Archive for the ‘Österreich’ Category

[Wien] Aktion: Wir scheißen auf den allgemeinen Zustand der Gleichgültigkeit!

Wednesday, November 22nd, 2017

Quelle: contrainfo

Es gibt viele anarchistische und libertäre Kämpfe weltweit, die uns berühren. Sie weiterzuführen bedeutet Solidarität für Individuen zu schaffen, die für Freiheit kämpfen. An dieser Freiheit hindern uns z.B. Regierungen, egal ob sie schwarz, blau oder andere Farben tragen. Ein Lebensrhythmus in dem wir tagtäglich beherrscht werden, hindert uns an einer selbstbestimmten Art zu leben und hindert viele andere Menschen am Überleben: Jeden Tag finden Abschiebungen statt, jeden Tag ertrinken Menschen im Mittelmeer, jeden Tag finden Vergewaltigungen statt, jeden Tag werden Ökosysteme zerstört, jeden Tag finden Zwangsräumungen statt und jeden Tag werden in Österreich Waffen produziert, welche in die ganze Welt exportiert werden. Diese Zustände bringen klar zum Ausdruck, dass jeder Tag ein Tag für Widerstand und tiefergehende Analyse ist.

Viele Aktionsformen sind möglich, vieles muss versucht werden, z.B. Blockaden und Sabotage!

Am 10. November 2017 wurde in den Morgenstunden der Gürtel (bei der Nussdorfer Str.) mit Baustellenmaterial und g’schissenen App-Fahrrädern für kurze Zeit blockiert und der Arbeitsverkehr gestört. Es wurden Wurfzettel mit der Aufschrift „Weder Faschismus, noch Demokratie! Freiheit, Gleichheit, Anarchie!“ hinterlassen. Diese und ähnliche Aktionen sind leicht durchzuführen und vielfältige Materialien lassen sich dafür finden.

Wir scheißen auf den allgemeinen Zustand der Gleichgültigkeit!
Jeder Tag ist Tag X!

Solidarische Grüße,
TagXYZ

[Wien] ABC-Schreibwerkstatt am 30.11. @ EKH

Wednesday, November 15th, 2017

Wie immer am letzten Donnerstag im Monat von 18 bis 20 Uhr im EKH/2. Stock @ Medienwerkstatt

[Wien] Anarchistisches Cafe am So 5.11.17

Thursday, November 2nd, 2017

Alle Infos am A-Cafe-Blog!

Wie kommunizieren in einer zunehmend digitalen, „smarten“ Welt?

Plakate, die Veranstaltungen bewerben, werden immer seltener. Teilweise lädt kein Flyer mehr zur Demo ein, sondern eine chat-Gruppe, facebook oder twitter.

Dieser Wandel an Kommunikationsmittel zieht sich durch die gesamte Gesellschaft, deren Kritiker_innen nicht selten eingeschlossen.

Es gibt Argumente, die sich klar gegen die Verwendung von facebook und Co. stellen, indem sie deren Funktion als Datenklau- und Überwachugs(hilfe)-Konzerne betonen.

Andere Sichtweisen sind zwiespältig: So können soziale Netzwerke dezentrale Organisation und spontanen Austausch ermöglichen, sind aber andererseits anfällig für Repression und Überwachung.

Aber auch klar positive Argumente sind zu finden. Immerhin können durch sog. soziale Netzwerke viel einfacher und schneller Menschen erreicht werden als das bei „klassischen“ Kommunikationsmitteln wie Plakaten und Flyern der Fall ist.

 Im diesmaligen Café wollen wir uns mit der Thematik herrschafts- und selbstkritisch auseinandersetzen und uns z.B. folgende Fragen stellen:

  • Was kann eine herrschaftskritische Perspektive auf die Nutzung von Plattformen wie Facebook und Co. sein?
  • Haben sog. soziale Netzwerke etc. widerständiges Potential?
  • Wie gehen wir mit einem gesellschaftlichen Normalzustand um, in dem sog. soziale Netzwerke mittels smart devices die gängige Kommunikationsform darstellen?
  • Inwiefern begünstigen bzw. begründen facebook usw. einen gesellschaftlichen Normalzustand, wo u.a. die Zustimmung zu Überwachung und (freiwillige) Datenpreisgabe selbstverständlich ist?
  • Laufen Anarchist_innen, wenn sie die Nutzung dieser Kommunikationsplattformen verweigern, in Gefahr, kaum mehr (neue, meist junge) Menschen mit ihren Ideen zu erreichen?

