{"id":11155,"date":"2021-07-28T12:51:34","date_gmt":"2021-07-28T10:51:34","guid":{"rendered":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11155"},"modified":"2021-07-28T12:51:34","modified_gmt":"2021-07-28T10:51:34","slug":"italien-operation-prometeo-updates-zum-prozess-mai-juli-2021","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.abc-wien.net\/?p=11155","title":{"rendered":"\u00a0[Italien] Operation Prometeo: Updates zum Prozess (Mai \u2013 Juli 2021)"},"content":{"rendered":"<p>Quelle: <a href=\"https:\/\/www.brightonabc.org.uk\/news.html#43\">brighton abc<\/a>, \u00fcbersetzt von abc wien<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/?attachment_id=7345\" rel=\"attachment wp-att-7345\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-7345\" src=\"https:\/\/www.abc-wien.net\/wp-content\/uploads\/2019\/05\/i-a-italia-arrestati-tre-compagni-operazione-prome-1-150x150.jpg\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"150\"\/><\/a>Am 10. Mai begann die Verhandlung des &#8222;Prometeo&#8220;-Prozesses, in dem die anarchistischen Gef\u00e4hrt*innen Natascia, Beppe und Robert beschuldigt werden, drei Paketbomben an den ehemaligen Direktor des DAP (Dipartimento dell&#8217;Amministrazione Penitenziaria, &#8222;Abteilung f\u00fcr Strafvollzugsverwaltung&#8220;), Santi Consolo, und zwei Turiner Staatsanw\u00e4lte, Roberto Sparagna und Antonio Rinaudo, geschickt zu haben. Der Prozess findet vor dem Schwurgericht von Genua statt, da die Anklageschrift (Artikel 280, Absatz 1 und Absatz 3) eine Strafe ab 20 Jahren Haft vorsieht. Die Verhandlung wurde per Videokonferenz f\u00fcr die beiden noch inhaftierten Gef\u00e4hrt*innen Natascia und Beppe abgehalten, die \u00fcber einen Bildschirm aus den Gef\u00e4ngnissen von Santa Maria Capua Vetere bzw. Bologna an den Anh\u00f6rungen &#8222;teilnahmen&#8220;. Die Verhandlung fand vom 10. Mai bis zum 2. Juni in zwei Sitzungen pro Woche statt, an denen zahlreiche Carabinieri der ROS (Raggruppamento Operativo Speciale) und Sachverst\u00e4ndige der RIS (Reparto Investigazioni Scientifiche) teilnahmen, die von der Staatsanwaltschaft, vertreten durch Staatsanwalt Federico Manotti, und dem Zivilkl\u00e4ger, der Rinaudo vertrat, als Zeugen geladen waren.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Im Mittelpunkt der Anklage steht die Aussage des Turiner ROS-Generals Bogliacino, die zwei volle Tage dauerte und sich nicht auf konkrete Fakten bezog, sondern vor allem auf ideologische Fragen im Zusammenhang mit den angeklagten Gef\u00e4hrt*innen im Prozess, auf ihre zwischenmenschlichen Beziehungen und ihre Korrespondenz mit einigen Gefangenen, auf Internetrecherchen, die bis ins Jahr 2012 (!) zur\u00fcckreichen und sich auf Nachrichten und \u00f6ffentliche Diskussionen beziehen, sowie auf allt\u00e4gliche Dialoge, die instrumentalisiert wurden, um zu erzwungenen Schlussfolgerungen zu gelangen. Dasselbe Drehbuch, das in \u00e4hnlichen Prozessen gegen andere Gef\u00e4hrt*innen verwendet wurde: Schlie\u00dflich spielt die Suggestion in einem Prozess gegen Anarchist*innen eine wesentliche Rolle, erst recht, wenn man vor einer Geschworenenjury steht. Aus diesem Grund wurden auch viele Worte \u00fcber die freundschaftlichen Beziehungen zu einem Gef\u00e4hrten verloren, der in der Vergangenheit unter dem Vorwurf des Terrorismus und des angeblichen Besitzes von Sprengstoff verhaftet wurde. In diesem Zuge haben die ROS dann die Solidarit\u00e4t mit den Angeklagten im Scripta-Manent-Prozess und mit einem anderen Gefangenen angef\u00fchrt, um auf diese Weise die Motive und Abneigungen gegen\u00fcber denjenigen zu rechtfertigen, die in diesem Prozess die Angegriffenen sind &#8211; dem DAP und zwei Staatsanw\u00e4lten, die an der Unterdr\u00fcckung der K\u00e4mpfe beteiligt sind. Als ob diese Abneigung nicht von fast allen Rebell*innen, Anarchist*innen, Antagonist*innen oder Kriminellen geteilt w\u00fcrde, sei es aus Notwendigkeit oder aus Tugend.<\/p>\n<p>Dieselben RIS-Experten waren nicht so sehr von der T\u00f6dlichkeit der fraglichen Paketbomben \u00fcberzeugt, und der Zeuge, der versuchte, glaubw\u00fcrdiger zu erscheinen, klammerte sich an nicht n\u00e4her bezeichnete &#8222;von ihm privat durchgef\u00fchrte Experimente&#8220;, Experimente, die er im \u00dcbrigen nicht einmal in der Verhandlung offenlegte, um die T\u00f6dlichkeit zu beweisen.