zur totalen Befreiung st\u00e4rken und bef\u00e4higen werden.<\/p>\n<p><strong>Wie die inhaftierten Genossen der &#8222;Verschw\u00f6rung der Feuerzellen&#8220; vor einigen Jahren sagten: Solidarit\u00e4t mit den Anarchist*innen und reuelosen Gefangenen aller revolution\u00e4ren Tendenzen!<\/strong><\/p>\n<p><strong>HEUTE SAGEN WIR: Freiheit f\u00fcr die Gef\u00e4hrten: Pablo Bahamondes, Marcelo Villarroel, Juan Aliste, Juan Flores und Joaqu\u00edn Garc\u00eda.<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>M\u00f3nica Caballero Sep\u00falveda. C.p.f San Miguel.<\/p>\n<p>Francisco Solar Dom\u00ednguez. C.p. Rancagua.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><a href=\"#_ednref1\">[1]<\/a> Mit Assistenzialismus im engeren Sinne bezeichnet man heute die karitative klassische Armenf\u00fcrsorge. Im Wesentlichen liegt der Schwerpunkt darauf, armen Bev\u00f6lkerungsgruppen, z.&nbsp;B. Stra\u00dfenkindern, Essen, Kleidung, Medizin und Unterkunft zu geben.<\/p>\n<p>Assistenzialismus im weiteren soziologischen Sinne ist eine Form des Tauschs von Verg\u00fcnstigungen gegen politischen Konsens. Er weist zwei Aspekte auf: eine expansive F\u00fcrsorgepolitik des Staates und das lethargische Warten der regionalen Bev\u00f6lkerung auf staatliche Hilfe.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>quelle: actforfree.noblogs.org, \u00fcbersetzung abc wien Angesichts dessen, was wir als direkte Anfragen an uns sehen, entstand die Notwendigkeit, diesen Text zu schreiben, um die Probleme zu verdeutlichen. 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