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Die Idee hinter dem anarchistischen Café ist, dass wir ein gemütliches Zusammenkommen und lebendigen Austausch von Menschen, die sich für Herrschaftskritik und Anarchismus interessieren, ermöglichen wollen.

Ein wertschätzender Umgang miteinander ist uns wichtig!
Es wird Getränke und auch was zu Essen geben, gerne könnt ihr auch selber etwas mitbringen (bitte vegan/dumpster-vegetarisch)

Wann: So, 5.11. gemeinsam Kochen ab 18:00, Diskussion ab 20:00
Wo: Perpetuum Mobile – Geibelgasse 23, 1150 Wien

Wir freuen uns auf euer Kommen!

[Wien] Mahnwache vor der argentinischen Botschaft

Tuesday, October 31st, 2017

(Quelle: contrainfo.espiv.net)

 Anläßlich eines internationalen Aktionstages wegen Santiago Maldonados Ermordung, wurde in Wien am Freitag, den 27.10.2017, eine spontane Mahnwache, mit Rede und Flugis, vor der argentinischen Botschaft abgehalten.

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[Wien] Demo 26.10. gegen Schwarz/Blau

Monday, October 23rd, 2017

Kam auch per Mail.

Auch Wichtig!!! Demo gegen Kontrolle und Überwachung am 25.10. – mehr dazu und warum im Demo-Aufruf

Und auch am 26.10. um 18 Uhr ist die ABC-Schreibwerkstatt – gemeinsam gegen den Knast schreiben.

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Gestern waren die Straßen die unseren, nehmen wir sie uns wieder! Nächster Donnerstag (26.10.17) selbe Zeit, selber Ort: um 19 Uhr vorm Parlament! Anstatt die Nation Österreich zu feiern, tragen wir unsere Wut auf die Straße! Gegen Schwarz-Blau! Jeder Tag ist Tag X! 

Am Donnerstag (19.10.17) fand einen unangemeldete Demonstration unter dem Motto „Nie wieder Schwarz-Blau! Jeder Tag ist Tag X!“ in Wien statt. Nach grandiosem Start mit Feuerwerk setzten sich ca. 300 Leute gegen 19:45 Uhr auf dem Ring in Bewegung Richtung Schottentor und verwendeten dabei die gesamte Fahrbahn. Am Schottentor kam dann das erste Bullenauto dazu und setzte sich vor die Demo. Es ging weiter die Herrengasse entlang, wo die Polizei immer wieder versuchte, sich an den Anfang der Demo zu setzen, es aber nicht schaffte – die Demo wich immer wieder spontan in andere Richtungen aus, lief durch enge Gassen im 1. Bezirk, wo auch das Material von Baustellen und Mülltonnen auf die Straße gezerrt wurde, um ein Weiterfahren der Polizeiautos zu verhindern. Als die Demo beim Burgtheater wieder auf den Ring lief, war bereits mehr Polizei vor Ort (ca. 10 Autos inkl. WEGA), sie stiegen aus und versuchten die Demo zu umstellen. Es kam zu Geschubse und Handgemenge, damit zerstreute sich die Menge und bis dato sind keine Festnahmen oder Identitätsfeststellungen bekannt. Falls doch, hier gibt’s Infos zu Rechtlichem und zur (möglichen) weiteren Vorgehensweise: https://at.rechtsinfokollektiv.org/

Heute waren die Straßen die unseren, nehmen wir sie uns wieder!
Nächster Donnerstag (26.10.17) selbe Zeit, selber Ort: um 19 Uhr vorm Parlament! Anstatt die Nation Österreich zu feiern, tragen wir unsere Wut auf die Straße! Gegen Schwarz-Blau! Jeder Tag ist Tag X!

[Wien] Neuigkeiten zum anarchistischen Cafe aka Raumprojekt

Monday, October 23rd, 2017

Kam per Mail…

Was ist nun eigentlich aus dem Raumprojekt geworden?