<\/p>\n<p>Die Zivilpartei benannte daraufhin eine eigene Liste von Zeug*innen, die sie in den Gerichtssaal bringen wollte, alle mit dem gleichen Tenor wie die oben genannten. Sie brachte dann Rinaudo und seine Frau pers\u00f6nlich in den Gerichtssaal, um ihr Schicksal als Verfolgte des gef\u00e4hrlichen gegnerischen Milieus zu schildern, wobei sie sich im \u00dcbrigen \u00fcber die Daten einiger angeblicher Einsch\u00fcchterungen widersprachen.<\/p>\n<p>Die Verteidigung intervenierte durch das Kreuzverh\u00f6r aller Zeug*innen, die Benennung von Sachverst\u00e4ndigen wie eine*r Sprengstoffexpert*in und eine*r Gerichtsmediziner*in f\u00fcr die Typologie des Materials, eine*r Sachverst\u00e4ndigen f\u00fcr die Zerlegung bestimmter Abh\u00f6rma\u00dfnahmen, die nach der inzwischen konsolidierten &#8222;cut and sew&#8220;-Technik von ROS und DIGOS (Divisione Investigazioni Generali e Operazioni Speciali, &#8222;Abteilung f\u00fcr allgemeine Ermittlungen und Sondereins\u00e4tze&#8220;, politische Abteilung der Staatspolizei), und schlie\u00dflich mit eine*r Expert*in, um das Video zu analysieren, das laut Anklageschrift Beppe und Natascia vor und nach dem Kauf der mysteri\u00f6sen Umschl\u00e4ge filmt. In diesem Zusammenhang ist es interessant festzustellen, dass das Gesch\u00e4ft, das Beppe und Natascia an jenem Tag betraten, nach Angaben der Staatsanwaltschaft das einzige war, das diese Art von Umschl\u00e4gen in ganz Genua und Umgebung verkaufte (d.h. die einzigen Gebiete, in denen solche Kontrollen durchgef\u00fchrt wurden). Nat\u00fcrlich reichte eine Recherche der Anw\u00e4lt*innen aus, um herauszufinden, dass die gleichen Umschl\u00e4ge auch in einem anderen Gesch\u00e4ft in Genua verkauft wurden, und zwar zu genau demselben Preis, der oben mit Bleistift angegeben war. Als w\u00e4re das nicht genug, kam dank der Kreuzverh\u00f6re der Anw\u00e4lt*innen auch noch ans Licht, dass die ROS dieses &#8222;Detail&#8220; bereits kannten. Ein &#8222;Detail&#8220;, das sie absichtlich verschwiegen haben, um das erfundene Kartenhaus der Staatsanwaltschaft zu untermauern.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Anh\u00f6rung am 1. Juli \u00e4u\u00dferte sich Natascia zu ihrem Hungerstreik und ihrem Befinden im Gef\u00e4ngnis von Santa Maria Capua Vetere, welches sie daran hindert, ihre*n Anw\u00e4lt*in und ihre Angeh\u00f6rigen zu sehen.<\/p>\n<p>Am 2. Juli fand eine abschlie\u00dfende Erkl\u00e4rung aller drei beschuldigten Gef\u00e4hrt*innen statt.<\/p>\n<p>Das Gericht verschob den Abschluss des Ermittlungsverfahrens auf den 20. September, den Tag, an dem voraussichtlich die Pl\u00e4doyers der Staatsanwaltschaft und des Zivilkl\u00e4gers mit der dazugeh\u00f6rigen Anklageschrift und dem Antrag auf Verurteilung stattfinden werden.<\/p>\n<p>Der 27. und 28. September werden ganz der Verteidigung gewidmet sind, der 19. Oktober ist die letzte Anh\u00f6rung f\u00fcr eventuelle Erwiderungen, und dann wird der Termin f\u00fcr das Urteil festgelegt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>In der Zwischenzeit sind Natascia und Beppe seit mehr als zwei Jahren im Gef\u00e4ngnis eingesperrt. Natascia befindet sich seit 20 Tagen im Hungerstreik und ist entschlossen, keinen Bissen mehr zu essen, solange sie im ber\u00fcchtigten Gef\u00e4ngnis von Santa Maria Capua Vetere sitzt. Derselbe ber\u00fcchtigte Ort &#8211; der Protagonist der Nachrichten dieser Tage [in Italien] &#8211; an dem die schweren Schl\u00e4ge vom April 2020 als Vergeltung f\u00fcr einen Protest der Gefangenen stattfanden. Dasselbe Gemetzel, von dem die Massenmedien und Institutionen nur in diesen Tagen Notiz zu nehmen scheinen, von dem wir aber wissen, dass es schon immer systematisch stattgefunden hat, in jedem Gef\u00e4ngnis, in jeder Kaserne, in jeder Polizeistation.<\/p>\n<p>Unser ganzer Hass gilt denen, die versuchen, unsere Gef\u00e4hrt*innen in einer Zelle zu begraben.<\/p>\n<p>An der Seite von Natascia, die seit 20 Tagen im Hungerstreik ist und gegen ihre erneute Verlegung in das Gef\u00e4ngnis von Santa Maria Capua Vetere k\u00e4mpft.<\/p>\n<p>An der Seite von Beppe und Robert, von allen inhaftierten Gef\u00e4hrt*innen und allen Gefangenen im Kampf.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Quelle: brighton abc, \u00fcbersetzt von abc wien Am 10. 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