Im April haben wir dank der Unterstützung vieler Menschen erste Kohle für die Raumsuche in Wien aufstellen können. Nach kurzer Zeit mussten wir leider feststellen, dass die Mieten in Wien dermaßen hoch sind, dass wir einen ganzen Raum in derzeitiger Besetzung nicht stemmen können. Da unser Wunsch nach einem anarchistischen Treffpunkt in Wien aber nach wie vor groß ist, haben wir beschlossen uns nach anderen Möglichkeiten umzusehen, um unsere Ideen umsetzen zu können.

So entstand noch vor dem Sommer das Anarchistische Café im Perpetuum Mobile. Das Anarchistische Café soll es ermöglichen den Austausch unter Anarchist*innen in Wien zu fördern. Dafür veranstalten wir regelmäßig Diskussionen rund um gelebten Anarchismus, tauschen uns aus über Erfahrungen im Kampf gegen alltägliche Formen der Unterdrückung und teilen unsere persönlichen und kollektiven Revolutionsvorstellungen. Wir kommen zusammen zu Filmabenden und kochen gemeinsam vegan. Dazu laden wir alle Anarchist*innen und Interessierte gerne ein! Ein Ziel des Projekts ist es antiautoritäre Inhalte zugänglich und greifbar zu machen und dabei möglichst auch Szenegrenzen zu überschreiten. Es ist uns wichtig unsere Inhalte so zu gestalten, dass auch unsere Nachbar*innen und jüngere Menschen zum gemütlich Zusammenkommen und über Anarchie plaudern vorbei kommen können. Um dies zu ermöglichen, findet mindestens eine Veranstaltung im Monat auf Englisch statt und es gibt eine kleine Bücherei zum Ausleihen anarchistischer Literatur. Wir freuen uns, falls ihr die anarchistische Leseecke mit Büchern oder Broschüren unterstützen wollt!

Was uns noch wichtig ist: Wir haben die Erfahrung gemacht, dass Diskussionen über Theorien gut und wichtig sind, um unsere Analysen zu schärfen. Dabei wollen wir uns immer bewusst halten, dass es aber genauso wichtig ist, persönliche Auseinandersetzungen über Dominanz im zwischenmenschlichen Umgang anzukurbeln, um daraus gemeinsame Perspektiven zu entwickeln. Unsere Veranstaltungen wollen wir daher auch dazu nutzen, uns Zeit zu nehmen um Stimmungen und Spannungen anzusprechen und gemeinsam Ideen zu spinnen, wie wir in Zukunft unsere Zusammenhänge in Wien stärken können.

Wir haben die Suche nach einem neuen Raum für Wien vorerst beendet, um uns mit voller Aufmerksamkeit dem Anarchistischen Café zu widmen. Die gesammelte Solikohle fließt dabei in den Erhalt der Infrastruktur im Perpetuum Mobile (Renovierung, etc.) und die Miete. Wir wollen, dass die Idee des Raumprojekts aber nicht in der Schublade der unerfüllten Wünsche verschwindet. Sollte aus der Lust auf ein solches Projekt eine Initiative entstehen, möchten wir die Umsetzung gerne unterstützen und zu einem offenen Treffen im Perpetuum Mobile einladen. Falls dafür Interesse besteht, schreibt uns gerne eine E-mail (acafewien@riseup.net).

In Zukunft findet das A-Café immer abwechselnd Sonntag und Freitag, 4 Mal im Monat, ab 18 Uhrim Perpetuum Mobile (15., Geibelgasse 23) statt. Wobei es Sonntags immer inhaltliche Inputs in unterschiedlichen Formen gibt und an den Freitagen der Schwerpunkt darauf liegt, sich auszutauschen, in der Bibliothek zu schmökern oder was auch immer euch einfällt.

Die genauen Termine und das Programm findet ihr auf dem Blog.

Und außerdem auf zeit.diebin.at und gegendielangeweile.net

Wir freuen uns auf einen Kaffee mit euch!

Liebe und solidarische Grüße, das A-Café

[Wien] A-Café 22.10.: Film & Austausch zu Kontroll- & Überwachungstechniken

Saturday, October 21st, 2017

Bei unserem diesmaligen Café wollen wir einen Film über aktuelle Kontroll- und Überwachungstechnologien zeigen. Daran anschließend wollen wir uns über die Thematik gemeinsam austauschen.

Techniken der Kontrolle wie biometrische Personenerkennung und RFID sind zwar eigentlich nichts neues mehr, aber seit ihrer Entstehung wird eifrig an ihrer Verbesserung und für ihren Masseneinsatz gearbeitet. Alles in allem scheint sich ein mögliches Horrorszenario für viele Menschen anzubahnen. Besonders Menschen, die es ohnehin schon schwer haben, könnten diese Technologien zuerst treffen: Das reicht von der biometrischen Auffindung illegalisiert lebender Geflüchteter mittels Biometrie über neue Techniken der Diebstahlssicherung mittels RFID-Chip.

Eines wollen wir bei unserer Auseinandersetzung damit aber vermeiden: Die Entstehung von Resignation und Ohnmachtsgefühlen. Erfahrungsgemäß ist die Beschäftigung mit diesem Thema schwierig und hinterlässt viele mutlos und verängstigt- was genau das Gegenteil davon ist, was wir als Anarchist*innen wollen!

Wir sehen unsere Aufgabe daher darin, Alternativen und Widerstandsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dafür ist aber eine kritische Auseinandersetzung mit (neuen) Technolgien, jenseits von marxistischem Technikoptimismus* und primitivistischer Technikfeindlichkeit sicherlich hilfreich.

*der meist jede herrschaftskritsche oder auch nicht-geisteswissenschaftliche Auseinandersetzung mit jener Technologie, die Subjekt des Optimismus ist, vermisst

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Die Idee hinter dem anarchistischen Café ist, dass wir ein gemütliches Zusammenkommen und lebendigen Austausch von Menschen, die sich für Herrschaftskritik und Anarchismus interessieren, ermöglichen wollen.

Ein wertschätzender Umgang miteinander ist uns wichtig!
Es wird Getränke und auch was zu Essen geben, gerne könnt ihr auch selber etwas mitbringen (bitte vegan/dumpster-vegetarisch)

Wann: So, 22.10. gemeinsam Kochen ab 18:00, Film ab 20:00
Wo: Perpetuum Mobile – Geibelgasse 23, 1150 Wien

Wir freuen uns auf euer Kommen!

[Österreich] Wer produziert aller in den Knästen?

Wednesday, October 18th, 2017

Im Augustin 439 vom Juni 2017 ist dieser wichtige Text zu finden gewesen.

Fabrik hinter Gittern
Soziales Vorzeigeunternehmen GEA baut seine Kooperation mit Justizanstalt Krems-Stein aus

Schuhe ausm Häfn. Eine Firma, die mit ihrem sozial-ökologischen Idealismus wirbt, lässt Inhaftierte für sich arbeiten. Zu welchen Bedingungen und mit welchen Folgen für wen, hat Christof Mackinger recherchiert. Die Fotos der Werkstätten in der Justizanstalt Krems-Stein sind von Martin Valentin Fuchs.
Christof Mackinger / 19.06.2017
Auf den Tischen stapeln sich Unterlagen, in der Abwasch das Geschirr. Auf dem Beistelltisch liegt ein Buch des französischen «Bauernrebellen» José Bové. In seinem Büro in Schrems sitzt mir ein ganz anderer Rebell gegenüber: Heini Staudinger, Kopf des Schuh- und Möbelherstellers GEA/Waldviertler, den Medien als «Finanzrebellen» betitelten. Berühmtheit erlangte er 2012, als die Justiz darauf aufmerksam wurde, dass GEA Privatkredite bei Freund_innen nahm. Die Finanzmarktaufsicht stufte die Kleinkredite als illegales Bankgeschäft ein und verhängte eine Geldstrafe. Staudinger verweigerte die Zahlung und setzte einen Medienrummel um die Causa in Gang, die GEA mittlerweile nicht nur eine dreifache Umsatzsteigerung einbrachte, sondern auch ein Gesetz auf den Weg brachte, das die Finanzierung durch Privatkredite legalisiert. Jetzt, nur zwei Jahre, nachdem ein Inkassobüro GEA-Betten beschlagnahmen wollte, um die Geldstrafe zu begleichen, posiert Staudinger bei einer Pressekonferenz des Justizministers in der Haftanstalt Krems-Stein: Sein Unternehmen will Häftlinge für sich arbeiten lassen. Davon profitieren sollen GEA zufolge vor allem Inhaftierte.

Resozialisierung?
Österreichs 9053 Häftlinge sollen durch ihren Gefängnisaufenthalt bessere Menschen werden, glaubt man dem Justizministerium: «Eine Reintegration der Straftäterin/des Straftäters in die Gesellschaft ist dabei immer das oberste Ziel des Strafvollzugs», lässt es auf seiner Website verlauten. Wie das gehen soll, müssen sich alle fragen, die schon mal ein Gefängnis von innen gesehen haben: Soziale Isolation, Enge und Unterforderung stehen an der Tagesordnung. «Die Resozialisierung müssen die Inhaftierten selbst leisten, mit ihren Familien und einer gewissen Unterstützung von Haftentlassungshilfen und sozialen Diensten», erklärt Arno Pilgram, der als Kriminalsoziologe am Institut für Rechts- und Kriminalsoziologie zum Themengebiet Strafvollzug forscht. «Resozialisierung ist ja in der Gesellschaft möglich und nicht im Gefängnis. Da kann bestenfalls erreicht werden, dass nicht zu stark entsozialisierende Effekte auftreten. In Haft weiter zu arbeiten, was zu verdienen, sich selbst zu versorgen, solche Dinge helfen schon die Schäden, die ein Gefängnis auf jeden Fall mit sich bringt, zu minimieren.»
Der Arbeit der Häftlinge kommt eine zentrale Rolle zu. Nicht nur hält ihre Leistung wichtige Teile des Gefängnisbetriebs aufrecht, denkt man an die Knastküche, Wäscherei, Landwirtschaftsbetriebe und Schlossereien; in Haft werden zynischerweise sogar die Gitterstäbe selbst produziert. Mit externen Auftraggeber_innen finanziert die Justiz auch rund 10 Prozent des jährlichen Budgets des Strafvollzugs, drückt damit also die Kosten seines Gefängnissystems. Häftlinge, die dazu nicht beitragen wollen und die Arbeit verweigern, können sogar mit Geldstrafen belegt werden. Glaubt man Arno Pilgram, ist dies in der Praxis aber eher die Ausnahme. Die meisten Inhaftierten wollen arbeiten: «Es ist ja elendig, den Großteil des Tages in der Zelle zu verbringen, da ist Arbeit eine Abwechslung.» Arbeit fungiert hinter Gittern aber auch als gewichtiges Mittel der Disziplinierung: «Oft haben nur jene, die arbeiten, Zugang zu anderen Dingen. Es ist eine kleine Verdienstmöglichkeit, wenn auch nicht gigantisch. In den Arbeitsbetrieben wirst du oft auch normaler behandelt.»
Dass die Verdienstmöglichkeiten in Haft tatsächlich keine gigantischen sind, zeigt eine Tariftabelle der Justiz: Externe Unternehmen bezahlen 9,70 Euro pro Arbeitsstunde. Dass das so billig geht, liegt daran, dass es für Häftlinge weder Pensions- noch Krankenversicherung gibt, die Lohnnebenkosten also entfallen. Den Inhaftierten wird davon aber noch 75 Prozent «Vollzugskostenbeitrag» abgezogen, weshalb letztlich nur zwischen 1,40 und 1,90 Euro übrigbleiben. Bei einer 30-Stunden-Woche sind das 175 Euro im Monat, wovon wiederum die Hälfte in die sogenannte Rücklage für die Zeit nach der Entlassung geht. Der durchschnittliche Gefangene hat somit rund 90 Euro im Monat zur Verfügung, um sich «Luxusartikel» wie Tabak oder ein Fernsehgerät zu leisten oder auch das meist wenig beglückende Gefängnisessen zu verbessern.

Made in Häfn?Im zweitgrößten Gefängnis Österreichs, der Justizanstalt Krems-Stein, lassen viele Unternehmen kleinere Arbeiten von Häftlingen verrichten. Auch GEA ist kein Neuling und lässt dort schon seit Jahren Kuverts herstellen. Ob eine Arbeit im Kuvert-Sektor zu größeren Jobchancen nach der Haft führt ist noch mal eine ganz andere Frage.
Das Waldviertler Unternehmen ist einer der bekanntesten am Gemeinwohl orientierten Wirtschaftsbetriebe Österreichs, der Einkommensunterschiede in der eigenen Belegschaft beschränkt und das gesamte Geschäft in Zukunft in einer Genossenschaft, also im kollektiven Besitz vieler Teilhaber_innen, aufgehen lassen will. Heini Staudinger, der GEA 1984 als Sozialverein gegründet hat, fasst die Firmenpolitik folgendermaßen zusammen: «Es geht uns nicht um Schuhe oder Möbel, es geht ums große Ganze.» Groß ist die Firma auch geworden, denn mittlerweile verkauft sie über 200.000 Paar Schuhe im Jahr, hat ein Sortiment an Möbeln, Taschen und anderem und beschäftigt rund 300 Mitarbeiter_innen.
Auf eine persönliche Bitte des Justizministers Wolfgang Brandstetter, mehr in Justizanstalten fertigen zu lassen, stieg GEA prompt ein: In Zukunft will man im Jugendgefängnis Gerasdorf gefertigte Feuerkörbe und in der Justizanstalt Krems-Stein produzierte Fleckerlteppiche ankaufen und vertreiben. Staudinger betont, dass es dabei «vollkommen uninteressant ist, ob wir was verdienen oder nicht». Vielmehr gehe es um eine «Würdigung der Arbeit der Gefangenen».

Idealismus?

Besonders in der Schuhproduktion sei viel Übung nötig, um Qualität herzustellen, man wolle es aber dennoch mit Häftlingen probieren. GEA sei noch «Lichtjahre» davon entfernt, von einer Zusammenarbeit mit den Justizanstalten profitieren zu können, so Staudinger. Denn bis in Stein produzierte Schuhe wirklich in den Verkauf gehen könnten, dauere es noch Jahre. Es gehe einzig um Idealismus: «Ich glaube ganz im Ernst, dass alle, die mit uns zu tun haben, eine Freude mit uns haben – nicht nur die Häftlinge, auch das Personal», gibt sich Staudinger beim Gespräch in seinem Büro überzeugt. «Die ganze Arbeitswelt ist unheimlich verdorben mit Zeitdruck. Im Häfn findest du den Zeitrahmen, wo du was sorgfältig in Ruhe machen kannst. Ich sage nicht, dass das im Häfn alles super ist. Ich möchte auch nicht im Gefängnis sein, aber ich würde gern so arbeiten wie die in der Schusterwerkstatt dort.» Da Häftlinge in der Justizanstalt Stein nicht selten zehn oder mehr Jahre einsitzen, könnten sie während ihrer Haftstrafe eine relevante Ausbildung absolvieren und Arbeitspraxis sammeln, so der Tenor. Dass das Justizministerium jetzt schon in seiner Presseaussendung titelt: «Waldviertler Schuhfabrik lagert einen Teil der Produktion nach Stein aus», sei, so Staudinger,«völlig absurd», weil es bis dorthin noch ein «braader Weg» sei.
Aus Sicht des Ministeriums ist es natürlich eine gute Gelegenheit, den unter Dauerkritik stehenden Strafvollzug in ein soziales und ökologisches Licht zu rücken. Unternehmen wie GEA könnten hier andocken und den Forderungen Gefangener Nachdruck verleihen. Denn Häftlinge kritisieren die fehlende Pensions- und Krankenversicherung und das fehlende Recht, sich gewerkschaftlich zu organisieren. Daran könne er nichts ändern, meint Staudinger dazu. Tatsache ist aber, dass im Gefängnis produzieren lassende Unternehmen durchaus ihre Macht ausspielen und bestimmte Arbeitsbedingungen sowie Löhne einfordern könnten. Und damit auch zeigen, wie (re)sozial(isierend) sie wirklich sind.
Eine Frage darf man also durchaus noch stellen: Wo bleibt jetzt der Justizrebell?

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[Wien] Anarchistisches Café: Solidarische Perspektiven entwickeln

Friday, October 13th, 2017

Anarchistisches Café am Freitag, den 13.10. ab 18 Uhr(ab 19 Uhr Essen, ab 20 Uhr Diskussion)

Diskussionshema: Solidarische Perspektiven entwickeln- Jenseits von Wahlen und Populismus

Es ist wieder so weit: Nervtötende Wahlplakate mit billigen Sprüchen säumen die Wege. Seitenlange Berichte und „Analysen“ von den absurden Machtspielchen der Parteien und ihren Vertreter*innen sind in allen Medien präsent. Moralistisches Drängen, unbedingt vom demokratischen Wahlrecht Gebrauch zu machen, scheucht „brave“ Bürger*innen zu Urne – Es sind Wahlen.

Viele wenden sich resigniert davon ab, versuchen das alles zu ignorieren oder sich in einem der vielen anderen Spektakel oder ihrer Arbeit zu ertränken. In anderen glimmt dieses kleine Gefühl von Macht auf, endlich einmal „mitbestimmen“ zu können. Eifrig wie nie, mit fast mystischer Verschwiegenheit laufen sie zum Wahllokal, wo jedoch stets nur das geringere Übel gewählt werden kann.

Wir können diesem ganzen Spektakel nur wenig abgewinnen und trotzdem finden wir es notwendig, sich damit kritisch auseinanderzusetzen. Wir sind uns dabei durchaus bewusst, dass kein Schritt zu einer befreiteren Gesellschaft getan wird, indem wir bloß die Wahlen boykottieren. Im Gegenteil denken wir, dass es andere Wege gibt, sich für unsere Leben stark zu machen, jenseits von Gehorsam, Untertangengeist und scheinbarer „Mitbestimmung“. Über diese möglichen Wege wollen wir uns ebenfalls austauschen.

Deswegen wollen wir am Freitag, den 13.10. den Text „Gegen die Illusion der Wahlen – Warum wir die Freiheit nicht mit dem Stimmzettel erreichen können“ als Diskussionstartpunkt nehmen, um einen anarchistischen Blick auf das Thema zu werfen. Der Text soll dabei nur einen Input darstellen, wenn dir andere Texte zu diesem Thema einfallen, kannst du sie sehr gerne mitbringen (und natürlich auch einfach so vorbeikommen, ohne etwas gelesen zu haben).

Hier ist die kurze Einleitung des Texts, den ganzen findest du hier: https://fda-ifa.org/perspektiven/#materialien

Die Idee hinter dem anarchistischen Café ist, dass wir ein gemütliches Zusammenkommen und lebendigen Austausch von Menschen, die sich für Herrschaftskritik und Anarchismus interessieren, ermöglichen wollen. Ein wertschätzender Umgang miteinander ist uns wichtig! Es wird Getränke und auch was zum Essen geben, gerne könnt ihr auch selber was mitbringen (bitte vegan/dumpster-vegetarisch)

Wir freuen uns auf euch!

Location: Perpetuum Mobile, Geibelgasse 23, 1150 Wien

[Wien] Treibstoff-Party & No-G20-Soli

Wednesday, October 4th, 2017

Kommendes Wochenende – wir sind auch dabei mit einem Infotisch!!

Dieses Wochenende, 6.10. und 7.10., feiern wir am Wagenplatz Treibstoff unseren Geburtstag und verbinden die Party mit Spenden
sammeln um von Repression Betroffenen helfen zu können. Packt euch und eure Freunde ein und feiert mit uns!

Das Programm:

6.10.2017 ab 18h
Bicycle Terror https://bicycleterror.bandcamp.com/ Fastcore-Punk,
Janösch https://janoesch.bandcamp.com HardcoreCrustPunk,
Ocaso https://ocasopunx.bandcamp.com Sludgy Misanthropic Metal,
Walther Lufts Konflikt https://waltherluftskonflikt.bandcamp.com Emo

danach glitzerglamrock-auflegerei
Kulinarische Begleitung: F.U.G.

7.10.2017 ab 15h
Nachmittags Workshops, Solitattoos, Saftbar, Bands und mehr

Fabian Maddison https://fabianmaddison.bandcamp.com/album/tarheel
Bluegrass Punk,
Jake Martin https://jakemartinmuzic.com/ Folk Punk,
Selten Guat
Scheissegal http://www.scheissegal.at/startseite.html PunkPunkPunk,
Gfrast http://med-user.net/~gfrast/ Melodic TeknoCrust,
ZxUxAx http://zxuxa.bandcamp.com SummertimeReggaeHiadl am Asphalt
Samira Dezaki http://www.samira-dezaki.com/ HipHop

danach video-rave-party
Kulinarische Begleitung: AKW Lobau

Ort: Wagenplatz Treibstoff – Eichenstraße 1A 1120 Wien